Author Archive

Blumenstadt Erfurt

Der Erfurter Egapark hat eine lange Geschichte, von der Westdeutsche nur wenig wissen: fragte man uns nach namhaften Veranstaltungsorten der IGA, der Internationalen Gartenbauausstellung, so fielen uns wahrscheinlich auf Anhieb der Hamburger Planten-un-Blomen-Park, der Stuttgarter Killesberg oder der Münchner Westpark ein, während die „Internationale Gartenbauausstellung der sozialistischen Länder” von 1961 als deren Gegenveranstaltung wohl kaum jemandem geläufig wäre. 30 Jahre nach der Wende darf Erfurt auf dem historischen Gelände nun heuer mit der Buga 2021 erneut eine große Gartenschau ausrichten.

Die lange Tradition Erfurts als „Blumenstadt” zeigt sich auch darin, dass im Hauptgebäude der Zitadelle Cyriaksburg seit nunmehr 60 Jahren auch das Deutsche Gartenbaumuseum untergebracht ist. In der Buga-Zeit kann man nur beides zusammen besuchen, also beginnen wir unseren Rundgang erst einmal dort. Gezeigt wird die Geschichte des Gartenbaus, die Biologie der Pflanzen sowie deren Züchtung, Anbau und Vermarktung, sei es nun in Form von Gartenerzeugnissen oder im Sinne der Erholung und Entspannung.

Die kinetische Pflanze „Valentine” ist Anschauungsobjekt und Kunstwerk zugleich: durch Plastikschläuche fließen, für die Besucher gut sichtbar, Wasser und Nährstoffe, es wird Umgebungsluft aufgenommen und in Pflanzenmasse umgewandelt, dargestellt durch einen sich aufspreizenden Laubrechen. Man könnte ihr stundenlang dabei zusehen.

Die heutige Cyriaksburg ist der verbliebene Teil einer einst viel größeren Zitadelle. Deshalb befindet sich der Tiefbrunnen auch nicht direkt unter dem Gebäude, sondern ist über einen langen unterirdischen Gang erreichbar, an dessen Ende man in die schaurige Tiefe hinunterblicken kann.

Wieder draußen im Gelände, meldet sich der Hunger auf Thüringer Rostbratwurst. Zuerst steht aber noch der Besuch im Zwei-Zonen-Klimahaus „Danakil” an, denn man braucht für den Eintritt ein Zeitfenster, und wir haben unseres für 11:45 Uhr gebucht. Der Weg führt zuerst durch das Wüstenhaus, dann durch das Regenwaldhaus. Im ersten ist außer Sand und allerlei Kakteen nicht viel zu sehen, denn die Tiere sind offenbar gewerkschaftlich organisiert und haben gerade Mittagspause. Das gilt auch für das wachhabende Erdmännchen: schaute es bei unserem allmählichen Näherkommen noch aufmerksam in die Runde, ist es damit Punkt 12 Uhr vorbei, und es kommt auch keine Ablösung. Schade. Dafür ist aber das Tropenhaus voller Leben, wir ergötzen uns an frei fliegenden Schmetterlingen, sehen ein Weilchen den Blattschneider-Ameisen zu, entdecken zwischen den Blättern ein Paar grellgelbe Pfeilgiftfrösche und sehen dem Chamäleon in die Augen: abwechselnd mal ins linke, dann wieder ins rechte. Ob das Erdmännchen inzwischen wieder Posten bezogen hat? Leider nein. Den ganzen Weg durch beide Häuser noch einmal laufen gefällt uns nicht, wir wenden also – und werden dafür gerüffelt.

Draußen dann endlich Rostbratwurst. Mit Senf. Im Brötchen. Denn die Wurst will ja irgendwie in der Mitte festgehalten werden.

Die Buga verteilt sich auf zwei Hauptstandorte: Egapark und Petersberg. Im Geländeplan zwar ist beides eingezeichnet, aber leider nicht, wie man von einem Gartenteil in den anderen gelangt. Zudem sind beide Pläne unterschiedlich orientiert. Gravierendstes Manko ist aber die Regel, dass man den verlassenen Parkteil nicht erneut betreten darf: eine Veranstaltung im anderen Gartenteil besuchen ist also nicht drin. Außer man fragt in der Info nach dem Weg, dann erhält man ein Bändchen für den Wiedereintritt.

Gelohnt hat sich die zweimalige Fahrt mit der Straßenbahn dennoch nicht, denn meine Pressekarte gilt für diesen Ausstellungsteil nicht, und Einzelkarten gibt es auch nicht.

Zurück im Egapark steht nun der lange Rundweg über Blumenhalle, Begrüßungsbeet, verschiedene alte und neue Themengärten und das Rosencafé an, wo ein Alleinunterhalter Schrammelmusik zum besten gibt, in deren Texten sich „Wien” auf „gern” reimt. Aber wer hört schon so genau hin, wenn er doch mit dem Verarbeiten der vielen visuellen Eindrücke beschäftigt ist?

Die Wasserspiele der Lilienterrasse fügen einen weiteren hinzu, denn sie schleudern Stakkatos in die Luft, die eher zu einem Tango als zu einem Wiener Walzer passen würden.

