Oper vom Feinsten

Die Kirche San Maurizio wird auch „sixtinische Kapelle Mailands“ genannt. Von außen eher unscheinbar, bietet sie in ihrem Inneren einen einzigartigen Bilderreichtum, und das quasi doppelt, denn hat man die Motive der christlichen Heilsgeschichte an Decke und Wänden ausgiebig studiert, gelangt man durch eine kleine Tür in den hinteren Teil der Kirche, wo einen erneut Szenen aus dem Paradies und aus dem Leben Jesu erwarten: hier das letzte Abendmahl, dort der Zug der Tiere auf Noahs Arche, immer schön paarweise (womit wurden eigentlich die Löwen während der 40 Seetage gefüttert?), dazu die Gottesmutter mit Kind, den Verkündigungsengel mit obligatorischer Lilie und viele viele Heilige. Der Besuch kostet nichts, aber man darf natürlich spenden.

Um die Museen in der nahe gelegenen Festung besuchen zu können, heißt es hingegen erst einmal anstellen. Die einzige Kassenkraft muß neben dem Ticketverkauf auch beraten und organisieren, deshalb dauert es etwas, bis die vielen wißbegierigen Besucher an diesem verregneten Brückentag den labyrinthischen Festungsbau endlich betreten dürfen. Es geht zunächst durch bunt ausgemalte Säle mit allerlei Sammelgut, dann über eine Außentreppe hinauf in die Pinakothek, und zuletzt gilt es noch ein Treppchen zu überwinden, das gewisse Schwindelfreiheit voraussetzt, die dann oben mit einer schönen Instrumentesammlung honoriert wird.

Heute ist ein großer Tag, denn heute steht der Besuch einer Vorstellung in der berühmten Mailänder Scala auf dem Programm: das Ballett „Manon“ zur großartigen Musik von Jules Massenet. Ballett hat den großen Vorteil, daß nicht gesungen wird, man kann sich also viel besser auf den Ohrenschmaus und die schönen Kostüme der Darsteller konzentrieren.

Die Scala ist ein wenig anders als andere Opernhäuser. Man wird in seine Loge geleitet, vorher aber bekommt man noch seine Garderobe angewiesen. Immer zwei Logen teilen sich einen kleinen Raum, der dann während der Vorstellung abgeschlossen wird. Die Loge hat fünf Sitzplätze, zwei vorne, zwei in der zweiten Reihe und einer, nämlich meiner, in der dritten. Dort sitzt bereits eine ältere Dame, allerdings nur, weil sie ihren eigenen Platz ebenfalls fremdbesetzt vorgefunden hat. Den Platz in der Mitte links will nämlich mangels Bühnensicht keiner haben. Schließlich kann aber alles geklärt werden, und die Vorstellung beginnt: drei Akte, insgesamt 7 Aufzüge, das Böse triumphiert zunächst, verliert dann aber gegen das Gute, und am Ende stirbt jemand. Wie in der Oper, nur eben mit Tanz statt Gesang.

Der Rest der Venedig-Mailand-Tour ist, falls nichts dazwischen kommt, schnell erzählt: vom Nyx-Hotel mit der Metro nach Lampugnano, dann mit dem Flixbus durch die Schweiz nach München und mit einem anderen Flixbus weiter nach Nürnberg.

Die Eisdiele hat inzwischen übrigens Schilder angebracht: erst links bezahlen, dann rechts Ticket gegen Eistüte tauschen

Kunst- und Eisgenuß

Die Pinacoteca di Brera zeigt Renaissance-Malerei bis zum Abwinken. Doch zuerst einmal will sie überhaupt gefunden werden. Das geht allerdings schneller als der Stadtplan vermuten läßt. Im Innenhof des Palazzo heißt es dann noch den Eingang und die Kasse finden – und schon steht man inmitten der feinsten Kunst, die Mailand zu bieten hat.

In Erinnerung bleibt zum Beispiel ein raumhohes Gemälde, das eine orientalische Phantasieszene zeigt mit einer großen und reich ornamentierten Moschee im Hintergrund. Die Stifter, die in dem Bild mit verewigt sein wollten, sehen aus wie ein Kirchenchor auf Weltreise. Ein anderes Bild zeigt einen Gekreuzigten, aus dessen Brustwunde Blut herausspritzt wie aus einem Gartenschlauch. Ein Quell der Erheiterung sind auch immer wieder die gefllügelten, körperlosen Engelsköpfe. Aber es gibt natürlich auch ästhetisch sehr ansprechende Bilder, der Kuß von Francesco Hayez zum Beispiel oder die Obstverkäuferin von Vincenzu Campi – man möchte am liebsten eine Kirsche aus ihrem Korb stibitzen oder was auch immer.

