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Franz Marc und August Macke

Die beiden Künstler waren Freunde. Und so lautet denn auch der Untertitel der Ausstellung: „Eine Künstlerfreundschaft”. Gezeigt wird sie im Münchner Kunstbau, einem ganz besonderen Museum, das nur über das Zwischengeschoß des U-Bahnhofs „Königsplatz” zu erreichen ist. Architektonisch gesehen ist es der Raum zwischen Bahnsteig und Straßenoberfläche, der normalerweise einfach wieder verfüllt wird. Hier in München sieht man von den Rolltreppen aus durch ein großes Schaufenster hinein. Oder aber, man holt sich im nahen Lenbachhaus ein Ticket, welches einem vom Verteilergeschoß her den Zutritt ermöglicht.

Hier hängen sie nun nebeneinander, die bunten Straßenszenen des Rheinländers August Macke und dazwischen Franz Marcs gleichermaßen farbenfrohe Tiere. Eine gelbe Kuh. Ein blaues Pferd. Rehe in verschiedenen Farben, die irgendwie an die Heilige Familie erinnern. Die Farben sind bewußt gewählt: blau, die Farbe des Himmels, steht für das männliche Prinzip, die Sonnenfarbe gelb für das weibliche.

Die beiden Künstler besuchten sich gegenseitig, tauschten sich aus, inspirierten einander – und blieben doch ein jeder seinem eigenen Stil treu. Leider verbindet sie auch ein allzu früher Tod auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs.

In der Ausstellung wird mit vielen Besuchern gerechnet, deshalb gibt es Tickets mit Zeitfenster. Ganz so schlimm war der Andrang dann aber doch nicht, anscheinend muß sich die Ausstellung erst herumsprechen. Wir beide waren jedenfalls begeistert.

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Auch vom Lenbachhaus, dessen Ausstellungsgebäude der Kunstbau ist. Das Haupthaus ist ein Schlößchen aus der Zeit, in der in Bayern ein Prinzregent das Sagen hatte. Seinen Weltruhm verdankt es der einmaligen Sammlung von Werken des „Blauen Reiter”, einer Vereinigung von Künstlern, der eben auch Franz Marc und August Macke angehörten.

Im Garten, der sich zwischen die beiden Flügel des Gebäudes schmiegt, liegt noch Schnee, die Brunnen sind abgedeckt, aber in den Blumenrabatten zeigen sich erste grüne Spitzen.

Ganz nebenbei bemerkt, waren wir heute auch im OEZ, dem „Olympia Einkaufszentrum”, und in der beeindruckenden BMW Welt. Bleibenden Eindruck hinterließ auch das winterlich verzauberte Altmühltal vor den Zugfenstern. Alles in allem also ein sehr gelungener Tag.

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Der steinerne Superlativ

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Er ist von einer drei Meter tiefen Wasserfläche umgeben, für die der Begriff Graben eine maßlose Untertreibung wäre, denn sie ist knapp 200 Meter breit und umfaßt eine Insel von gut einem Quadratkilometer. Wir betreten sie jenseits des Grabens durch das Eingangsbauwerk. Was sich von außen schon andeutete, zeigt sich hier nun in voller Größe: ein Tempel aus kunstvoll behauenem Sandstein mit 5 lotosblütenförmigen Türmen, deren höchster 65 Meter mißt. Hat man das 200 Meter breite und 300 Meter lange massive Bauwerk erst einmal betreten, kann man die umlaufenden, äußerst detailreichen Reliefs bewundern oder aber hinaufsteigen auf die zweite und dritte Ebene. Immer wieder tun sich dabei neue interessante Durchblicke auf, wir fühlen uns wie in einem kleinen Gebirge. Allein sind wir dabei freilich nicht.