Inzwischen ist es 5 Uhr nachmittags geworden, und das Gelände leert sich bemerkenswert rasch und gründlich. Dabei verbleiben doch noch ganze zwei Stunden bis zur Schließung! Wir können also noch den Aussichtsturm besteigen, mit herrlichem Rundblick über die Stadt und die Berge des Thüringer Waldes, und den ausgedehnten japanischen Garten mit seinen Felsen und Wasserspielen durchstreifen. Und da wir in der Nähe des unteren Eingangs geparkt haben, müssen wir von dort auch nicht wieder hochlaufen.

Acht Stunden hat unser Aufenthalt gedauert, und wir haben noch längst nicht alles gesehen. Das ist wohl auch der Grund, warum es neben den Tageskarten auch Zweitageskarten gibt.

Category: Allgemein, Ausflüge  Comments off

Penzberg, die Bergarbeiterstadt

Penzberg ist eine Bergarbeiterstadt, die Ampelmännchen halten kleine rote oder grüne Grubenlampen in den Händen. Ein heimeliger Ortskern wiederum fehlt. Der Expressionist Heinrich Campendonk fühlte sich hier trotzdem wohl, denn er kam aus Krefeld. Über die Neue Künstlervereinigung München fand er Anschluss an die „Blauen Reiter” um Marc und Kandinsky.

Als der gebürtige Rheinländer den Auftrag für das riesige „Jesaja-Fenster” im Kölner Dom nicht übernehmen konnte, fand das zugehörige Probestück seinen Platz in der nach Kriegszerstörung neu erbauten Penzberger Kirche, ebenso wie das „Passionsfenster”, das den Nazis als „entartet” mißfiel.

Den Campendonk’schen Nachlaß zu erwerben lehnte der Stadtrat von Penzberg allerdings ab, das Konvolut wurde daraufhin vom Jägermeister-Hersteller angekauft und der Stadt Penzberg als Leihgabe zur Verfügung gestellt unter der Bedingung, dass Penzberg sein Stadtmuseum geeignet erweitert.

Genau dieses Museum besuchen wir heute. Und wir finden darin nicht nur Glasmalerei, sondern auch viele expressionistische Gemälde Campendonks. Die Sonderausstellung „Ringsum Schönheit” veranschaulicht die Wechselbeziehung von kunsthandwerklichen Arbeiten und moderner Malerei. Und auch über die allgemeine Stadtgeschichte findet sich im Museum so einiges, insbesondere die Einrichtung einer typischen Arbeiterwohnung mit Küche und Schlafzimmer.

Für den Nachmittag ist heute Entspannung angesagt: es geht mit dem Schiff einmal quer über den Staffelsee nach Utting und wieder zurück. Von den sieben Inseln im See gefällt uns die allerkleinste am besten, denn sie erinnert mit ihren paar Felsen und Bäumen an eine japanische Bonsaischale.

Und dann ist der Tag des Abschieds gekommen. Die Gruppe hat zwar für morgen noch zwei weitere Ziele, aber mich ruft die Pflicht zurück an den Schreibtisch.

Category: Allgemein, Murnau 2021  Comments off

Vom Kochel- zum Walchensee

Das gestrige Abendessen im Griesbräu, aus dessen Fenstern Kandinsky dereinst die Hauptstraße des Ortes malerisch verewigte, war touristengerecht, sprich: man hat anderswo schon besser gegessen. Was aber in Erinnerung bleibt ist das „Drachenblut” genannte Rotbier mit Räuchergeschmack.

Unsere Reiseleiterin heißt Andrea Welz, stammt aus Stuttgart und ist für den erkrankten Dr. Walter Appel „kurzfrischtig” eingesprungen. Heute führt sie uns durch die malerische Landschaft hinüber nach Kochel, wo der Bus zunächst am Friedhof mit dem Grab von Franz und Maria Marc stoppt. Der Maler fiel zwar 1916 in den Schlachtfeldern von Verdun, wurde später aber auf Veranlassung Marias geborgen und auf den heimischen Friedhof überführt.

Beim heutigen Franz-Marc-Museum handelt es sich aber nicht um das ehemalige Wohnhaus der beiden, sondern um ein Gebäude, das erst ab 1985 für die Sammlung zur Verfügung stand und im Jahr 2008 gleich nebenan einen mächtigen Neubau erhielt.

Wie nicht anders zu erwarten, gilt es hier das eine oder andere Bild des pferdevernarrten Marc zu bewundern: die „Große Landschaft I” von 1910, das „Springende Pferd” von 1912 und der „Eselsfries” von 1911, dessen Vorlage ein ähnlich aufgebautes Bild aus einem altägyptischen Grab war. Natürlich ist auch Malerkollege August Macke mit einem bekannten Werk vertreten, nämlich der „Großen Promenade” von 1914. Dann begann der Krieg, Mark und Macke fielen auf den Schlachtfeldern.

