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Proteen und andere Exoten

Unser Airbus A330, nahezu fabrikneu, braucht ein Ersatzteil, der Flug von Kapstadt nach Johannesburg verzögert sich ein wenig. Zum Glück werden wir aber beim Umsteigen genügend Zeit haben.

Alles ist abgegeben: das Geschirr, das seit letzten Montag hartnäckige Farbspuren vom Currygulasch trägt, das Besteck, das zwischenzeitlich von immer mehr leckeren Mahlzeiten kündende Trockentuch, das Bettzeug. Nun kann das Rollende Hotel gewaschen und für die nächste Reise hergerichtet werden, mit anderem Team, denn Elke und Fredy nehmen Urlaub vom Leiten und Führen, Fahren und Kochen.

Der Ort Kirstenbosch bei Kapstadt hat einen berühmten botanischen Garten, den wir auf dem Weg zum Flughafen gerade noch besuchen können. Hier sind alle wichtigen Pflanzen des afrikanischen Kontinents vertreten. Insbesondere die Proteen begeistern die Besucher, was sicher auch an der authentischen Kulisse liegt, denn direkt hinter dem Garten steigen die Steilwände des Tafelbergs empor. Zu den gern gesehenen Besuchern zählen auch zahlreiche Vogelarten, vom langschwänzigen Nektarvogel bis zur putzigen ägyptischen Enten-Familie.

Und dann heißt es Abschied nehmen. Abschied von einem Land, dessen Menschen ebenso vielfältig sind wie seine Landschaften. Die kommende Nacht müssen wir mit einem Flugzeugsessel vorlieb nehmen.

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Wo Afrika endet

Die schwarzen Vögel am Ende der Straße zum Kap der guten Hoffnung haben sich auf den Raub von Touristen-Imbiß spezialisiert, sie fliegen einen von hinten her an und versuchen dabei den Bissen, den man gerade zum Mund führt, zu schnappen. Und sie sind nicht die einzigen Räuber hier, auch die Paviane an der Straße springen auf der Suche nach Beute gezielt an offene Busfenster.

Die Bedingungen am Kap lassen etwas zu wünschen übrig, der Tafelberg hat sich in Wolken gehüllt und die Seilbahn deshalb den Betrieb eingestellt. Auch ist die wichtigste Zufahrtstraße zum Kap wegen Steinschlag gesperrt. Aber irgendwann stehen wir dann doch an dem Schild, das verkündet, daß dies der südwestlichste Punkt des afrikanischen Kontinents sei. Nur für Autos, denn zu Fuß geht es noch ein Stück weiter: hinauf zum neuen Leuchtturm und dann hinüber zum alten. Aber so viel Zeit haben wir nicht.

Wie schon gestern klart das Wetter erst auf, als schon die Zeit zur Abfahrt drängt. Für den Tafelberg wären die Bedingungen jetzt ideal, denn die Fernsicht ist bereits unten in Kapstadt sensationell. Aber es ist schon zu spät, um noch hinauf zu fahren. Und so verbringen wir eben die letzten Stunden des Tages an der Waterfront. Mit Bummeln, Einkaufen und Essen.

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Bunteböke

Über Nacht hat sachter Regen eingesetzt, der die Romantik der einsamen Bucht empfindlich stört. Das Wetter und die vielen Schafherden verleihen der Landschaft einen Hauch von Schottland. Wir sind unterwegs zum Wet Coat, nein, zum West Coast Nationalpark. Ob es sich bei der kleinen Herde pferdeähnlicher Tiere da drüben um Bergzebras handelt? Beim Näherkommen sehen wir die Streifen. Neben ihnen einige Tiere, die wegen ihres Fellkleides Bunteböke heißen. Und alle tun sich an den Millionen von Daisies gütlich, die den Wiesen im Park ein verschneites Aussehen verleihen.

Im Park ist es strikt untersagt, das Auto zu verlassen, außer an einer Stelle ganz oben, wo ein kurzer Pfad durch die üppig blühende Wildnis führt. Wie überall gibt es Blüten in allen Farben und Formen, darunter auch einige recht vertraute. Es sind wild wachsende Geranien. Und nun kommt auch noch die Sonne heraus. Die Zeit hier oben ist wirklich viel zu kurz bemessen.

Vorbei an den Zebras und den Bunteböken gelangen wir an einen schönen Sandstrand, wo wir uns noch ein Weilchen aufhalten, ehe wir den letzten Standplatz dieser Reise aufsuchen. Die Rotel-Küche bleibt heute kalt, wir sind alle in ein Steakrestaurant am Ort eingeladen.

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Kaptölpel und wilder Strand

Das Städtchen Lambert‘s Bay kommt nicht auf die Liste unserer Sehnsuchtsorte. Es gibt nur eine einzige Attraktion dort: die Tölpel-Kolonie. Die eleganten weißen Vögel mit den schwarzen Flügelspitzen, gelben Köpfen und blauen Augen versammeln sich zu tausenden auf einer Fläche, die nicht größer ist als ein Fußballfeld. Wie sich die Paare in diesem Durcheinander wiederfinden, ist uns ein Rätsel. Vom Meer kommende Vögel überfliegen spähend die Kolonie, bremsen im rechten Moment ab, lassen sich fallen, und schon beginnt das ausgiebige Verbeugen und Schnäbeln mit dem wartenden Partner. Man könnte ihnen stundenlang dabei zusehen.