Die Zeit vergeht wie im Flug. Es gibt eine zweite Galerie dieser Art, die Pinacoteca Ambrosiana, aber dort hätte ich meinen Pressebesuch vorher anmelden müssen. Und so tritt eine Stippvisite in der Mailänder Festung an die Stelle des neuerlichen Kunstgenusses.

Daß die Italiener hervorragende Gelateri, also Eismacher sind, ist bekannt. Zu einem Schild an der Eisdiele, daß man zuerst bezahlen muß, ehe man Billett gegen Eistüte tauschen darf, haben sie es leider noch nicht gebracht. Unnütze Warterei also, denn natürlich steht man nach der Klärung des notwendigen Ablaufs und Entrichtung des Preises erst einmal wieder hinten in der Schlange. Das Eis allerdings schmeckt vorzüglich.

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Im Dom und um den Dom herum

Mein Schweizer Taschenmesser, genau wie die Taschenlampe ein praktisches Immer-dabei-Utensil, darf nicht mit in den Mailänder Dom. Und Schließfächer gibt es hier keine. Auch nicht im Ticket Office. Und nun? Eine Option wäre, daß immer nur einer von uns in den Dom, in die Ausgrabung und auf die Dachterrasse geht und der andere so lange draußen dem Werkzeug Gesellschaft leistet. Gute Ideen brauchen manchmal ein Weilchen, schließlich investiere ich 5€ Trinkgeld in jemanden, dem ich es für drei Stunden anvertrauen kann. Eine noch bessere Idee wäre freilich gewesen, den nachfolgenden Museumsbesuch vorzuziehen und dann das dortige Schließfach noch ein wenig länger in Anspruch zu nehmen.

Im Inneren des Duomo ist für die Besucher Stille angesagt. So kommt das Hämmern und Klopfen der Bauarbeiten besser zur Geltung. Man kann heute nur den rechten Teil des Kirchenschiffes begehen, aber bei der enormen Größe dieses Bauwerks genügt das vollkommen. Wir bewundern ausgiebig die unzähligen Glasfenster mit Motiven aus der Bibel, steigen in die Krypta zum kristallenen Sarg hinab und besuchen zum Schluß noch die Ausgrabungen unter dem Domplatz.

Die Terrazza, also das Dach des Kirchenschiffes, leistet sich den Luxus einer eigenen Zugangskontrolle samt Warteschlange. Alles an meiner Fototasche ist kontrollwürdig, sogar die Batterie der Taschenlampe und das Fläschchen mit der Sensor-Reinigungsflüssigkeit. Endlich oben angekommen, bietet sich ein wunderschöner Ausblick auf die Stadt und die nahe gelegenen, zum Teil schneebedeckten Berge.

Satt Gesehene dürfen sodann den Schildern zum Ausgang folgen. Einige von ihnen erleben jedoch eine böse Überraschung, denn die Treppe am Ende des weitläufigen Daches führt direkt in den Dom, und wer nur das Dachterrassen-Ticket erworben hat, wird am Einstieg in den Ausstieg wieder zurückgeschickt zur anderen Domseite. Wir dürfen zum Glück passieren. Und wissen nun auch, daß wir durch den Umweg über das Dach eine der beiden Warteschlangen hätten vermeiden können. Am Ende ist man halt immer schlauer als vorher.

Vom Domplatz ist es nur ein kurzes Stück bis zur Scala, einem überraschend schmucklosen Gebäude. Über das gleichnamige Museum darf der Opernfreund einen Blick in den Zuschauerraum erhaschen. Ja, dieses Haus ist ein wahrhaft würdiger Rahmen für die Opern von Verdi, Donizetti, Rossini und all den anderen. Hier sind Größen wie Enrico Caruso und Maria Callas aufgetreten, hier wurden Nabucco, Otello und Turandot uraufgeführt. Heute bleibt es beim Blick aus einer der Logen, für übermorgen aber haben wir Karten.

