So ein großer See ist immer auch ein Verkehrsträger, auf dem Linienschiffe fahren wie anderswo Busse und Bahnen. Wir buchen also zwei Tickets für die Strecke bis zur größten Insel des Lago Maggiore und zwei weitere ritorno, zahlen dafür insgesamt 18 Euro. Da wir viel zu früh am Hafen sind, genießen wir noch ein wenig die schöne Szenerie und das Glockenspiel der nahen Stadtkirche: Avé Maria de Lourdes. Der Brandrauch des offenbar immer noch schwelenden Feuers am Berg gegenüber gibt dem Sonnenaufgang heute etwas Abstraktes.
Pünktlich um 8.50 Uhr legt das Linienschiff nach Intra ab, mit Zwischenstopp an der Isola Madre. Die öffnet zwar laut Fahrplanschalter erst um 10 Uhr, aber es gibt vor der Kasse einen Uferweg, wo man ein wenig flanieren kann.
Tatsächlich öffnet der Inselgarten aber schon um 9.30 Uhr und die Kasse sogar noch früher, die paar Minuten Wartezeit reichen gerade einmal, um hinüber zum Anleger des Restaurants und wieder zurück zu laufen. In die andere Richtung, jetzt hinter der Bezahlschranke, führt der Weg zunächst am Ufer entlang bis zu einer kleinen Terrasse, wo das auf einem Ape-Dreirad aufgebaute Gelato-Kiosk aber noch geschlossen hat. Es läßt sich sehr angenehm aus dem Rucksack frühstücken hier, während die Löschflugzeuge am Berg gegenüber die Animation gestalten.

Der Hauptzugang zur Insel muss sich früher einmal an der Nordseite der Insel, also gegenüber der Stadt Verbania, befunden haben, denn dort verschließt ein großes schmiedeeisernes Tor den breiten Weg hinauf zum zentralen Bereich. Bevor man den Vorhof des Palazzi mit der markanten Platane erreicht, liegen zur Linken die Volieren mit allerlei Papageien, die aber ein wenig unlustig aussehen. In den Wiesen und auf dem Kiesplatz hingegen herrscht emsiges Buhlen um die Weibchen der jeweiligen Tierart. Da rennt der Fasan immerzu um die Fasanin herum, der weiße Pfau schlägt sein weißes Rad, und mehrere Enteriche verjagen ihre jeweiligen Nebenbuhler.
Interessantestes Schaustück der Insel ist natürlich der mächtige Palast mit seinen vielen Räumen, von denen einige mit Marionettentheatern ausgestattet sind. Einige Puppen bevölkern die jeweilige Bühne, andere sind in Vitrinen drapiert, eines aber haben alle gemeinsam: es sind kuriose Gestalten, von denen man sich fragt, welche Rollen sie wohl in der Bühnenhandlung einnahmen. Natürlich gibt es auch Prunkräume mit wuchtigen Möbeln und allerlei Gemälden, unter anderem auch eines, das die Insel noch ohne Bäume zeigt. Den schönsten Anblick aber bieten die offenen Fenster mit den französischen Balkongittern davor.

Natürlich ist man bei Borromeos stolz auf die riesigen Bäume und hat sie auch durch stählerne Spannseile gegen Windwurf gesichert, aber für meinen Geschmack nehmen sie den Gartenflächen zu viel Licht weg. Schön sonnig ist allein die Südseite mit der Palmenallee, dem Proteagarten und dem etwas zu teuren Inselcafé. Wir lauschen lieber einem innig in die Himmelsbläue zirpenden Spatzen, der uns vor lauter Eifer gar nicht zu bemerken scheint.
Um 14.40 Uhr legt unser Linienschiff ab und 10 Minuten später in Baveno wieder an, wir laufen den jetzt schon bekannten Weg durch die engen Gassen hinauf zum Bahnhof, wo unser Auto parkt, und fahren die engen Serpentinen wieder hinauf zur Villa Anna. Zu Fuß könnte man diese Strecke nicht gehen, aber die Aussicht von da oben entschädigt reichlich für die etwas unpraktische Lage.