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Ausstellung „Regenwald”


Wenn der Rosenheimer Lokschuppen sich eines Themas annimmt, darf der Besucher getrost davon ausgehen, daß ihm ein Erlebnis bevorsteht, das seinesgleichen sucht. Das war schon bei den Indianern so, bei Tiefsee, bei Alexander dem Großen und zuletzt 2014 bei den Inka.

Mit seiner diesjährigen Ausstellung „Regenwald” hat der Lokschuppen die bereits sehr hoch gesteckten Erwartungen nicht nur erneut bestens erfüllt, er hat sich vielmehr selbst übertroffen.

Das Thema bietet sich zwar geradezu an für eine atmosphärisch dichte Inszenierung. Daß dem Besucher aber feucht-schwüle Luft entgegen schlägt, wenn er die Ausstellung betritt, ist zusammen mit dem weichen Boden eines jener Details, die für Stimmigkeit schon von der ersten Minute an sorgen. Zur Freude aller Brillenträger endet das schweißtreibende Entrée schon nach ein paar Metern an einer zweiten Luftschleuse, und raumhohe Projektionen lichtdurchfluteter Baumkronen sowie üppiges Grün in den Vitrinen übernehmen die Aufgabe, den Besucher hinein zu geleiten in die grüne Tropenwelt.

Die Grünpflanzen sind echt und ebenso die Ameisen. In einer Vitrine zeigen die gelben Knospen der Forsythienzweige unerwartete Dynamik. Genaueres Hinsehen, per Monitor angenehm auf Augenhöhe versetzt, offenbart, daß eine Horde Blattschneiderameisen sich an ihnen zu schaffen macht.

Wie auch der echte Regenwald bietet die Ausstellung eine Fülle von Einzeleindrücken, die sich im individuellen Erleben zu einem Gesamtbild zusammenfügen. Gleich neben einer ungedeckten Hütte, in der zwei Hängematten zum Ausprobieren einladen, schleicht ein Jaguar herum. Und ein paar Schritte entfernt gestattet die größte Einzelblüte der Welt unerschrockenen Besuchernasen das Erschnuppern ihres dezenten Aasgeruchs.

Plötzlich zucken Blitze, es donnert, und heftiger Regen setzt ein, zum Glück nur akustisch. Retten wir uns also hinüber zu den Gerätschaften und den Bräuchen der Menschen, die im Wald und vom Wald leben. Und zu jenen Produkten, die den Lebensraum Regenwald mitsamt seiner Pflanzen und Tiere nicht nur gefährden, sondern durch Kahlschlag vollständig vernichten, etwa für großflächigen Anbau von Ölpalmen.

In einer Ausstellung über den Regenwald darf natürlich auch die Forschungsgeschichte nicht fehlen. Und auch nicht der hölzerne Steg, der die einzelnen Attraktionen noch einmal aus einer erhöhten Sicht Revue passieren läßt. Inzwischen sind mehr als drei Stunden wie im Flug vergangen, dabei waren wir noch gar nicht im Kino, wo das Erlebte noch einmal großformatig und an drei Wänden zugleich Revue passiert: eindrucksvoll, aber eigentlich viel zu kurz.

Denn was der Ausstellung fehlt, ja fehlen muß, wird hier in projizierter Form nachgereicht: all die lebenden Tiere, allen voran die flinken Kolibris und die bunten Großpapageien, aber auch der Leopard, wie er um die Zuschauer herum durchs grüne Unterholz schleicht.

Dann ist man, voll der Eindrücke, wieder draußen. Doch als ob ein halber Tag nicht genug wäre, möchte man am liebsten vorne noch einmal hinein gehen, um sich noch ausführlicher den Tieren und Pflanzen, den Gewürzen, den indianischen Bräuchen zuzuwenden, sei es anhand der Tafeln, der spannenden Beiträge des Audioguides oder auch der vielen Videobeiträge.

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