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Botticelli in Berlin

„Bitte den Abfall hochklappen und die Fußrasten mitnehmen!” Oder so ähnlich. Es ist 6 Uhr morgens, wir sind soeben in Berlin angekommen. Preiswerter kann eine Städtereise nicht sein, auch wenn einen die Nachtfahrt im Berlinlinienbus schon etwas schlaucht. Ein Kaffee, eingenommen im Berliner Hauptbahnhof und kombiniert mit einem Spaziergang durch das Brandenburger Tor, scheuchen die Müdigkeit aber schnell aus den Knochen.

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Berlin hat zwei Buslinien, die den Touristen auf die Stadt einstimmen: den 100er und den 200er. Vorbei am frisch renovierten „hohlen Zahn“ Gedächtniskirche und dem neu entstehenden Schloß geht die Fahrt zum Alex und anschließend zum Kulturforum, wo in der Gemäldegalerie die Botticelli-Ausstellung wartet. So wie wir auf den Aufschließer. Inzwischen ist es 10 Uhr, und es kommen zahlreiche Touristen in freudiger Erwartung den Vorplatz herauf. Aber die Ausstellung öffnet erst um 11 Uhr.

Rückblickend darf jedoch gesagt werden: das Warten lohnt sich. Denn präsentiert werden nicht nur Werke des florentinischen Renaissance-Künstlers, sondern auch solche, für die seine dem Meer entsteigende Venus oder die Allegorie des Frühlings mehr oder weniger erkennbar Pate gestanden haben. Prominentestes Beispiel ist sicher Andy Warhols kolorierter Siebdruck. Aber auch so manche Strandschönheit, mit der Rechten ihre Brüste und mit der Linken ihre Scham notdüftig bedeckend, zitiert Botticelli – vorausgesetzt, der Fotograf weiß, was er tut.

Die Stunden verfliegen, und auch der kleine Hunger will noch gestillt sein, wofür sich wieder einmal das Asia Food am Hauptbahnhof empfiehlt, ehe uns dann am frühen Nachmittag erneut der Fernbus aufnimmt. Wir verkürzen uns die fünfstündige Fahrzeit mit unserem eigenen Bordprogramm und sind am frühen Abend wieder zuhause.