Über alledem liegt allerdings ein bestialischer Gestank nach Guano, sprich Vogelkacke, ergänzt um den Lärm der ortsansässigen Pommes-Frittes-Fabrik. Nein, dieser Ort entspricht ganz und gar nicht unserer Vorstellung.

Im Vergleich dazu ist der weiter südlich gelegene Küstenort mit dem bemerkenswerten Namen Paternoster von ganz anderem Kaliber. Über großen Granitblöcken brechen sich die Wellen des Atlantik. Wir beziehen einen Stellplatz direkt am Strand und fernab der Zivilisation: ohne Strom, ohne Licht, ohne warmes Wasser, dafür aber mit heimeligem Lagerfeuer. Romantischer kann ein Rotel-Abend kaum sein.

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Felsmalereien

Mit klammen Fingern versuchen wir Käse auf Brotscheiben zu praktizieren, denn heute ist Picknick an einem besonderen Ort angesagt: in der Gegend gibt es Felsmalereien von Buschmännern. Die Straße dorthin erweist sich als abenteuerlich, die Landschaft als spektakulär. Schottland in trocken. Und aus dem Anhänger tropft Milch. Fluchend wird die Bordküche wieder in einen für unbefestigte Pisten tauglichen Zustand versetzt.

Die Felswände mit den jahrhundertealten Bildern von Menschen und Tieren säumen ein Tal, das dicht mit Gestrüpp bestanden ist, der Wanderweg führt mal zwischen ihnen hindurch und mal über die bizarr geformten Felsen. Und dann stehen wir endlich vor der ersten ockerfarbenen Zeichnungen. Schlanke Menschengestalten sind da zu sehen, jagdbare Tiere, Jäger mit Pfeil und Bogen, Frauen mit ausgeprägten Hüften und Schenkeln, Hände. Und da: ist das nicht unverkennbar ein Elefant? Es gibt in dieser Region Afrikas schon lange keine Elefanten mehr. Auch keine Zedern, obwohl das Gebirge nach ihnen benannt ist. Eine Baumart ist für immer von der Erde verschwunden, für Telegrafenmasten.

Auf dem heutigen Campingplatz hilft auch keine Webervogel-Strategie, es gibt in den Duschkabinen schlicht überhaupt keine Haken. Auch keine Türschlösser. Immerhin liegt der Platz romantisch an einem See, über dem das Kreuz des Südens glänzt. Aber so spektakulär wie über der Kalahari war der Himmel nie wieder.

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Wasserfall ohne Wasser

Die Nächte im Namaqualand sind kühl um diese Jahreszeit. Man könnte auch sagen, sie sind so kalt, daß die klammen Finger kaum den Frühstücksteller halten können. Zum Glück haben die Affen genug Kaffeepulver übrig gelassen, so ein Heißgetränk wärmt von innen wie von außen.

Eine Paßstraße führt vom Tiefland hinauf in die Bokkafeld-Berge, von wo man einen wunderschönen Ausblick hat. Es ist so trocken wie seit 47 Jahren nicht mehr. Das läßt für den Wasserfall nichts Gutes erwarten. Tatsächlich liegt er vollkommen trocken. Aber die Steine sind malerisch rot, und es blühen ein paar Sukkulenten ringsum.

Erheblich mehr Blütenpracht entfaltet sich am Rande der Straße, wo Tausende von Namaqualand-Daisies ihre Blütenköpfe der Sonne entgegen strecken. Schon bald erreichen wir die Schaffarm, wo wir heute zu Abend essen werden. Die Gegend ist so einsam, daß es Strom nur aus dem Generator gibt. Die Webervögelmännchen im Baum nebenan führen den Weibchen ihre Nester vor – und ihr Federkleid.

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Wildblumenblüte

Auf einem Campingplatz duschen heißt von den Webervögeln lernen, alles muß an einen einzigen Haken: Kulturtasche, frische Wäsche, gebrauchte Wäsche, Handtuch. Denn der Boden ist tabu, weil naß. Allein die Schuhe stehen draußen und künden, daß die Kabine besetzt ist, denn die Tür hat kein Schloß. Frisch geduscht gilt es dann, auf einem Bein stehend das jeweils andere sauber, trocken und bestrumpft wieder in den zugehörigen Schuh zu praktizieren. Fertig. Moment, das Duschgel steht noch drinnen.

Auch wenn sie heuer etwas spärlicher ausfällt, ist die Wildblumenblüte im Namaqualand dennoch faszinierend: Millionen kleiner Kap-Daisies verwandeln jede freie Fläche in einen orangefarbenen Teppich. Und zwischen ihnen sorgen andere Arten für Farbtupfer in blau, gelb, rot oder violett. Stundenlang wandern wir durch die faszinierende Landschaft und entdecken immer neue Arten.