S2370004Das war auch bei den Tempeln von Angkor Thom, die wir heute vormittags besuchten, schon so. Angesagtes Verkehrsmittel war heute der Elektrokarren, alternativ hätten für die letzte Etappe auch Elefanten zur Verfügung gestanden. Und dann befinden wir uns auch schon zwischen den unzähligen Gesichtertürmen, für die der Bayon-Tempel bekannt ist. Nachdem wir ihn und insbesondere seine Reliefs ausgiebig besichtigt haben, geht es gleich weiter zum ebenso riesigen Baphuon. Man kann hinaufsteigen oder auf der ersten Ebene außen herumlaufen, denn an der Rückseite soll eine Buddhastatue warten. Als wir dort ankommen, schweift das Auge umher: wo ist er denn nun, der Buddha? Erst der Blick zurück auf den Tempel offenbart schließlich, daß das gesamte Bauwerk einen riesigen liegenden Buddha darstellt. Dafür waren zwar einige massive Umbauten notwendig, aber gerade diese hier sichtbare Umwidmung offenbart auch so manches über die Religionen an sich.

Mit diesen beiden Tempeln beschließen wir unsere Reise nach Vietnam und Kambodscha. Morgen werden wir noch einen entspannten Tag im Hotel verbringen, ehe wir dann gegen Abend den langen Heimflug antreten.

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Gesichtertürme und Würgefeigen

Wenn sich der geplante Flug um mehrere Stunden verschiebt, wird es mit dem abendlichen Silvesterdinner eng, kurz nach 9 Uhr sitzen wir endlich um unsere Tische herum, die sich aber so nah an den Lautsprechern befinden, daß wir uns erst gar nicht um ein Gesprächsthema zu bemühen brauchen. Dabei gäbe es so vieles, das man noch einmal Revue passieren lassen könnte. Auf der Bühne wechseln sich Apsara-Tänzerinnen mit Revuegirls und einer Band ab, die wohl zu tief in der 70er-Jahre Kiste gekramt hat. Es gibt Buffet mit leckeren Schaschlikspießen, kalten Shrimps und allerlei fremdartigen Köstlichkeiten.

Da am Neujahrsmorgen sehr frühes Aufstehen angesagt ist und die gestrige Körperpflege mangels Warmwasser entfallen mußte, empfehlen wir uns schon vor dem Finale in Richtung Zimmer und sehen uns das bombastische Feuerwerk von dort an.

P1090899Der gestrige Tag in Phnom Penh brachte uns zunächst mit der Kultur der Khmer in Kontakt, die vielen bronzenen und steinernen Zeugnisse im Nationalmuseum wurden uns von Reiseleiter Jürgen Bergmann gewohnt fachkundig näher gebracht. Anschließend ging es zu einer Schule für Apsara-Tanz, die Schülerinnen und Schüler führten eigens für unsere Gruppe ihr Können auf und wurden dafür mit reichlich Applaus bedacht.

Da wir unerwartet vier Stunden hinzugewonnen hatten, besuchten wir noch ein Foltergefängnis, das der Schreckensherrschaft von Pol Pot gewidmet war. Von mehreren zehntausend Insassen überlebten nur eine Handvoll, zwei von ihnen waren sogar anwesend.

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Heute nun stehen die Tempelbauten im Fokus, für deren touristische Nutzung eigens ein Flughafen erbaut wurde. Unser erstes Ziel, der Tempel Banteay Srei, ist relativ klein. Wer ihn ohne den Ansturm der ostasiatischen Massen erleben will, muß schon sehr sehr früh vor Ort sein. Dann ist auch das Licht am besten, und die kunstvollen Steinreliefs, die nach 1000 Jahren immer noch so aussehen als wären sie gerade erst fertig geworden, treten besonders plastisch hervor.

In Ta Prohm, dem zweiten Tempelbesuch des heutigen Tages, ist die koreanische Invasion inzwischen zwar spürbar angeschwollen, verteilt sich aber auch auf ein weit größeres Gelände. Trotzdem herrscht in einigen Durchgängen ein Gedrängel wie auf einem Jahrmarkt. Es ist aber auch zu verlockend, sich vor Baumriesen ablichten zu lassen, die das darunter befindliche Mauerwerk so malerisch vereinnahmt haben wie hier. Einige der monumentalen Steinbauten hat der Verfall aus der Senkrechten gekippt, andere sind schlichtweg schief gemeißelt, ihre Erbauer hatten es offenbar eilig. Angesichts der Dimensionen der Anlage muß das auch nicht verwundern.

Hier nun sehen wir zum ersten Mal auch jene Steintürme mit den riesigen, nach allen Richtungen schauenden Gesichtern.

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