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Der Fall der Fälle

S1150070Das erste, das wir von den Fällen wahrnehmen, ist der Regenbogen, der in leuchtende Farben die Schlucht unterhalb des Hufeisenfalls überspannt. Die herüber wehende Gischt ist angenehm kühl auf der Haut, denn es ist sommerlich heiß. In der Tiefe kämpft sich ein Schiff flussaufwärts durch Wassernebel und wirbelnde Strömung, die „Maid of the Mist“.

Von hier gesehen strömt da Wasser auf den Abgrund zu und verschwindet in der Tiefe, wir gehen ein paar Schritte den Fußweg entlang, um den gewaltigen Vorhang von seiner eindrucksvollsten Seite aus zu sehen. Wo sie über die Kante stürzen, sind die Wassermassen grün, wo sie unter gewaltigem Tosen auftreffen, steigt dichter Nebel herauf, bis in den blauen Himmel über uns.

Drüben auf der anderen Flußseite stürzen die amerikanischen Fälle herab, kaum weniger beeindruckend. Um die volle Pracht genießen zu können, mussten wir für einen Tag nach Kanada einreisen.

Wir laufen den Weg zwischen der Schlucht und den Hotelbauten, die samt dem Aussichtsturm mit Außenlift hier versammelt stehen, ein Stück hinab, bis wir den amerikanischen Fällen Aug in Aug gegenüber stehen. Was für ein gigantischer Vorhang aus Wasser!

Als wir zum Hufeisenfall zurückkommen, steht die Sonne tiefer und der Regenbogen entsprechend höher, aber nicht weniger eindrucksvoll.

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IMG_1901Geister-Camping: es gibt kein WLAN, noch nicht einmal in der Nähe der (geschlossenen) Rezeption. Bis auf die antiquierten Waschräume und die Laundry ist alles verrammelt. In der letzteren dichte Spinnweben und ein Automat für Waschmittel, leer bis auf ein einziges Fach, und das klemmt. Nur deshalb ist auch noch etwas drin. Im Freien hält man es nicht aus, wegen der unzähligen Schnaken. Man kann eigentlich nur mit den Hühnern zu Bett gehen und still vor sich hin schwitzen.

Chicago

Wie alle amerikanischen Großstädte hat auch Chicago ein faszinierendes Flair, das durch die Lage am riesigen Lake Michigan noch verstärkt wird. Unser Bus gelangt durch ein Gewirr von Spaghetti-Kreuzungen hinüber zur Lake Front und dann hinaus auf die künstliche Halbeinsel des Adler Planetariums, von wo aus sich die Kette der Wolkenkratzer besonders eindrucksvoll darbietet. Höhepunkt ist natürlich der Willis Tower (der frühere Sears Tower) mit 443 Metern Hpöhe, plus Antennen.

Wir verlassen die Reisegruppe und besuchen das Planetarium, wo in einer eindrucksvollen 3D-Simulation die Entstehung des Universums und der Galaxien gezeigt wird, begleitet von einer Raumfahrt-Ausstellung samt originaler Gemini-Kapsel. Als wir wieder hinaustreten, sind Wolken aufgezogen, und die Skyline sieht ganz anders aus als im morgendlichen Gegenlicht.

Vorbei an den anderen bedeutenden Museumsbauten und dem Springbrunnen gelangen wir zur Millenium Plaza, einer offenen Konzertbühne mit einer von eleganten Bögen überspannten Rasenfläche als Auditorium. Ganz in der Nähe dann ein verspiegeltes Etwas, das „Cloud Gate“, sowie der Videobrunnen mit einem riesigen Gesicht, dessen Lippen sich von Zeit zu Zeit spitzen und einen Wasserstrahl ausstoßen.

Unter der Hochbahn, dem „Loop“ hinweg geht es nun zum Willis Tower, dem Treffpunkt der Gruppe. Von weitem war er gut zu sehen, aber hier zwischen all den anderen Wolkenkratzern? Ich Frage einen Passanten, der – amerikanische Hilfsbereitschaft – mit mir bis zur nächsten Kreuzung geht, wo der Turm zu sehen ist. Thank you very much, Sir.