Auf dem Weg zurück zum rollenden Hotel stoppt der Bus noch beim größten Supermarkt der Region. Hier ist heute die Hölle los, fünf Minuten einkaufen und dann eine halbe Stunde in der Kassenschlange stehen.

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Namaqualand

In Südafrika fährt man auf der richtigen Straßenseite. Also links. Das Straßennetz ist bemerkenswert gut ausgebaut. Außer in den Nationalparks, versteht sich. Deshalb fahren wir ja auch mit dem Allradbus. Das Hotel befindet sich im Anhänger. Auf den Überlandstrecken sind wir ein Gespann von beachtlichen 22 Metern Länge. Und während der Tagesausflüge bleibt das Hotel auf dem Campingplatz. Natürlich ist es kein richtiges Hotel, denn die „Zimmer“ sind nicht größer als ein schmales Bett oder Doppelbett, wenn man zu zweit ist. Aufrecht sitzen geht gerade noch. Und die Kleiderstange ist draußen auf dem Gang. Viele Zugeständnisse zwar, aber dafür kann man eben an Orten nächtigen, wo es keine Hotels gibt. Und auch keine Reisegruppen.

Heute sind wir in Springbok. Das ist die Hauptstadt des Landes, wo Ende August die Wüste blüht. Wenn sie denn blüht. Die zurückliegenden Jahre waren extrem niederschlagsarm, und auch in diesem Winter (wir sind auf der Südhalbkugel!) hat es noch keinen Tropfen geregnet. Entsprechend spärlich fällt die Pracht aus. Und dennoch ist sie faszinierend: mitten im steinernen Ödland finden wir Blüten in allen Größen, Farben und Formen.

Der Campingplatz hat eine Münz-Waschmaschine. Man braucht 5 Zwei-Rand-Münzen und eine Ein-Rand-Münze, um sie freundlich zu stimmen. Auch freut sie sich über eine Extragabe Wasser aus dem Schlauch. Auch der Trockner liebt passende Coins über alles. Nach einer Stunde ist alles schrankfertig. Ach so, wir haben ja gar keinen Schrank.

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Affen und Giraffen

Für heute ist Wandern angesagt. Der Klipschliefer Trail, benannt nach den putzigen Tieren, die wir gestern schon bei den Falls beobachtet haben, führt zunächst am Rande der Schlucht entlang. Wenn man zur Rechten einen senkrechten Abhang hat und sich zur Linken ein ebensolcher hinzu gesellt, ist man auf einem Weg, der früher oder später auf einer Felsnase endet. Hier heißt diese Stelle Arrow Point, und man kann zwischen den steilen Granitformationen einen schönen Wasserfall beobachten. Dann geht es ein Stück des Weges zurück und auf abenteuerlichen Pfaden, die auch den einen oder anderen Bach queren, hinüber zum Moon Rock, das ist ein glatter runder Granitrücken von beachtlicher Größe. Von oben hat man einen herrlichen Ausblick auf die eigenwillige Landschaft. Der Pavian, an dem unser Troß wenig später vorbei wandert, beobachtet lieber uns buntfellige Primaten mit den merkwürdigen Gegenständen, die wir uns vors Gesicht halten.

In der Lodge herrscht bei unserem Eintreffen Affen-Alarm. Die eigentlich recht hübschen, aber enorm aufdringlichen Meerkatzen haben unter der Plane der Camping-Küche Beute gemacht und sich damit in die Bäume geflüchtet, aus denen alsbald Kaffee- und Milchpulver auf uns herunter rieseln. Das letztere erfreut einen Schwarm Spatzen, der es geduldig aufpickt.

Es scheint ungeschriebenes Gesetz zu sein, daß in einem Naturreservat alle Tiere mit demselben Buchstaben beginnen wie der Park. Hier im Augrabies sehen wir Affen und Ameisen, auf der Safaritour durch die eigentümliche Landschaft dann Antilopen, Agamen, Adler und kurz vor Sonnenuntergang … eine Giraffe. Ganz sicher handelt es sich um eine Abendgiraffe.

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Oranje-Wasserfall

Die Stunde nach Sonnenaufgang ist die schönste des Tages. Nicht nur wegen der tiefroten afrikanischen Sonnenaufgänge. Oder dem heißen Camping-Kaffee. Nein, es ist das Erwachen der Natur ringsum, die angenehme Wärme, die Aufgewecktheit der Tierwelt, die sich noch nicht in den Schatten flüchten muß. Ein Tukan mit mächtigem Schnabel setzt sich in Positur. Der Grund ist schnell erkannt: er erhofft sich ein paar Schnäppchen vom Rotel-Frühstück.

Heute fahren wir von Moloko über Upington in den Augrebies Falls National Park, wo wir am Nachmittag eintreffen, gerade noch rechtzeitig, um die berühmten Wasserfälle noch im Sonnenschein zu erleben. Die Gischt zaubert ein Stück Regenbogen in die enge Schlucht, die der Oranje-Fluß hier in den harten Granit geschnitten hat. Im Licht der sinkenden Sonne sind die Felsformationen besonders eindrucksvoll.

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