Besonders stolz ist man in Mailand auch auf Leonardo da Vinci, der hier sein berühmtes „Letzte Abendmahl“ in eine kleine Kirche gepinselt hat. Leider ist das Original stark verblaßt, das „Leonardo3“ Museum hat es aber digital in den Zustand direkt nach seiner Fertigstellung versetzt, sogar die Farbtöpfe und Pinsel des Malers stehen noch herum. Kernthema des Museums sind aber die Modelle, die nach den Funktionszeichnungen des Genies angefertigt wurden, insbesondere Flugmaschinen und andere Fortbewegungsmittel, aber auch ein mechanischer Löwe und allerlei Kriegsgerät.

Die Westfassade des Doms ist nachts romantisch beleuchtet und spiegelt sich im regennassen Pflaster. Und die Metrozüge sind abends rammelvoll.

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Jahrhunderthochwasser

Hochwasser? Jahrhundert-Hochwasser! Zuletzt stand das Wasser 1966 so hoch. Zwar könnte man auch einfach im Hotelzimmer bleiben, aber was wird der kleine Hunger dazu sagen? Und so geht es für mich abends noch einmal hinaus – barfuß mit hochgekrempeltem Beinkleid, denn inzwischen ist auch das zweite Paar Überschuhe undicht. Der Pizza-Straßenverkauf erweist sich als überflutet und geschlossen, also wate ich weiter, finde einen offenen. Auch in seinem Verkaufsraum steht das Wasser knietief. Dennoch lachen mich beide an, der Bäcker wie auch die halbe Spinatpizza in seiner Auslage. Ob sie wohl noch warm ist? Leider nein, denn der Ofen mag es nicht, wenn Wasser um seine Füße und die elektrische Zuleitung schwappt. Also kalt. Besser als verhungern.

Am Morgen ist der Spuk vorbei. Zwar sieht man zahllose Ladenbesitzer die letzten Hochwasserreste aus ihren Läden hinaus auf die Gasse schieben, zwar wartet noch das eine oder andere Treibgut auf seine Beseitigung, aber im großen und ganzen sieht Venedig wieder aus, als habe es nie ein Hochwasser gegeben. Zeitweise lacht sogar die Sonne, während das Vaporetto seinen Weg von Anleger zu Anleger nimmt, immer im Zickzack zwischen den beiden Ufern des Canal Grande pendelnd. Und dann sind wir an der Ferrovia. Zwei Stunden zu früh, aber man weiß ja nie.

Punkt 12.50 Uhr verläßt der rote Frecciarossa mit uns an Bord die Stazione, um dem Ziel Mailand entgegen zu eilen – mit stellenweise knapp 300 Kilometern pro Stunde. Kurz nach Verona kommt rechts der Gardasee in Sicht. Und dann ist die angenehme Fahrt auch schon wieder zu Ende. Das Nyx Hotel liegt nur wenige Schritte vom Bahnhof Centrale entfernt. Wir haben ein sehr angenehmes, modernes Zimmer im siebenten Stock.

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Barfuß über die Rialtobrücke

Auch für heute ist in Venedig wieder Acqua alta angesagt. Da wir nun schon wissen, wie hoch die Straßen überflutet sein können, und auch eines der beiden Überschuh-Paare die gestrigen Strapazen überlebt hat, starten wir zuversichtlich zur Kirche Santa Maria della Salute, die sich markant auf der Halbinsel gegenüber vom Markusplatz erhebt. Der Weg dorthin führt über die Academia-Brücke und durch ein wirklich malerisches Stadtviertel mit bunten Wohnhäusern und Kanälen, die alle auf kleinen Brücken überquert werden wollen. Bei Hochwasser passen die Boote nicht mehr unter ihnen hindurch, was die Verkehrsmöglichkeiten in der Stadt ziemlich einschränkt. Aber noch kommt man ja trockenen Fußes voran.

Das Gotteshaus glänzt mit einem Wandgemälde von Tizian, wobei glänzen genau der richtige Ausdruck ist, denn wegen der etwas unglücklichen Beleuchtung läßt sich nur schwer ein geeigneter Standort für den Kunstgenuß finden. Hoffentlich ist die zweite Kirche, die wir uns vorgenommen haben, in dieser Hinsicht besser.

Zu Fuß wäre der Weg dorthin recht weit, und zudem erschließen sich einige typische Ansichten Venedigs nur vom Wasser des Canal grande aus. Darum wird flugs ein Vaporetto bestiegen. Das wichtigste beim öffentlichen Schiffsverkehr ist, daß man in der richtigen Fahrtrichtung zusteigt, sprich: den richtigen Steg betritt. Und der kann auch mal erst hinter dem nächsten Häuserblock liegen.