Für das Franz-Marc-Museum sind die Werke seines Namensgebers nicht mehr als ein Teil der Sammlung, der hin und wieder auch gegenüber anderen Themen zurücktreten muss, wir hatten gerade noch das Glück, die genannten Werke noch hängen zu sehen, bevor sie für etliche Monate im Depot verschwinden werden.

Auf dem Weg zum Aussichtsfenster, einem „Dreiflügelaltar vor der Natur”, passieren wir ein gigantisches Werk des zeitgenössischen Malers Anselm Kiefer, das eher an eine Kletterwand als an ein Gemälde erinnert, so dick und knubbelig sind die Farben aufgetragen. Es soll schon vorgekommen sein, dass Kinder sich ein Stück davon abbrachen und in die Tasche steckten.

Bis zur Führung im Walchenseemuseum, der nächsten Station unserer Kulturreise, ist noch etwas Zeit, die wir in einem Café am Ufer des Walchensee verbringen.

Und dann steht er vor uns: Friedhelm Oriwol, knapp 90 Jahre alt und ebenso rüstig wie gesprächig: er kam als Flüchtlingskind 1945 von Königsberg nach München, absolvierte eine Maurerlehre, studierte dann auf eigene Kosten Ingenieurwissenschaften und brachte es schließlich zu Wohlstand, der ihm das Sammeln von Werken des ebenfalls aus Königsberg stammenden Malers Lovis Corinth ermöglichte. Corinth verbrachte seine letzten Lebensjahre hier im Ort Urfeld, sein Wohnhaus existiert noch.

Wie fast jedes Privatmuseum ist auch in diesem hier bis in die kleinsten Ecken mit Sammelgut bestückt, das sich den Gästen nur im Rahmen einer Führung erschließt, denn Schildchen unter den Exponaten sind Mangelware. Aber das macht nichts, denn die Führung lebt von der Begeisterung des Sammlers für die ausgestellten Werke.

Da ist zum Beispiel die Serie der Buchstaben des Alphabets, garniert mit Zeichnungen biblischer Szenen. Da sind Teile des Storyboards, die Corinth für den berühmten, 1920 von Ernst Lubitsch gedrehten Stummfilm „Anna Boleyn” angefertigt hat. Da sind diverse Gebrauchsgrafiken für alle möglichen Anlässe wie etwa die Einladung des weinseligen Jubelgreises zu seinem 60. Geburtstag.  Da sind aber auch die Gemälde der expressionistischen Malerin Charlotte von Maltzahn, die zu Lebzeiten nie damit an die Öffentlichkeit treten durfte, und derer sich die Oriwol-Stiftung vor ein paar Jahren angenommen hat.

Die Sammlung ist so vielseitig, dass man Stunden bräuchte, um sich alles erklären zu lassen. Und auch die Aussicht vom Balkon hinaus auf den Walchensee sucht ihresgleichen. Man darf gespannt sein, wie sich das Museum weiter entwickeln wird, denn trotz seiner 89 Lenze hat sich der Museumsgründer, den einer seiner Bewunderer lebensgroß in Öl gemalt hat, noch viel vorgenommen.

Die Rückfahrt zum Hotel führt heute über den Klosterort Benediktbeuern, der dem breiten Publikum als Fundort der „Carmina Burana” (lateinisch für Beurer Lieder oder Lieder aus Benediktbeuern) aus dem im 11. und 12. Jahrhundert bekannt ist. Der Komponist Carl Orff ließ sich davon zu einem Chorwerk inspirieren, das zu den bekanntesten Werkender klassischen Musik zählt – und bei der Einfahrt in den Ort natürlich über die Soundanlage des Reisebusses eingespielt wird.

Das Kloster und die Klosterkirche sind eindrucksvoll, aber nicht mehr als andere barocke Klöster auch. Und die historische Fraunhofer-Glashütte hat leider geschlossen, wie man aber leider erst erfährt, wenn man den 15-minütigen Fußmarsch hinter sich hat.

Category: Allgemein, Murnau 2021  Comments off

Zu Gast bei Frau Münter

Die Kühe in der Umgebung von Murnau sind keineswegs gelb, und auch die Pferde weder rot noch blau. Was mag in den Bauersleuten vorgegangen sein, als sich um 1910 herum ein paar Maler  mit rheinischem oder Berliner oder gar russischem Akzent hier niederließen, in wilder Ehe lebten, mit Jankern und Wadlstrümpfen bekleidet durchs Moor stapften und wertloses Geschmiere auf ihre Leinwände klecksten? Gabriele Münter klagte später, dass sie ihre Bilder noch nicht einmal gegen Lebensmittel einzutauschen vermochte – heute ist jedes von ihnen Millionen wert.

Vom Garten des Münterhauses und erst recht durch die Fenster im oberen Stockwerk genießt man eine herrliche Aussicht auf den Ort, die Kirche und die Burg. Hier lebte Gabriele Münter fünf Jahre lang mit Wassily Kandinsky zusammen und später, nach ihrer Exilzeit, noch viele Jahrzehnte mit ihrem neuen Lebensgefährten Johannes Eichner.