Leider müssen wir Chicago schon um 15 Uhr wieder verlassen, um noch ein paar Stunden den Niagarafällen entgegen zu fahren.

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Ein Streckentag

IMG_1778Amerikanische Supermärkte sind ein Erlebnis. Schon am Eingang wird der Kunde freundlich begrüßt und mit einem Einkaufswagen beglückt. Und dann das Warenangebot! Außer richtigem Brot gibt es so gut wie alles, das zunächst ebenfalls vermißte Sprudelwasser heißt hier „Soda Water“. Nun aber flugs zur Kasse. „Sie können an diese hier gehen“, gibt mir der Einweiser zu verstehen. Dabei hatten wir gerade festgestellt, daß wir mit weniger als 20 Artikeln auch die Schnellkasse hätten nehmen dürfen. Aber hier geht es noch schneller. Zu unserer Verblüffung packt die Kassiererin die Artikel auch gleich in Plastiktaschen und dreht am Karussell, wir müsen die Tüten nur aufgreifen. Beim Verlassen des Marktes nimmt uns der Grüß-Gott-Onkel mit einem freundlichen „have a nice day“ den leeren Wagen ab. Wie gesagt, ein Erlebnis für uns servicewüsten-gewöhnte Deutsche.

Von der Querung des Mississippi abgesehen, des „Ol’Man River“, bietet der Tag ansonsten nur hübsche Ausblicke auf eine abwechslungsreiche, landwirtschaftlich geprägte Gegend.

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Von der Maus zum Mais

IMG_1705Der heutige Tag bringt uns von den Badlands, die wir noch einmal auf einem Rundweg erkunden und dabei einer entzückenden Wüstenspringmaus begegnen, in eine weitläufige Landschaft, die zunächst noch von Viehweiden, später dann von Mais- und Sojafeldern geprägt ist, nach Mitchell, der Stadt mit dem weltweit einzigartigen „Corn Palace“, einer Art Mehrzweckhalle, deren Außenfassade mit Bildern aus verschiedenfarbigen Maiskolben dekoriert ist. Die Motive wechseln jährlich, das heurige Motto scheint wohl „Verkehrsmittel“ zu lauten.

Kurz vorher fahren wir für eine Mitreisende das Krankenhaus an, die Reiseleiterin steigt mit ihr aus. Daß die beiden anschließend den geparkten Bus suchen und wegen des Straßenfestes nicht finden, hält uns unerwartet auf, die geplante Visite von Sioux Falls entfällt.

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In Stein gemeißelt

IMG_1633Amerikanische Straßen haben gelbe Mittelstriche, wo Gegenverkehr herrscht, während alles andere wie bei uns weiß ist. Das gilt auch bei getrennten Fahrbahnen, und getrennt heißt in Amerika, daß die Gegenfahrbahn in erheblichem Abstand verläuft. Keine Notwendigkeit für Mittelleitplanken. Und so ist die Interstate einfach nur ein Betonband, das sich malerisch zwischen sanften Hügeln hindurchschlängelt, wobei die gelbe Linie tunlichst links sein sollte.

Wir erreichen die Kleinstadt Deadwood, ein malerisches Westernstädtchen mit Saloons und Casinos. Dann geht es weiter zu den berühmten Präsidentenköpfen. Hier am Mount Rushmore wurde ein ganzer Berg zum Nationaldenkmal umgearbeitet, die Köpfe der Präsidenten Washington, Jefferson, Lincoln und Roosevelt sind jeweils rund 18 Meter hoch. Ein Museum am Bergfuß dokumentiert die Arbeiten am Monument und die Verdienste der Dargestellten.

Gegen Abend erreichen wir die Badlands, eine (wer hätte das gedacht?) von Naturkräften geformte Landschaft, die sich durch verschieden gefärbte Bänder und tief zerfurchte Hänge auszeichnet, so daß mehr oder weniger bizarre Felsnadeln übrig blieben. Das nahe Visitor Center zeigt einen Film über die einzigartige Tierwelt der Gegend.