Da ziehen sie nun an uns vorüber, die Palazzi. Zum Glück bleiben wir auf dem Boot vom Wolkenbruch verschont, der sich soeben über die Lagunenstadt ergießt. Vom Bahnhof aus sind es dann nur ein paar Straßen bis zur gotischen Kirche Santa Maria Gloriosa dei Frari mit ihrem Tizian-Altar, dem monumentalen Grabmal seines Malers und einigen anderen Sehenswürdigkeiten.

Während wir drinnen die sakrale Kunst bewundern, füllt sich draußen der Vorplatz mit Wasser. Wir sind aber vorbereitet. Deshalb sieht man schon bald eine Frau mit wasserfesten Überschuhen bis zum Knie und einen barfüßigen Mann mit hochgekrempelten Hosenbeinen und einem an den Stadtrucksack gebundenen Paar Schuhe durch überflutete Straßen in Richtung Rialtobrücke waten.

Kurz vor der Brücke zeigt sich zur Linken ein Brunnen, dessen Beckenrand schon vollkommen abgetaucht und damit sinnlos geworden ist. Stadt der Tauben bevölkern Möwen die kleinen Plätze. Trockene Füße behält man jetzt nur noch auf den Brücken, alles andere versinkt immer tiefer im Wasser. Einige Läden schaffen es, die Flut draußen zu halten, andere ergeben sich ihrem Schicksal. Und ein paar Unentwegte sitzen an Tischen auf Stühlen, unter denen das Wasser schwappt.

Kurz bevor wir das Hotel erreichen, helfen auch die Überschuhe nicht mehr, denn sie reichen ja nur bis kurz unter das Knie. Aber dann sind wir endlich im Trockenen – und können das Bemühen der anderen Passanten von unserem Balkönchen im zweiten Stock aus beobachten.

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Wasserwege

Venedig-Touristen sollten niemals das „Acqua Alta“ unterschätzen: man tritt nach einem ausgiebigen Besuch wieder vor die Tür des Museums – und steht vor einer Wasserfläche. Was nun? Wieder zurück ins Museum und ein paar weitere Stunden Gemälde und Skulpturen bewundern? Oder wie andere einfach Schuhe und Strümpfe auszeiehn und die Hosenbeine hochkrempeln? Clevere venezianische Einzelhändler, die Gummistiefel oder wasserdichte Plastik-Überschuhe im Angebot haben, dürfen sich heute über guten Umsatz freuen. Und der eine oder andere Tourist hält seine Füße gar mit Plastiktüten aus dem Supermarkt trocken.

Man kann auch einfach seine Pläne in Übereinstimmung mit den noch begehbaren Straßen und Plätzen bringen, und das heißt in diesem Fall: von der Academia wieder über die Brücke, und dann rechts ab zum Musikinstrumente-Museum, wo in einer ehemaligen Kirche bekannte und weniger bekannte Arten von Saiten- und Holzblasinstrumenten zum direkten Vergleich einladen. Auch eine Geigenbau-Werkstatt kann hier besichtigt werden. Und draußen steigt das Wasser und steigt und steigt.

Am Ende bleibt doch nichts anderes mehr übrig als einen Straßenverkäufer glücklich zu machen. Wenig später sieht man uns in Überschuhen durch beinahe knietiefes Wasser zurück zum Hotel waten, vorbei an zahllosen kleinen Läden, die ihre Eingangstür auf den unteren 50 Zentimetern mehr oder weniger wasserdicht verrammelt haben, und durch deren Schaufenster man Menschen hektisch schöpfen sieht.

Kann man unter diesen besonderen Umständen den Markusdom besichtigen? Man kann. Zwar steht der Eingangsbereich unter Wasser, und natürlich kommt man nur über Hochwasserstege hinein. Zum Ausgleich für die Mühe können wir einige der berühmten Mosaike gleich doppelt bewundern: einmal an der Decke und einmal als Spiegelung im Wasser.

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Oper aus der Asche

Die Königin und ihr Geliebter haben zusammen den König vergiftet. Etwa zur gleichen Zeit verschwand der Sohn der Königin spurlos. Viele Jahre später tritt ein fremder Mann in Erscheinung, den die Königin sogleich ehelichen will. Opernfreunde ahnen sicher, welches Problem die beiden schon bald haben werden, aber man will ja nicht vorgreifen. Die Oper heißt Semiramide, dauert gut vier Stunden und ist von Rossini.