Was tut ein Künstlerehepaar mit seinen Möbeln? Es bemalt sie: mal der eine, mal der andere, mal mit Blauer-Reiter-Pferden, mal mit Blümchen. Sogar entlang des Treppengeländers reiten ein paar blaue und sonstwiefarbige Reiter hinauf. Die Räume sind klein, es ist ja ein Wohnhaus und kein Kunstmuseum. Im Schlafzimmer steht kein Bett mehr und im Musikzimmer kein Klavier, sehr wohl aber gibt es die Eckbank, die als Gemälde heute im Lenbachhaus hängt. Und es gibt den Blick aus den Fenstern an der Gartenseite. Ein Blick, der von beiden Bewohnern im Bild festgehalten wurde, mal eher gegenständlich, mal eher abstrakt und mal fotografisch. Die zugehörige Kamera, ein für heutige Verhältnisse relativ klobiges Gerät, steht am Treppenaufgang.

Das Haus steht am Hang, deshalb liegt der Garten- und heutige Haupteingang eine Etage tiefer. Früh am Morgen hängt noch der Tau in den Dahlien, Krötenlilien und Sonnenblumen des Rondells: ein Erlebnis der besonderen Art, denn normalerweise ist hier nur nachmittags geöffnet. Drüben in der Gartenlaube wurde beim Kaffee die Idee für den berühmten Almanach „Blauer Reiter” geboren. Und im Gartenzimmer, dem heutigen Garderobenraum, lagerten gut versteckt all die expressionistischen Werke, die die Nazis gerne beschlagnahmt, als „entartet” gebrandmarkt und außer Landes verkauft hätten. Der Inhalt dieses „Millionenzimmers” bereichert heute die Sammlung des Münchner Lenbachhauses.

Vom Münterhaus führt uns der Weg durch eine Lindenallee und an einem großen Kruzifix vorbei wieder hinüber in den Ort, wo wir uns nach einer kleinen Mittagspause dem anderen, wesentlich größeren Museum des Ortes zuwenden. Vorher suchen wir aber noch, direkt hinter der Mariahilfkirche, die Grüngasse auf, von der es ein Kandinsky-Gemälde gibt. Die markanten Wohnhäuser sind längst durch Neubauten ersetzt, und die Rückwand der kleinen Kapelle ist nicht mehr blau. Aber war sie das jemals? Wir wissen ja, dass der Maler durch seine Farbwahl die inneren Werte der Dinge sichtbar machen wollte.

Das Schloß ist ein wuchtiger Bau mit vielen Abteilungen auf vielen Etagen. Coronabedingt muss die Gruppe, wie schon gestern im Lenbachhaus, dreigeteilt werden. Und um die Verwirrung komplett zu machen, wechseln zwischen den Fachabteilungen auch noch die Führer. Da biegt man, wenn man sich bei den Gemälden etwas verzettelt hat, auch schon einmal im Treppenhaus in die falsche Etage ab. Ganz am Ende trifft man sich aber bei den Schließfächern wieder, nur: die gesuchten Nummern gibt es hier nicht. Und der Ausgang nebenan ist alarmgesichert. Hilfe, wir haben uns verlaufen! Eine freundliche Aufsichtsperson erklärt uns den Weg nach draußen, der zweite Schliesfachraum ist schnell gefunden, aber wo sind jetzt die beiden anderen Reisegruppendrittel? Die werden doch nicht etwa schon zum Friedhof weitergelaufen sein? Einige bleiben vor dem Schloß sitzen, die Liebste und ich suchen das Grab auf eigene Faust und finden es auch. Nur die Reisegruppe finden wir nicht. Und unten am Hotel wartet der Bus, der schon vor einer Viertelstunde in Richtung Murnauer Moos starten sollte.

Wir fühlen uns aber nur so lange als Nachzügler, bis wir vor dem Hotel einen einsamen Busfahrer antreffen, der sich wundert, wo denn wohl seine übrigen Fahrgäste abgeblieben sind? Aber da kommen sie auch schon, wir müssen einander knapp verfehlt haben.

Der Weg ins Moor führt zunächst entlang einer schmalen Fahrstraße, dann wird der Bus abgestellt, und wir gehen zu Fuß an zwei jener charakteristischen Strohhaufen vorbei, die wir in bunt aus den Gemälden der Blauen Reiter kennen, und suchen zunächst das kleine Kirchlein „Ahndl” auf, das als das älteste weit und breit gilt. Von dort geht es ein Stück ins Moor hinein, der Weg mit tausenden von Herbstzeitlosen gesäumt, dann über einen Bach und an einer kleinen Kuhherde vorbei wieder zurück zum Ähndl und zum Bus. Übrigens: die Kühe waren allesamt braun, Herr Kandinsky!

Category: Allgemein, Murnau 2021  Comments off

Vincent van Gogh und andere

Ein Expressionist war Vincent van Gogh nicht. Eher schon ein Exzentriker. Auf jeden Fall aber war er der Protagonist eines neuen Malstils, auf den sich die späteren Expressionisten beriefen. Und deshalb paßt ein Besuch der Multimediashow „van Gogh alive” in der Münchner Utopia sehr gut an den Anfang einer Reise, die an die Schauplätze des Expressionismus im „Blauen Land” zwischen Staffelsee und Kochelsee führen soll und führen wird.