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Des Teufels steinerner Turm

IMG_1516Heute kommen wir in eine Gegend mit interessanten Landschaftsformen. Das ist in Nordamerika nichts Ungewöhnliches, und doch ist jede dieser Naturlandschaften anders. Diese hier hat zum Beispiel einen Wasserfall. Im weiteren Verlauf schlängelt sich die Straße bis auf zweieinhalbtausend Meter hinauf, man nennt diese Gegend die Bighorn Mountains. Und wieder hinab, denn jetzt verlassen wir endgültig die Rockies und kommen in die weite Prärie, die schon von oben als schier endlos weite Ebene zu sehen war.

Und dann, plötzlich, taucht er in der Ferne auf: der Devils Tower. Es gibt ja an den verschiedensten Stellen der Welt jene markanten sechseckigen Lavasäulen, aber nur hier formen sie einen ganzen Berg, der wie ein gigantischer, 270 Meter hoher Turm in der Landschaft steht. Wir umrunden den unbesteigbar wirkenden Monolithen einmal zu Fuß und beziehen dann in Sichtweite Quartier.

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Buffalos!

S1150029Gleich am frühen Morgen geht es wieder hinein in den Park, an den Hot Springs von gestern vorbei und hinüber zum Wasserfall, den wir zuerst von einem Waldweg aus bewundern und ihm dann, nach kurzer Fahrt, am Artists Point quasi Aug in Aug gegenüber stehen. Hier stürzt nicht ein Bächlein, sondern ein ganzer Fluß über die Steilstufe herab, eine gewaltige Gischtwolke hervorbringend.

Dann geht es weiter, dem Mittagsziel entgegen. Achten Sie auf Büffel, ermahnt uns die Reiseleiterin. Und dann, in einer weitläufigen Wiesenfläche … Das sind ja Dutzende von Tieren! Weiträumig verteilt stehen sie äsend im satten Grün oder am Ufer des Baches. Und es sind Jungtiere dabei! Was für ein Erlebnis, wir können uns kaum satt sehen. Und dann, wenige hundert Meter weiter, eine noch größere Herde. Auch hier wieder: aussteigen, fotografieren, und schon geht es weiter.

Die Mittagspause verbringen wir an einer Lodge, einem riesigen Holzhaus mit offenen Kaminfeuern – und weihnachtlicher Dekoration! Ja, spinnen die Amis denn? Des Rätsels Lösung: vor über 100 Jahren geriet eine Gruppe Touristen am 25. August hier in einen Schneesturm, saß fest – und beschloß, Weihnachten zu feiern. Die Tradition wurde bis heute beibehalten.

Noch ein Abstecher zum Seeufer, dann geht es hinaus aus dem Park und weiter in Richtung Cody, wo wir um 15:00 Uhr eintreffen. Eine dreiviertel Stunde Supermarkt, eine knappe Stunde Stadtbummel … wir verbringen eigentlich mehr Zeit mit Einkaufen als mit den eigentlichen Attraktionen.

Nach dem Abendessen verbringt ein Teil der Reisegruppe den Abend bei einem Rodeo, denn dies ist die Stadt des legendären Buffalo Bill.

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Die Erde dampft

S1130038Endlich sind wir im berühmten Yellowstone-Park. Gleich rechts lockt ein Bohlenweg, der zwischen dampfenden Erdspalten und blubbernden Tümpeln hinabführt zum See. Die Vorauslaufenden geben Zeichen: in der taufeuchten Wiese haben es sich zwei Karibus gemütlich gemacht. Daß man so nah an wild lebende Tiere herankommt, ist schon etwas Besonderes. Aber es kommt noch besser.

Der „Old Faithful“ ist ein Geysir, der regelmäßig alle eineinviertel Stunden ausbricht. Die nächste Vorstellung wird 5 vor 11 erwartet. Wir nehmen auf einer der Sitzreihen Platz, näher darf niemand an den alten Verläßlichen herantreten. Das Schauspiel beginnt 10 Minuten früher und fällt nicht ganz so spektakulär aus wie erwartet, aber immerhin: unter Fauchen und Zischen steigt eine dampfende Wasserfontäne in den blauen Himmel. Nach drei Minuten ist die Vorstellung vorbei, und das Publikum spendet Beifall. Wir wenden uns dem Rundweg zu, der uns an diverse geothermische Erscheinungen heranführt … und geraten in Eile, denn der Weg ist lang und die Mittagspause kurz.