Das Teatro della Fenice, also Phönix, liegt so nah beim Hotel, daß wir die Pause – für uns ein Novum – quasi „zuhause“ verbringen können. Es ist nach einem verheerenden Brand in den 1990er Jahren wieder auferstanden, hieß aber auch schon vorher so. Ausgerechnet in Venedig hatte die Feuerwehr damals kein Löschwasser und kam mit den Löschbooten auch nicht an die Brandstelle, denn der Kanal nebenan war wegen Bauarbeiten trockengelegt.

Heute morgen besuchten wir die Tintoretto-Ausstellung im Dogenpalast. Mit einem Kombiticket kann man beides sehen, den Palast und die deutlich preiswertere Sonderausstellung. Zum Eingang der letzteren wird man erst einmal durch den ganzen Palast geführt, treppauf und durch herrliche Prunkräume, dann wieder treppab, noch einmal hinauf, und am Ende muß man auch noch über eine Absperrung klettern. Oder aber, man folgt von Anfang an dem richtigen Wegweiser. Dann hätten wir aber den Palast nicht versehentlich kostenlos besichtigt und auch nicht das große, die venezianischen Kirchen deutlich überragende Kreuzfahrtschiff vor den Fenstern vorbeiziehen sehen.

Tintoretto hat die figürliche Kunst eines Michelangelo mit der Farbgewalt eines Tizian kombiniert und auf diese Weise der Nachwelt eindrucksvolle Gemälde, bevorzugt solche mit mehr oder weniger spärlich bekleideten jungen Damen, hinterlassen.

Als wir wieder ind Freie treten, steht der Markusplatz unter Wasser. Nicht hoch zwar, aber man muß, um sich keine nassen Füße zu holen, außen herum unter den Arkaden entlang laufen. Den Weg zum Hotel kennen wir ja nun schon, und ebenso den Standort des Pizzabäckers, dessen Stücke doppelt so groß sind wie die bei San Marco, dafür aber nur die Hälfte kosten.

Wir erleben Venedig so, wie es kein Tagestourist sieht: morgens in nebliger Stimmung, und abends sind wir mit nur wenigen Schritten weg vom Trubel, der jetzt im Spätherbst ohnehin erträglicher sein dürfte als im Sommer.

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Mit der Bahn in die Lagunenstadt

Seidentapeten, Brokatvorhänge, ein barock gefaßter Spiegel, Blumendekor am Bettgestell und an den Möbeln, ein kleiner umrankter Balkon mit schmiedeeisernem Geländer direkt über dem Kanal – schöner kann man in Venedig nicht logieren. Und zum Markusplatz sind es nur ein paar Schritte. Wir haben mit dem Hotel Becher eine wirklich gute Wahl getroffen.

Die Seitenkanäle und erst recht die Straßen von Venedig sind unerwartet eng. Da die öffentlichen Boote streikbedingt heute nur Notverkehr haben, müssen wir an einer anderen Stelle aussteigen als geplant. Der blaue Punkt auf dem Navi springt hin und her, mal scheinen wir uns mitten im Wasser zu befinden, dann wieder öffnet sich ein kleiner Platz, wo gar keiner sein sollte. Um nicht im Weg zu stehen, trete ich nach rechts in einen Hauseingang – und stehe überraschenderweise im gesuchten Hotel.

Man braucht mit dem Zug ganze 8½ Stunden von Nürnberg über München, Innsbruck und Verona nach Venedig Santa Lucia. Und bis auf das Umsteigen in München, wo auf Gleis 14 statt des Brennerexpreß der Zug nach Treuchtlingen steht, klappt alles reibungslos. Heute wohl von Gleis 15, meint der Bahnbedienstete. Dann springt die Anzeigetafel um. Aha, heute von Gleis 13. Dummerweise gibt es am anderen Bahnsteig keine Wagenstandsanzeige, wie sollen wir da Wagen 258 finden? Was das betrifft, könnte die Deutsche Bahn von der italienischen eine Menge lernen. Und sollte jemand versehentlich doch auf Gleis 14 eingestiegen sein, muß er seine Liebste heute eben statt am Canal grande am Karlsgraben spazieren führen.

Noch ein wenig durch die abendlichen Gassen bummeln? Aber sicher doch. Auf dem Markusplatz spielen zwei Musikkapellen, mal die eine und dann wieder die andere. Romantischer kann ein Abend in der Lagunenstadt kaum sein, zumal sich auch noch der Vollmond zwischen den Wolken blicken läßt.