Das Utopia liegt etwa zwischen Amtsgericht, Gewerbeaufsichtsamt und Barbarakirche. Vom Hauptbahnhof kommend, fährt man mit der Tram 20 oder 21 zur Lothstraße und geht dann noch etwa 700 Meter zu Fuß – zuerst um den markanten Ziegelbau der Fakultät für Design herum und dann die Heßstraße ein Stück weit stadtauswärts, um nach einigen hundert Metern schließlich nach rechts einzubiegen. Der Eingang befindet sich an der Ostseite des Saalbaus. Alternativ kann man auch erst noch ein Stück weit der Dachauer Straße folgen und dann in die Freddie-Mercury-Straße einbiegen, aber dann stolpert man etwas mühselig über die Gleise und Weichen des ehemaligen Straßenbahndepots.

Seine Tickets hat man sich natürlich vorab gesichert, und so steht man im Foyer zunächst einigen Zitaten van Goghs gegenüber: „Ich weiß nichts mit Sicherheit, aber die Sterne zu sehen läßt mich träumen” oder „Um gute Arbeit zu leisten, muss man gut essen, gut untergebracht sein, von Zeit zu Zeit eine Affäre haben, eine Pfeife rauchen und seinen Kaffee in Ruhe trinken können.” Das Zimmer, das er in Arles bewohnte, ist in Originalgröße inszeniert. Und wer sich die Zeit nehmen will, findet an einem Dutzend Wandtafeln seine wichtigsten Werke beschrieben. Werke, die allesamt in der „lebendigen Symphonie aus Licht, kräftigen Farben und Klang” zum Einsatz kommen, wie der Produzent Grande Experiences seine Multimediashow ankündigt.

Und er hat nicht zu viel versprochen: der Raum ist erfüllt mit Projektionen, die von über 30 Beamern auf ebenso viele raumhohe Leinwände geworfen werden, begleitet von geschickt ausgesuchter Musik aus dem klassischen Genre, die Bildwechsel präzise auf den Punkt gesetzt, die Motive in immer neuen Ausschnitten farblich passend kombiniert und so eine Stimmung erzeugend, als befände man sich mitten im Bild, als rieselten im leichten Abendwind die Blütenblätter aus dem blühenden Mandelbaum von Saint-Remy – jenem Baum, den van Gogh zur Feier des Tages malte, an dem er die Nachricht von der Geburt seines Neffen erhielt. Oder rieseln sie etwa wirklich? Und bewegt sich nicht auch das Wasser der Rhône,in der sich der Nachthimmel spiegelt? Ja, das eine oder andere Bild ist tatsächlich animiert, ganz dezent und unaufdringlich zwar, aber eben so, wie man es auch selbst empfunden hätte, wäre man zusammen mit dem Maler vor Ort gewesen. In der Ferne fährt ein Eisenbahnzug vorüber, verschwindet hinter Bäumen, so dass man nur noch die Rauchfahne der Lokomotive sieht, kommt wieder zum Vorschein. Gemächlich, kaum wahrnehmbar, drehen sich auch die Flügel der Windmühle. Da, ein Schuß! Verschreckt fliegen aus einem Kornfeld schwarze Krähen auf.

Nach etwa einer Stunde ist man durch, aber wer will schon gehen, wenn er oder sie auch einfach einen anderen Standort wählen oder vom Stuhl auf ein Sitzkissen wechseln kann, um alles aus der seitlichen oder rückwärtigen Perspektive noch einmal neu zu erleben? Noch einmal die Schwertlilien sehen, die Sterne, die Sonnenblumen oder das berühmte Selbstbildnis mit bandagiertem Ohr?

Vincent van Gogh, der zu Lebzeiten nur wenige seiner Bilder verkaufen konnte, starb 1890 im Alter von nur 37 Jahren an einem Pistolenschuß, den er sich selbst zugefügt hatte.

Nun wird es aber Zeit, sich mit der Reisegruppe zu treffen, die uns zu den Expressionisten und ihren Malorten bringen wird. Erste Station der fünftägigen Rundreise ist das Lenbachhaus in München, genauer gesagt die „Städtische Galerie im Lenbachhaus” mit ihren Dauer- und Sonderausstellungen.

Gabriele Münter
Kandinsky beim Landschaftsmalen
1903, Öl auf Leinwandkarton

Man kann eigentlich kaum unterscheiden, ob man sich in einer dauerhaften oder in einer temporären Ausstellung befindet, so fließend sind hier die Übergänge. Es geht um das Malen unter freiem Himmel, um die Malerin Gabriele Münter und um die Künstlervereinigung des Blauen Reiter, der hier unter dem Titel „Gruppendynamik” eine ganze Etage gewidmet ist. Geführt wird in drei Gruppen, da in Coronazeiten nur eine Gruppenstärke von 10 Personen erlaubt ist.

Ohr und Hals haben hier wieder so einiges auszuhalten: um die Ohrmuschel schlingen sich Brillenbügel, Coronamaske und der Bügel des Ohrstöpsels, der dann quer über die Brust mit dem Empfänger verdrahtet ist, dessen Trageschlaufe wiederum den Hals verziert. Setzt man eines der Teile ab, gehorchen die anderen dem Herdentrieb, und man ist erst einmal ein Weilchen mit Entwirren beschäftigt.