Nächstes Etappenziel im Park ist eine Gruppe von Wasserflächen mit verschieden bunten Ausblühungen in Ufernähe. Auch hier steigen Dampfwolken auf, und auch hier drängt die Zeit, denn der Park ist groß und die Fahrtstrecken lang. Nahe der Nordzufahrt locken Terrassen aus weißem oder schwefelfarbigem Sinter, dazwischen vereinzelt auch abgestorbene Bäume. Ein Bild wie aus einer anderen Welt. Leider sind viele Terrassen trocken gefallen, weil die heißen Quellen sich selbst den Weg verbauen, erst ganz am Ende des Weges entdecken wir eine Stelle, wo dampfendes Wasser hervorbricht und neue Becken und Kaskaden formt, auch über den ehemaligen Weg hinweg.

Dann geht dieser eindrucksvolle Tag zu Ende.

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10 Minuten müssen reichen…

IMG_1435…für einen Nationalpark, der ein wunderschönes Landschaftsbild, eine reiche Flora und Fauna sowie einen weitläufigen See bietet, in dem sich die Viertausender der Grand Teton Kette spiegeln. Theoretisch. Denn als wir das Ziel der heutigen Etappe erreichen, ist die Sonne bereits untergegangen. Zudem liegt der Platz mitten im Wald, von Aussicht keine Spur.

Der Tag beginnt mit einer bösen Überraschung, der linke Vorderreifen unseres Vehikels ist platt. Zwar hat der Bus für solche Fälle einen Kompressor an Bord, aber in die Werkstatt muß er doch. Eine Stunde Wartezeit, dann geht es endlich los.

Nutzfahrzeuge benötigen in Amerika ein Permit. Und zwar für jeden Bundesstaat ein neues, das an einer Kontrollstation erst einmal ausgestellt werde muß. Wir berühren heute Utah, Idaho und Wyoming.

Als wir endlich auf dem Campground eintreffen, stellt sich heraus: man hat uns statt bei den RVs (Recreational Vehicles) auf den Gruppenplatz eingeteilt, wo es für den Rotel-Bus weder Wasser- noch Stromanschluß gibt. Auch keine Duschen. Zum Glück reicht das bordeigene Kabel bis zur Waschhütte, so daß wir wenigstens Licht haben, denn dieser Platzteil ist unbeleuchtet.

Vor dem Abendessen werden noch die großen Koffer aus dem Bauch des Busses geholt, damit wir für die kommenden 3 Tage das Notwendige in die Bordtasche umpacken können.

Erwähnt werden sollte noch, daß wir im Laufe dieses Tages Zeugen einer Schießerei zwischen einem Cowboy und dem Sheriff gerieten, auch Indianer und vollbusige Bardamen waren zugegen und jede Menge Schaulustige. Das alles passierte im Städtchen Jackson am Snake River, sie feierten dort gerade irgend ein Jubiläum.

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Bei den Mormonen

IMG_1276Auf mein ungläubiges Kopfschütteln hin brach in Salt Lake City zur Strafe ein heftiger Gewittersturm los, der ganze Äste von den Bäumen riß. Aber ich wollte nun einmal nicht glauben, daß das Buch der Mormonen auf Schriften zurückgeht, die zwischen 600 vor bis 400 nach Christi Geburt auf dem amerikanischen Kontinent verfaßt wurden, und zwar in reformiertem Alt-Ägyptisch. Die junge Missionarin wußte aber auch noch anderes über ihren Glauben zu erzählen und auch über die verschiedenen Gebäude im Tempelbezirk, ihre Baugeschichte und Funktion.

Im Tabernakel, einem Gebäude mit gewölbtem Dach und eindrucksvoller Akustik, erlebten wir zuvor eine Vorführung der gewaltigen Orgel, die mit mehr als 11.000 Pfeifen zu den größten der Welt zählt. Den in Weiß gehaltenen Tempel zu betreten bleibt allerdings den Mitgliedern der Sekte vorbehalten.

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