Der Frühstücksraum sieht einladend aus, die Zweiertische sind mit den Zimmernummern gekennzeichnet. Unser Platz ist der schönste: direkt am Ostfenster, wo bereits die Sonne hereinlacht. Es gibt ein liebevoll hergerichtetes Buffet mit frischer Butter und landestypischen Marmeladen, alles ist frisch, nichts aus der Konserve. Aber ist das Ei nun weich oder hart? Nun, der Löffel erweist sich als ebenso überflüssig wie der Eierbecher. Und die Tomaten heißen hier Paradeiser.
Heute wollen wir in die Berge gehen, was hier im Salzkammergut wörtlich genommen werden darf, denn hier ganz in der Nähe befinden sich die berühmten Dachsteinhöhlen, allen voran die Rieseneishöhle. Um sie zu besuchen, vertraut man sich am besten der Krippenstein-Seilbahn an. Sie besteht aus drei Abschnitten, auf dem ersten gelangt man in die Nähe der beiden Höhlen, der zweite führt dann hinauf zum Gipfel und der dritte wieder ein Stück weit hinab aufs Felsplateau.

So ganz bleibt einem der Aufstieg zum Höhleneingang aber dann doch nicht erspart, denn es gilt noch einen etwa viertelstündigen Weg zu bewältigen. Gemächlich geht zwar anders, wir schaffen es aber dennoch auf die Minute pünktlich. Oder, anders ausgedrückt: gerade noch rechzeitig, um mitzubekommen, dass sich der Führungsbeginn um 10 Minuten verzögert. Halb so schlimm: viel schwerer wiegt, dass wir nicht mit den 500 Treppenstufen im Inneren des Berges gerechnet haben. Und so muss die Liebste, für die das zu anstrengend wäre, leider draußen bleiben. Warum bitte verrät man das nicht schon am Ticketschalter?
Die Grotte ist nicht durchgehend beleuchtet, es heißt also zusammenbleiben, will man nicht plötzlich im Dunkeln stehen. Zwar hülfe einem dann die Taschenlampe weiter, die ja heute jeder im Handy mitführt, aber es gibt zwischen den Schauräumen auch massive Eisentüren. Warum? Weil es drinnen kalt bleiben soll.
Der erste große Höhlenraum ist zugleich der tiefstgelegene. Am tiefsten Punkt hat man offenbar ein Höhlenbärenskelett gefunden, zumindest liegt eines dort. Der Bär selbst geistert nicht nur als Schatten über die Höhlenwände, es gibt ihn auch als bewegliche, furchterregend brüllende Puppe. Den Kindern in der Gruppe gefällt das sicher.
In der nächsten Halle, die wir über den bewußten Treppenanstieg erreichen, ist die Luft deutlich kälter und fühlt sich durch den Gegenwind an, als träte man in einer eisigen Nacht hinaus ins Freie. Eisig ist genau das richtige Stichwort, denn vor uns türmen sich nun gewaltige Tropfsteine aus Eis. Sie sind kleiner geworden als noch vor ein paar Jahren, der größte von ihnen ist von 15 auf nur noch sieben Meter zusammengesackt – eine Folge des Klimawandels oder vielleicht auch der Wärme, die über die vielen Besucher in die Höhle gelangt. Hier im Parsivaldom werden sogar hin und wieder Konzerte gegeben, mit klammen Fingern vermutlich. An gewöhnlichen Tagen kommt die Musik nur aus Lautsprechern. Und um eine naheliegende Vermutung zu entkräften: nicht Parsivalklänge erfüllen den wechselnd bunt erleuchteten Höhlenraum, sondern Zarathustra.
Die eindrucksvollste Eismasse befindet sich im letzten, dem Tristandom. Man überquert sie auf einer Hängebrücke, von der aus man in die kalte Tiefe schauen kann, als überquerte man eine Gletscherspalte. Auch hier gibt es Musik, auch hier wird das Eis in wechselnden Farben angeleuchtet.
Der etwa einstündige Rundgang geht hier nun zu Ende, durch eine letzte Türe gelangt man wieder hinaus und kann ein Stück weiter unten den Eingang mit den wehenden Fahnen ausmachen. Und am Berg gegenüber den Eingang zur Mammuthöhle. Um dorthin zu gelangen, heißt es zunächst zur Mittelstation hinab- und drüben wieder hinaufsteigen. Nicht ganz so weit hoch, aber immerhin.