Der „Blaue Reiter” war ein Almanach, in welchem moderne Malerei, Volkskunst und Kunst aus der ganzen Welt gleichberechtigt nebeneinander stehen und in dessen Textbeiträgen die Ziele einer neuen Kunst beschrieben werden sollten. In ihrem damals unveröffentlichten Vorwort beschrieben Kandinsky und Marc ein Verständnis von Kunst, das wegweisend sein sollte.

Von anderen Bewegungen des Expressionismus unterschied sich der Blaue Reiter durch seinen spirituellen Ansatz und die Eröffnung neuer formaler Möglichkeiten, die in die Abstraktion führen konnten. Die Texte von Franz Marc und Wassily Kandinsky zeugen von einem erstaunlichen Sendungsbewusstsein.

Für das Titelbild schuf Kandinsky mehrere Entwürfe. Die endgültige Fassung zeigt die Figur des Heiligen Georg, des christlichen Drachentäters, er symbolisiert den Sieg des Geistigen über das Materielle.

Geburtsort der Idee soll der Pavillion im Garten des Hauses von Gabriele Münter gewesen sein: unser nächstes Ziel.

Category: Allgemein, Murnau 2021  Comments off

Bleibende Erinnerung

Die Nachbearbeitung der Videoclips läßt einen die Wanderung quasi ein zweites Mal erleben, unterstrichen von passender musikalischer Umrahmung, für die beim Kurzfilm „Firstalm und Bachalpsee” das Schwyzerörgeli-Trio Sännebüeblä sowie das Schwyzerörgeliquartett Hansruedi Kappeler sorgen. Besten Dank dafür.

Category: Allgemein, Schweiz 2021  Comments off

Tiefblicke

Die Gemeinde Grindelwald und der frühere US-Präsident Trump scheinen denselben Berater zu haben, denn hier steht überall „Grindelwald First“. Gemeint ist aber natürlich die Bergbahn zur Firstalm samt zugehöriger Bushaltestelle. Heute wollen wir aber zur einzigen in diesem Urlaub noch nicht befahrenen Bahn, nämlich zum Pfingstegg.

Eigentlich ist das Pfingstegg ja ein Nachmittagsziel, denn es liegt im Schatten des Mättenbergs. Das macht aber nichts, denn das eigentliche Ziel ist heute der Weg zur Bäregg-Alm, hoch über dem Tal der Weißen Lütschine mit der Gletscherschlucht. Und dort oben scheint die Sonne bereits am Morgen hin. Man muss also nur dem Bergpfad folgen, der um die steile Flanke des Mettenbergs herumführt, immer so, dass man glaubt, die nächste Ecke wäre die Schlüsselstelle, wo man endlich aus dem Bergschatten heraustritt. Aber dann erblickt man von dort doch nur wieder eine weitere Schattenpassage. In einem ständigen Auf und Ab zieht sich der Weg unter steilen bis überhängenden Felspartien dahin, atemberaubende Tiefblicke auf die Schlucht unter uns inklusive.

Und dann, endlich, erreichen wir die Stelle, wo sich zugleich der Blick weitet und die Sonne scheint. Tief unten zeigt sich ein See mit milchig-grünem Wasser, und gleich daneben ein Wasserfall, dessen Wasser im Wind zerstiebt, bevor es unten ankommt. Der Weg, der nun vor uns liegt, wäre vor 150 Jahren noch dem Rand des Gletschers gefolgt. Heute erblickt man hier statt des ewigen Eises nur noch einen riesigen Felstrog, dessen Flanken zerbröselnd hinunter stürzen oder bereits schon gestürzt sind. Denn der See tief unten ist erst vor ein paar Jahren durch einen gewaltigen Felssturz entstanden.

Man könnte hier oben noch ein ganzes Stück weiter laufen, ohne dass die grandiose Sicht noch wesentlich grandioser würde, also lassen wir uns auf einem Bänkli nieder und genießen Blick und Sonne, bis uns der fortgeschrittene Tag wieder zurück zum Pfingstegg und ins Tal lockt.

Category: Allgemein, Schweiz 2021  Comments off

Ein Lost Place

Der Wegweiser zum Berggasthaus „Chalet Milchbach“ unweit der Bushaltestelle „Oberer Gletscher“ trägt den dezenten Hinweis „derzeit geschlossen“. Was nach Renovierung klingt, ist in Wirklichkeit eine Tragödie. Denn der kleine Gasthof hat seine Attraktion verloren: den Gletscher.

Ich war vor rund 35 Jahren schon einmal dort oben. Wegen der Eisgrotte: man konnte ein Stück weit in das grünblaue Gletschereis hineingehen und die faszinierende Lichtstimmung genießen. Damals war der Gletscher im Vorstoß begriffen, heute hat er sich jedoch so weit in die Schlucht hinauf zurückgezogen, daß vom Chalet aus kein Eis mehr zu sehen, geschweige denn zu erreichen ist.

