Orchideen und Schmetterlinge

Wenn man wie wir zur Mainau will, ist der Bodensee ein ziemliches Verkehrshindernis: die kürzeste Strecke führt per Fähre über den See, kostet aber mit rund 20€ so viel wie der Sprit für 200 Kilometer Umweg. Die nur 70km längere Fahrtstrecke über Stuttgart wiederum führt durch zwei Baustellen, den Engelbergtunnel und Sindelfingen. Und der dritte Weg, nämlich über Bregenz und das Schweizer Bodenseeufer, würde viel zu lang dauern. Gut, riskieren wir eben den Stau.

Und der kommt auch prompt. Schon weit vor dem Tunnel herrscht Stillstand bei den LKW auf der rechten und mittleren Spur, ein wenig später stehen auch wir für einige Zeit, denn der Verkehr fließt nur einspurig durch den Tunnel. Kaum ist man durch und hat den Aufstieg zum Stuttgarter Kreuz hinter sich, wartet auch schon die nächste Großbaustelle. Wie gut, dass wir zeitig genug dran sind! Wir kommen aber glimpflich davon, und kurz vor halb zwei stehen wir, das Auto auf dem Parkplatz verstaut und via Smartphone ein Online-Ticket gelöst, vor der Brücke mit dem Schwedenkreuz zur Rechten.

Für einen ersten April ist es empfindlich kalt heute. Die Stiefmütterchen und vor allem die Primeln in den Blumenrabatten sehen irgendwie unlustig aus, und auch die Tulpenblüten halten sich noch ziemlich bedeckt. Aber es gibt ja zum Glück Narzissen in großer Zahl und in allen Farbkombinationen von gelb, weiß und orange. Zudem gilt unser Interesse heute vor allem der Orchideenschau.

Das Palmenhaus befindet sich im rückwärtigen Teil der Insel, dort wo auch Schloss und Kirche stehen. Wir haben also ausgiebig Gelegenheit, Fernblicke auf die verschneiten Alpen zu genießen, an der italienischen Wassertreppe zu verweilen, die eine oder andere Kamelienblüte zu entdecken und zu bedauern, dass die Magnolien schon ziemlich am Abblühen sind.

Veredelte soeben noch die Sonne den Blick auf die erwachende Natur ringsum, läßt schon im nächsten Augenblick ein Graupelschauer die Flucht ins nahe Palmenhaus geboten erscheinen. Es ist nur ein Schritt durch eine Tür, aber er führt in eine völlig andere Welt: eine, deren sämtliche Orchideen an diesem einen Ort versammelt zu sein scheinen! Überall blüht es in den verschiedensten Formen und Farben, von kräftigem Pink bis zum tiefen Violett, hier die langen Rispen der Schnetterlingsorchideen, dort die Insekten-Kesselfallen der tropischen Frauenschuhe. An einer anderen Stelle wiederum verbreitet die Cattleya ihren betörenden Duft. Und zu welcher Art gehören eigentlich diese getigerten und leopardengemusterten Blüten? Man könnte endlos hier sitzen und die tropische Atmosphäre genießen, aber dann verpaßte man am Ende weitere Attraktionen der Insel wie etwa das Schmetterlingshaus.

Der Weg dorthin führt mitten durch das Arboretum mit seinen riesigen Mammutbäumen, von denen einige schon fast 200 Jahre alt sind. Und was ist das? Lugt da nicht ein Saurierkopf zwischen den Ästen hervor? Tatsächlich stehen rund ein halbes Dutzend lebensgroße Donnerechsen über die Insel verteilt: hier ein Diplodocus, dort ein Oviraptor sowie natürlich der furchterregende Tyrannosaurus rex.

Schmetterlinge sind ebenso bunte wie flatterhafte Tiere. Auffällig ist, dass jede Art eine Lieblingsblüte zu haben scheint, der sie sich farblich angeglichen hat. der Passionsfalter zum Beispiel liebt die ebenso orangeroten Wandelrös’chen (Lantana): eine perfekte Tarnung. Am einfachsten macht es sich der Glasflügelfalter, der vor jedem Hintergrund gleich unsichtbar ist.

Für die Nacht haben wir uns im Hotel Rioca an der westlichen Peripherie von Konstanz eingebucht. Es ist ein neues und geschmackvoll eingerichtetes Haus, unser Zimmer erweist sich als ebenso komfortabel für die erste Person wie spartanisch für die zweite: Lichtschalter und Steckdosen gibt es nur an der linken Bettseite, und im Regal steht nur ein einziges Weinglas. Ob da wohl einfach nur eine zweite Bettgarnitur aufgelegt wurde?

Immerhin haben wir, nur ein paar Schritte vom Hotel entfernt, einen kostenlosen öffentlichen Parkplatz entdeckt, den einzigen der noch frei war. Damit das so bleibt und wir trotzdem einigermaßen preiswert satt werden, nehmen wir den Linienbus zum Bahnhof, wo wir im Untergeschoss des nahen Einkaufszentrums einen asiatischen Schnellimbiss ansteuern.

Category: Allgemein, Baveno 2026
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