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Ballspielplatz

S1360052Ob sie wirklich Ball gespielt haben auf diesen geheimnisvollen Plätzen, die es bei jeder Maya-Stätte gibt? Die Längsseiten sind von einer hohen Mauer begrenzt, in deren Mitte jeweils ein steinerner Ring angebracht ist. Mußte der Ball durch einen dieser Ringe geworfen werden? Warum sind sie dann nicht zum Feld hin ausgerichtet? Und warum sind sie mal niedrig und mal exterm hoch angebracht? Lassen wir uns bei unserer Interpretation von einer Ähnlichkeit leiten, die rein zufällig ist?

Fest steht, daß der Platz in Chichen Itza eine phantastische Akustik hat: klatscht man in die Hände, sind sieben Echos zu hören. Festzustehen scheint auch, daß hier Menschen geköpft wurden, die Reliefs am Rande des Feldes verraten es. Allerdings werden in unseren Kirchen ja auch keine Menschen ans Kreuz genagelt. Und so bleibt die Erkenntnis, daß die Ballspielplätze ihr Geheimnis wohl niemals preisgeben werden, auch wenn wir uns noch so sehr anstrengen.

Andere Details zu interpretieren fällt leichter. So hat die Pyramide auf jeder Seite genau 91 Stufen. Die letzte Stufe ist allen Treppen gemeinsam. Vier mal 91 plus 1 sind 365, eine wohl bekannte Zahl, die ganz sicher kein Zufall ist.

Denn die Maya waren exzellente Astronomen und kannten die Abläufe am Himmel sehr genau, wußten Sonnen- und Mondfinsternisse auf Jahrhunderte im voraus zu berechnen. Ein runder Turm, der leider nicht betreten werden darf, wird deshalb als Observatorium gedeutet, auch wenn sich der modernen Forschung noch nicht alle Einzelheiten erschließen.

Wir könnten in diesem Areal noch Stunden zubringen und immer wieder Neues entdecken, Darstellungen von Schlangen etwa oder von Totenschädeln. Aber das Areal füllt sich zusehends mit Menschen, die von den Badeorten herüber kommen und vorwiegend daran interessiert sind, sich selbst in Szene zu setzen. Und wir haben noch einen längeren Weg vor uns.

Bei Tulum treffen wir auf die karibische Küste. Die hiesige Stätte liegt als einzige, die wir kennenlernen durften, direkt am Meer, an einer Stelle wo kein Korallenriff die Ausfahrt der Schiffe behindert.

Hier kommt unsere Tour zum Abschluß. Für morgen steht ein freier Tag am Strand an, dann geht es mit dem Flugzeug zurück nach Mexico City und nach Hause.

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Jagufanten

IMG_0526Wir stehen in einem mexikanischen Supermarkt, deutlich größer als die meisten, denn es gibt der Kassen vier. Und an allen herrscht totaler Stillstand. Zehn Minuten, zwanzig Minuten. Volle Einkaufswagen, Schlangen murrender Menschen, Personal das sich irgendwelche Fragen zuruft, Kopfschütteln. Es ist die einzige Einkaufsgelegenheit für Getränke weit und breit, wir haben Durst, das gemeinsame Abendessen im Hotel beginnt in zehn Minuten. Entnervt setzen wir den Einkaufskorb irgendwo aus und gehen unverrichteter Dinge von dannen. Das ist Mexiko.

Der gestrige Tag verlief unspektakulär, wir fuhren an der Karibikküste ein Stück nordwärts bis in das Städtchen Campeche, das als Weltkulturerbe mit einem charakteristischen Straßenbild aufwartet. So richtig malerisch wird der Ort jedoch erst, wenn abends alles angestrahlt wird, einschließlich der Kathedrale. Bis es so weit ist, sehen wir den Pelikanen beim Fischen zu: der schwerfällig wirkende Vogel sticht, wenn er einen Fisch erspäht, blitzschnell herab, Wasser spritzt auf, und wenig später sieht man ihn die Beute im Ganzen verschlingend.