Dennoch hat sich die Mühe des Aufstiegs gelohnt. Denn das Chalet hat sich seit seiner Schließung zu einem typischen „Lost Place“ entwickelt: das Fenster des SB-Schalters verrammelt, der Fußboden der Aussichtsterrasse durchgebrochen, der kleine Spielplatz, zu dem noch eine Rutsche hinabführt, mit Gestrüpp überwuchert. Es gibt noch das Drehkreuz, das einst irgendeinen Zugang geregelt hat. Natürlich, zur Eisgrotte. Ein Blick in die 100 Meter tiefe und mindestens ebenso breite Schlucht führt eindrücklich vor Augen, wie gewaltig die verschwundene Eismasse einst gewesen ist.

Der Aufstieg hier herauf war einer jener typischen Wege, bei denen man immer glaubt, an der nächsten Kurve das Ziel erspähen zu können, dann aber beim Erreichen derselben lediglich bis zu einer weiteren Kurve sehen kann, die nun aber ganz sicher die Stelle ist, von der aus man das Ziel sehen kann. Drauf und dran umzukehren erblicke ich einen Mann, den ich fragen kann. „Es ist gleich da oben“, sagt er, „ich weiß das, weil es gehört mir.“

Ein Gasthaus an einem Ort zu besitzen, der 100 Jahre lang ein spektakuläres Schauspiel bot, und den nun niemand mehr besuchen will, ist wahrlich ein trauriges Schicksal. Aber vielleicht wachsen die Gletscher ja eines Tages wieder.

Heute morgen waren wir noch im Grindelwalder Ortsteil Itramen unterwegs. Das ist eine Streusiedlung, die sich den südwestlichen Berghang hinaufzieht und von einer Ortsbuslinie erschlossen ist. Und das, obwohl die Straße stellenweise kaum breiter ist als der Bus. Man kann, wenn man wetterbedingt keine Lust auf große Bergtouren hat, dort oben herumwandern und den Blick über ganz Grindelwald schweifen lassen. Und ebenso über die Berge, die es umrahmen. Falls sie ihre Häupter nicht gerade dezent hinter Wolkenschleiern verbergen.

Category: Allgemein, Schweiz 2021  Comments off

Beim Marmorbruch

In der Lodge kochen sich die Gäste ihr Frühstücksei selbst: man nimmt einen Halter, hängt ein rohes Ei hinein und dann alles zusammen in den Topf mit kochendem Wasser, stellt sich eine Eieruhr und merkt sich die Farbe seines Eierhalters. Wenn man dann zurückkommt, ist das Ei genau richtig gekocht. Oder verschwunden, weil ein anderer Gast irgend etwas damit angestellt hat. Im schlimmsten Fall nimmt man zwei vermeintlich gleich lang gekochte Eier heraus, geht damit zum Tisch – und stellt fest, dass eines von beiden noch roh ist. Wie mag das wohl zugegangen sein?

Grindelwalder Marmor gehört zu den schönsten und zugleich seltensten Gesteinen der Schweiz, er wurde vom Jahr 1740 an aus einem kleinen Marmorbruch links oberhalb der Gletscherschlucht abgebaut. Aber schon 30 Jahre später gab es ein Problem: das Jahr für Jahr weiter vorrückende Eis des unteren Grindelwaldgletschers bemächtigte sich des kleinen Steinbruchs und verhinderte so den weiteren Abbau. Als sich der Gletscher rund 100 Jahre später wieder zurückzog und die Stelle wieder freigab, fand man alles nahezu unverändert vor und konnte den Abbau noch für etliche Jahrzehnte fortsetzen, bis er dann um 1900 herum unwirtschaftlich wurde.

Aber wo genau befindet sich dieses interessante Natur- und Kulturdenkmal? Das Schild am Eingang der Gletscherschlucht verweist lediglich auf das Restaurant zum Marmorbruch. Fünf Minuten entfernt soll es sein, und das kleine Sträßlein führt steil bergan. Nach 20 Minuten sind wir oben, der Bruch befindet sich direkt hinter dem Gebäude. Man sieht deutlich die Schrotgräben, entlang derer die Blöcke aus dem Berg gepickelt wurden, sowie einige fertige und fast fertige Blöcke. Bis hierher soll das Eis vorgedrungen sein? Man kann es kaum glauben.

Etwas unterhalb dieser Stelle existiert noch der Stollen, wo weitere Blöcke bergmännisch aus der Tiefe geholt wurden. Ich wage mich so weit hinein, wie das Tageslicht reicht. Danach folgen wir noch ein Stück weit dem Weg entlang des oberen Schluchtrandes und über eine kleine Brücke, von der aus man herrliche Tiefblicke genießen kann.

Und dann ist dieser relativ kurze Ausflug auch schon wieder zu Ende, der Ortsbus 122 bringt uns zurück ins Zentrum und der 121er von dort an die Lodge.