Namensgeber der Mammuthöhle war keineswegs ein Mammut, denn die gab es am Dachstein nicht. Die Entdecker wollten damit lediglich ausdrücken, wie groß diese Höhle ist. Bücken muss sich hier jedenfalls niemand, außer vielleicht am Eingang. Zusammen mit der Gruppe durchstreifen wir verschiedene Hallen, eine eindrucksvoller als die andere. Eis gibt es hier freilich keines, dafür aber die lebensgroße Gestalt eines Höhlenforschers, der sich an einem Seil von der Decke herabläßt. Welche der Höhlen die schönere ist? Eigentlich beide.

Während wir zur Mittelstation hinablaufen, schwebt eine der Gondeln des zweiten Seilbahnabschnitts über uns hinweg. Dort hinauf wollen wir natürlich auch noch, denn vom Krippenstein aus hat man einen wunderschönen Blick hinüber zum Dachsteingletscher. Vielleicht vorher noch erkunden, wohin die dritte Etappe führt? Dort hinunterzuschweben ist zwar schön, aber die Aussicht war oben besser. Und so kehren wir dorthin zurück und bewundern noch ein Weilchen die Alpenrosen und Enziane in der Umgebung der Gipfelstation, ehe wir uns schließlich, nicht ohne vorher noch auf halber Höhe einen Blick ins Höhlenmuseum geworfen zu haben, wieder dem untersten Seilbahnabschnitt zuwenden, der uns hinab zum Parkplatz bringt – und dann hinein ins heiße, weil in der prallen Sonne stehende Auto.
Auch hier arbeitet man mit automatischer Kennzeichenerfassung, allerdings muss man dem Kassenautomaten vorher durch Eintippen kund tun, für welches Auto die 5 Euro Parkgebühr gedacht sind.
In Bad Ischl, wo wir heute unsere zweite Operettenvorstellung genießen können, machen wir es uns heute leichter und steuern nicht den Parkplatz an, sondern fahren ein Stück weit an der Traun entlang, wo wir letztes Jahr vollig kostenlos parken konnten. Und tatsächlich ist an derselben Stelle auch heute wieder eine Parklücke frei. Dieselbe wie vor einem Jahr! Was für ein schöner Zufall. Über die Fußgängerbrücke ist es nur ein kurzer Weg hinüber in den Kurpark, wo wir uns sogleich nach einem kleinen Imbiß umtun.
Vielleicht am „Börni Burger“ überschriebenen Standl, das so exotische Grill- und Börgerspezialitäten wie Hämbörger, Salzbörger, Zigeunerbörger oder Habsbörger anbietet? Unsere Wahl fällt auf die letzteren beiden, und wir lassen uns Teller und Besteck dazu geben. Den Aperitiv gibt es freilich erst hinterher, wollen wir doch die Zeit bis zum Beginn der Vorstellung wieder wie gestern auf einer lauschigen Bank im Kurpark zubringen. Doch sind die beiden bei Billa erstandenen Piccolos gerade einmal halb geleert, als vom Kurhaus herüber eine Stimme ertönt: Liebe Gäste, in fünf Minuten beginnt der Einführungsvortrag! Wie denn, eine halbe Stunde früher als gestern? Es hilft nichts, die beiden Flaschen müssen in meine Hosentasche mit dem Ergebnis, dass ich mich beim Hinaufgehen wie ein Westernheld fühle.
Auf dem Programm steht heute die premiere eine Lehar-Operette, die nur sehr selten aufgeführt wird: Die blaue Mazur. Wie nicht anders zu erwarten war, hat der Komponist die Geschichte um eine zunächst unglückliche Ehe mit meisterhaften Melodien umrahmt. Namensgeberin ist der polnische Volkstanz Mazurka. Und auch das Bühnenbild läßt keine Wünsche offen.
Allein ein kleines Detail trübt ein wenig den Genuß: vor mir hat ein Sitzriese mit verliebter Freundin Platz genommen. Spielt letzteres denn eine Rolle? Und ob, denn zu meinem Leidwesen lieben die beiden es, während der Vorstellung immer wieder die Köpfe zusammenzustecken, auf Kosten meiner ohnehin schon recht schmalen Blickachse. Nun ja, wir haben es heute zum Glück mit einer halb-szenischen Vorstellung zu tun, bei der das Orchester die Bühnenmitte füllt und die Darsteller links und rechts daneben agieren. Das geht dann schon ganz gut, und es ist ja auch schon das Zuhören ein Genuß.