Die Koffer sind gepackt und im Auto verstaut, die Wohnung aufgeräumt. Die Kiesfläche hinter dem Haus zieren jetzt zwei tiefe Rillen in Richtung Parkplatz, aber was will man machen? Zum Tragen war er zu schwer.
Für die Strecke am See entlang bis nach Locarno brauchen wir trotz der vielen Ortsdurchfahrten und Kurven deutlich weniger Zeit als am Tag unseres Ankommens. Wir nehmen für die Heimfahrt auch nicht wieder den Gotthard, sondern den Bernhardinopass. Die Nationalstraße 13 ist zwar weit weniger gut ausgebaut und nur im untersten Abschnitt vierspurig, dafür kommen wir aber an der sehenswerten Kirche von Zillis vorbei. Das von außen recht unscheinbare Dorfkirchlein birgt nämlich in seinem Inneren eine äußerst sehenswerte, weil mit rund hundertfünfzig Einzelbildern bemalte Holzdecke. Für die Bequemlichkeit und damit man sich den Hals nicht allzu sehr verrenken muss, gibt es Handspiegel, aber ohne deren Hilfe fällt die Orientierung leichter: da gibt es teils liebliche und teils schaurige Szenen aus der Bibel, man sieht Ochs und Esel um die Krippe stehen, eine Handvoll Silberlinge auf dem Tisch liegen oder den Heiligen Martin seinen Mantel mit dem Bettler teilen, während die äußere Reihe allerlei Wassertiere zeigt, die so aussehen wie ihr Name andeutet: der See-Elefant zum Beispiel hat vorne einen Rüssel und hinten Flossen. Man kann sich gar nicht satt sehen und entdeckt immer wieder etwas Neues.

Oben im Dorf gibt es eine Dokumentation, mit einem Video, das eigens für uns angeworfen wird. So richtig vorstellen kann man sich das alles natürlich nur, wenn man zuvor in der Kirche war, genau wie sich einem die Kirchendecke nur dann so richtig erschließt, wenn man vorher die Dokumentation gesehen hat. Man kann aber auch einfach noch einmal wiederkommen, bei Gelegenheit. Nach einem anregenden Plausch mit der Aufsicht führenden Dame müssen wir uns nun aber auf den Weg machen, denn es liegen noch rund 400 Kilometer vor uns.
Was wohl Dichterfürst Goethe, der auf der Rückreise von Italien hier vorbeikam und die gefährliche Via Mala passieren musste, dazu gesagt hätte, dass wir heute hier einfach mitten durch den Berg fahren? In einem Tunnel, der Via-Mala-Tunnel heißt?
Bei Kriessern wechseln wir auf die österreichische Rheinseite, denn ab dort ist die Autobahn mautfrei. Auch der Pfändertunnel ist rasch durchfahren, und dann hat uns Deutschland wieder.