Category: Allgemein, Schweiz 2021  Comments off

Ein Museumstag in Grindelwald

In der Seitenmoräne des abgeschmolzenen unteren Grindelwaldgletschers hat man Arvenstämme gefunden, die der Gletscher offensichtlich bei einem nacheiszeitlichen Vorstoß mitgerissen hat. Es muss also an der Stelle, die in jüngster Zeit eisfrei geworden ist, dereinst ein Wald gestanden haben, was auf eine Epoche mit ähnlich warmem Klima wie heute hinweist, zur Zeit der Römer vielleicht.

Zwei der geborgenen Stämme sind im Grindelwald-Museum ausgestellt, zusammen mit einem Stereofoto, das der Ortspfarrer Nil im Jahr 1856 aufgenommen und im eigenen Labor entwickelt hat, also etwa zur Zeit des Höchststandes. Damals waren Kameras noch ausgesprochen klobige Apparate, die erst einmal dort hinaufgeschleppt werden wollten.

Der Tourismus steckte damals noch in den Kinderschuhen. Das Restaurant auf dem Faulhorn, heute einigermaßen bequem von der Bergstation der Firstbahn aus zu erreichen, bezwang man damals auf dem Rücken von Pferden oder Maultieren, die ganz feinen Damen ließen sich sogar in einer Sänfte hinauftragen.

Samuel Brawand, der Vater des bekannten Politikers und Bergführers, starb 1902 durch Blitzschlag, im Museum sind sein Pickel, sein Führerbuch und seine Sackuhr ausgestellt.

Um das Jahr 1900 herum entstanden die ersten technischen Aufstiegshilfen, zuerst schienengebundenene wie die Bahn auf die Kleine Scheidegg oder die Jungfraubahn, sowie der Wetterhornaufzug als erste Luftseilbahn der Welt. Rund 50 Jahre später folgten dann der Sessellift auf den First, den der Verfasser noch von seinem Urlaub in den 1980er-Jahren kennt, die Männlichen-Kabinenbahn von 1978 und in neuerer Zeit jetzt die Umlauf-Gondelbahnen mit Kapazitäten, die auch für den winterlichen Skibetrieb reichen.

Überhaupt, der Wintersport. Im Museum ist er anschaulich dokumentiert: die ersten Ski mit Seilzugbindung, Schlittschuhe, ein Bob, der legendäre Velogemel (Schlitten) für Herren, Damen, Kinder und den Postboten. Es waren vor allem englische Touristen, die sich über Abfahrtslauf, Eiskunstlauf, Curling und Bandy (Vorform des Eishockey) hinaus so allerlei unterhaltsame Wettbewerbe einfallen ließen, unter anderem das Eierblasen, zu dem es im Museum auch eine Illustration gibt.

Im Sommer wiederum waren es die Bergsteiger, die für Schlagzeilen sorgten. 1921 gelang die Erstbesteigung des Eiger über den Mittellegigrat, in den 1930er-Jahren widmete man sich dann dem „letzten Problem“ der Alpen, der berüchtigten Eigernordwand. Das Puch-Motorrad von 1932 des Österreichers Heinrich Harrer, einem der Erstbezwinger, ist eines der markantesten Ausstellungsstücke zu diesem Thema. Ein Nebenraum birgt diverse weitere Requisiten, kurze Hörspiele schildern die zugehörigen Ereignisse, und an der Wand hängen Zeitungsausschnitte, die einen noch heute erschaudern lassen. Denn nicht alle in der Todeswand Verunglückten konnten zeitnah gefunden und geborgen werden.

Typisch für ein Ortsmuseum sind weiterhin die Ausstattung einer Käserei, die Ski-Werkstatt von 1900, ein Bandwebstuhl von 1510, allerlei Handwerksgerät, die Feuerspritze von 1776, die Wasserturbine der Itramen-Säge, eine Klaverzither, ein altes Turmuhrwerk sowie etliche Wanduhren, das Modell im Maßstab 1:25 eines typischen Grindelwalder Hauses, eine Reisekamera 30×30 sowie die Goldene Schallplatte der Boss Buebe für ihr bekanntestes Stück „s‘Träumli“.

Ein besonderes Stück ist auch die mechanische Schreibmaschine „Smith Premier“ mit getrennten Typenhebeln für Groß- und Kleinbuchstaben.

Im Jahr 1910 entstand in Grindelwald ein Gewerbebetrieb, der auf die Herstellung von Limonade aus Gletscherwasser spezialisiert war. Etwa um dieselbe Zeit baute die Weltfirma Sauter AG in Grindelwald die ersten Zeitschalter. Die Bedingungen waren aber ungünstig, und die Firma verlegte ihren Sitz nach Basel.

Von der im 16. Jahrhundert abgebrochenen Petronella-Kapelle, die einst den Beginn eines hochalpinen Weges von Grindelwald hinüber ins Wallis markierte, existiert heute nur noch die Glocke, Grindelwalds wertvollstes Altertum, und auch die nur als Abguss, da das Original 1892 dem großen Grindelwalder Brand zum Opfer fiel.

Bis 1760 wurde in Grindelwald Marmor abgebaut, dann bemächtigte sich der vorstoßende Gletscher des Steinbruchs und gab ihn erst 1867 wieder frei.

Category: Allgemein, Schweiz 2021  Comments off