Heute standen dann wieder zwei Maya-Stätten auf dem Programm. Die erste bringt uns die Bekanntschaft des Regengottes ein. Das ist eine Figur mit einer Nase, die an einen Elefanten erinnert. Diese Tiere gab es hier nicht, also muß der Rüssel wohl eine andere Bedeutung haben. Und sie hat einen Mund mit gefletschten Zähnen wie bei einem Jaguar. Also nenne ich sie Jagufant.

Die zweite Maya-Stätte ist erstens sehr gut erhalten und zweitens auch sehr ausgedehnt. ihr Name: Uxmal. Die Mexikaner schreiben, wenn sie für einen Laut keinen Buchstabrn haben, einfach ein X. Ausgesprochen wird der Ort „Ugschmal“, mit Betonung auf dem A. Und er hat die steilste Pyramide von Mesoamerica.

Und nicht nur das. Hinter und neben dem eindrucksvollen Bauwerk befinden sich weitere, und sämtliche Schaufassaden reich mit „Jagufanten“ bestückt. Auch ein Papagei-Motiv entdecken wir, stellenweise ist es kopfüber oder quer eingebaut. Wie Papageien halt so sind. Die Leguane im Gelände liegen alle richtig herum, denn sie sind echt, auch wenn sie exakt die Farbe der Steine annehmen..

In der Begeisterung des Erkundens und Entdeckens vergehen die Stunden wie im Flug, und schon heißt es: Aufbruch nach Merida. Das Städtchen hat ausgedehnte Villenviertel, leider aber liegt das Hotel nicht in einem solchen.

Der Pianist im Speiseraum ist gut, aber das Piano nicht. Und dann spielt er auch noch „Lady in Red“. Wir gönnen ihm trotzdem einen Applaus, er kann ja nichts dafür. Wo das Hotel seine fünf Sterne versteckt halt, bleibt uns ein Rätsel.

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Mitten im Nirgendwo

IMG_0374Mexiko ist ein großes Land, und so geht es auch am Neujahrsmorgen sehr zeitig los. Das heutige Ziel heißt Calakmul und liegt „in der Mitte vom Nirgendwo“.

Unser Reisebus kann hier nicht fahren, wir müssen auf Kleinbusse umsteigen. Reiseleiter Luis hofft, daß er noch einen zweiten organisieren kann, da die Gruppe anderenfalls aufgeteilt werden müßte. Im letzten Moment, die ersten sitzen schon im Shuttle, trifft das zweite Fahrzeug ein.

Und schon geht es auf die schmale Urwaldpiste. Ungläubiges Staunen: 60 Kilometer? Haben die vielleicht das Komma vergessen? Mit vorrückender Zeit macht sich die Erkenntnis breit, daß wir tatsächlich so weit in den Regenwald hinein vorstoßen, der zur Zeit aber eher ein Trockenwald ist.

Die letzten beiden Kilometer gehen wir zu Fuß. Und dann, plötzlich, tauchen sie vor uns auf, die steinernen Riesen, deren größter weit über das Blätterdach aufragt. Außer uns sind kaum andere Touristen hier, und das gibt dem entlegenen Ort etwas Mystisches. Ein Hauch von Entdeckergeist umweht uns, als wir uns aufmachen, die endlosen Treppen hinaufzusteigen. Treppen, die offenbar nicht für menschliche Beine gedacht sind, denn die Stufen sind an die 70 Zentimeter hoch.

Oben angekommen, schweift der Blick über ein Blätterdach, das sich in alle Richtungen bis zum Horizont erstreckt. Mit einer Ausnahme: in einigen hundert Metern Entfernung ragt eine zweite Pyramide empor, wie eine Himmelsleiter, deren unterer Teil im undurchdringlichem Urwald verborgen liegt. Ein Ort wie aus einem Abenteuerroman.

Als wir uns alle satt gesehen haben, besteigen wir die beiden Busse und fahren zurück, wo wir nach über einer Stunde bei Hitze und drangvoller Enge wieder bei unserem Reisebus ankommen, der uns ins nahegelegene Hotel bringt, Hier ist zwar immer noch Nirgendwo, aber mit Internet-Anschluß: eine Infrastruktur, von der in Deutschland so manche ländliche Region träumt.

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