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Moderne Zeiten

Das Stanserhorn ist ein 1900 Meter hoher Aussichtsberg mit Geschichte. Denn schon 1893 wurde er mit einer Standseilbahn, der ersten elektrischen weltweit, erschlossen. Da das Gipfelhotel samt Gipfelstation in den 70er Jahren leider abbrannte, existiert heute nur noch der unterste der drei Abschnitte, die beiden oberen wurden zunächst durch eine Luftseilbahn ersetzt, die dann ihrerseits einer sensationellen Neuerung Platz machen mußte: der ersten Seilbahn der Welt, bei der die Fahrgäste auf dem Dach der Kabine stehen dürfen.

Sensationell ist auch die Aussicht vom Horn. Im Südwesten schweift der Blick über die Gipfel des Berner Oberlandes, wobei der Mönch aus dieser Perspektive links vom Eiger steht. Im Norden breitet sich der Vierwaldstätter See vor den Füßen der Wanderer aus. Und im Südosten sollte eigentlich der Titlis zu sehen sein, über die Steilhänge des Horns quillt jedoch eine dicke Wolke herauf, die sich erst über dem Gipfel auflöst. Gegen Mittag wird der Blick schließlich auch in diese Richtung frei. Man könnte hinabwandern auf die grünen Almwiesen mit Hunderten von bimmelnden Kühen, man kann aber auch einfach oben bleiben, um Stunde um Stunde dieses wunderschönen Tages zu genießen, ehe es mit der „Cabrio-Seilbahn“ wieder zurück ins Tal geht.

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Schauplätze

Eine Winterlandschaft, irgendwo in der Schweiz. Bäume, Häuser, eine Bahnline. Und irgendwo ein Armeesoldat. Noch einer. Eine ganze Gruppe. Auf dem Bahngleis steht jetzt ein Güterwagen, jemand hilft einem Verletzten, ihn zu besteigen. Die Häuser sehen plötzlich anders aus, und man sieht verschiedene Truppenteile beim Einsammeln von Waffen und, kräftig unterstützt durch das Rote Kreuz, bei der medizinischen Hilfeleistung für die Verletzten.

Die Multimediashow ist nur die Einführung zum großartigen Rundgemälde ein Stockwerk höher. Eindrucksvoll ist hier das gesamte Ereignis der Aufnahme und Versorgung der geschlagenen französischen Armee des General Bourbaki durch die neutral gebliebene Schweiz im 360 Grad Panorama zu sehen, auf 120 Meter Breite und 7 Meter Höhe. Die gemalte Landschaft geht nach vorne in eine real dreidimensoinale über, was den realistischen Eindruck weiter verstärkt. Der Detailreichtum ist so groß daß man, angeleitet durch den hervorragenden Multimediaguide, immer wieder Neues entdecken und sich erst nach einer Stunde oder länger wieder losreißen kann.

Gleich nebenan lockt mit dem Alpineum ein weiteres Panoptikum. Nicht so groß wie das Bourbaki und auch nocht zu einem Rundbild geschlossen, aber genau wie dieses mit real modellierten Szenen vor riesigen Panoramagemälden, die in diesem Fall die schönsten Schweizer Naturlandschaften zeigen. Leitthema ist hier die Schweiz als einzigartiges Tourismusziel.

Daß Luzern in dieser Hinsicht gut punkten kann, wußte schon Richard Wagner und wählte sich ein freistehendes Haus mit grandioser Aussicht auf den Vierwaldstätter See zum Wohnort für sich und seine Frau Cosima. An diesem inspirierenden Ort entstand das Siegfried-Idyll und wurden die Meistersinger von Nürnberg vollendet. Das Klavier ist noch vorhanden, die schöne Aussicht ebenfalls. Möbel, Vorhänge und Tapeten hingegen gingen dem Haus verloren und sind daher nachempfunden.

Verschiedene über das Haus verteilte Medienstationen vermitteln die Musik Wagners für jene, die sie nicht ohnehin schon im Ohr haben, wenn sie die Bronzebüste neben dem Eingang passiert haben. Oder spätestens vor dem Porträt des Meisters und all den anderen Memorabilien.

Und selbstverständlich gibt es auch ein Kino mit Filmbeiträgen über einige der Stationen seines Lebens.

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