Ausgerüstet mit Kreuz, Knoblauch, Holzpfahl, Gummistiefeln und regenfester Kleidung brechen wir nach dem Frühstück zur 30 Kilometer von Kronstadt entfernten Törzburg auf, die als die Burg des Grafen Dracula bekannt ist. Die ersten drei führen wir nur in Gedanken mit uns, das vierte hätten wir gern, und um das letzte sind wir froh, denn vom Busparkplatz bis hinauf zum Eingang der Burg sind es einige hundert Meter Fußweg. Die tief hängenden Wolken und die um die Berge ziehenden Nebelfetzen stören aber nicht, im Gegenteil: sie unterstreichen sogar noch das düstere Gefühl, das diese Namen einst in uns auslösten: Transsylvanien als eine Gegend, in der man sich nachts lieber nicht aus dem Haus wagt, und der nach Blut dürstende Untote, dessen Burg wir nun zu betreten im Begriff sind.

Eigentlich handelt es sich aber um eine ganz normale, wenn auch ungewöhnlich verwinkelte Burg mit kleinen und kleinsten Zimmerchen und vielen engen Treppen, deren eine zwar lange geheim geblieben war, heute aber durch einen Wegweiser gekennzeichnet ist. Ein wenig gruselig wird es erst ganz oben, wo auf einer Leinwand Ausschnitte aus diversen Spielfilmen gezeigt werden, angefangen bei F.W. Murnaus „Nosferatu“ von 1922 bis hin zum Zeichentrick-Dracula aus „Hotel Transsilvanien“. Die Ängste, die man hier oben auszustehen hat, resultieren aber vor allem aus dem Gedränge, das von den vielen nachrückenden Besuchern ausgeht, denn es gilt dieselbe enge Wendeltreppe wieder hinabzusteigen, über die man gekommen ist. Auf der kleinen Loggia wird es dann sogar richtig heimelig, blickt man von hier doch regengeschützt hinab in den Burghof und hinaus auf die umgebende Landschaft. Der Regen hat inzwischen aber ohnehin aufgehört. Vorbei am kleinen Kino, das Filmdokumente aus der Kaiserzeit zeigt, gelangen wir schließlich über weitere enge Treppen hinab in den Burghof und von dort wieder hinaus ins Freie. Unten gibt es dann noch einen königlichen Park mit kleinem See und schönem Blick auf die Burg – und eine Geisterbahn!