Oberhalb von Stresa gibt es einen botanischen Alpengarten. Welche Pflanzen dort oben wohl um diese Jahreszeit blühen? Und kommt man mit dem Auto hin? Die Straße soll erst oberhalb des Gartens für den allgemeinen Verkehr gesperrt sein. Auf dem Navi sieht die Strecke kurvenreich, aber machbar aus. Von Schlaglöchern stand nichts in der Beschreibung, sie sind aber da, genau wie das Schild, die Straße sei ab hier privat und die Durchfahrt verboten. Gilt das denn auch für die Besucher des Gartens? Ein Stück weiter oben stoßen wir wieder auf die Straße, die wir eigentlich hätten nehmen sollen.

Ist hier der Eingang zum Garten? Warum ist das Tor verschlossen, der Tafel direkt daneben zufolge müsste doch jetzt und heute geöffnet sein? Ein Arbeiter mit Schubkarre sieht mich ratlos vor dem Tor stehen, hebt die Arme und ruft „Chiuso!“. Mehr erfahren wir nicht. In der Hoffnung, zumindest den gerühmten Blick auf den See irgendwo erhaschen zu können, laufen wir die Straße noch ein Stück entlang und gelangen an eine verlassene Seilbahn-Mittelstation. Vor ein paar Jahren hat es hier einen Unfall mit mehreren Toten gegeben, der Betrieb wurde daraufhin eingestellt. Möglicherweise fehlen dem Garten seitdem die Gäste.
Unser nächstes Ziel heißt Stresa. Zum einen wollen wir dort in einem Reisebüro, wo deutsch gesprochen wird, eine Rundfahrt buchen. Zum anderen wagen wir uns für den Nachmittag an die Überfahrt zum Kloster Santa Caterina. Unser Auto planen wir am Bahnhof abzustellen. Prompt führt uns das Navi in eine „Via statione“: wie denn, hier oben am Berg schon? Aber dieses schmale und steile Sträßchen mit der atemberaubenden Aussicht auf den See kann doch unmöglich die Bahnhofstraße sein?! Wenig später mündet unser unfreiwilliger Schleichweg wieder in die Hauptstraße ein. Des Rätsels Lösung: die jetzt kaputte Luftseilbahn auf den Mottarone hatte seinerzeit eine Zahnradbahn als Vorläufer, und hier oben war wohl einer ihrer Zustiege. Aber das finden wir alles erst sehr viel später heraus.
Im Reisebüro werden wir kompetent und freundlich bedient. Reservieren können wir so kurz vor 12 Uhr leider nichts mehr, ab 15 Uhr seien die Büros aber wieder besetzt. Nun gut, wir kommen ja später ohnehin noch einmal hier vorbei.

Am Schiffsanleger hat das Schiff hinüber zum Felsenkloster gerade einmal fünf Minuten vor unserem Eintreffen abgelegt, wir müssen uns also bis zur nächsten Überfahrt rund zwei Stunden gedulden. Aber Stresa hat ja eine wunderschöne Strandpromenade mit Springbrunnen, Tulpen und Sitzbänken.
Das Kloster duckt sich unter eine steile Felswand und war lange Zeit nur per Schiff oder über einen gefährlich schmalen Felssteig erreichbar. Neuerdings gibt es nun einen in den Felden getriebenen Aufzugsstollen. Per Schiff ist es aber bedeutend interessanter, weil man vom Wasser aus gut sehen kann, wie abenteuerlich sich die kleinen Gebäude samt Kirche an die Felsen anschmiegen.

Auf dem Weg vom Anleger nach oben passieren wir eine Pergola, deren Glyzinie gerade in voller Blüte steht und einen betörenden Duft verströmt. Zwischen dem Steilufer zur Linken und kleinen Gebäuden zur Rechten gelangen wir, immer wieder die schöne Umgebung bewundernd, bis zur Klosterkirche. Sie läßt unschwer mehrere Bauphasen erkennen. Der Eremit liegt im hinteren Teil in einem gläsernen Sarg aufgebahrt, man sieht von ihm nur Gesichtsknochen und Hände. Die Decke des kleinen Kirchenschiffs ist wunderschön bemalt, und die Atmosphäre dieses Ortes einfach zauberhaft, drinnen wie draußen. Und dann kommt auch schon das Schiff in Sicht, das uns nach Stresa zurückbringt. Für die Rückfahrt nach Baveno nehmen wir, nachdem wir unsere Ausflugstickets abgeholt haben, wieder die obere Straße, die zwar steiler ist, aber eben nicht so zeitraubend an der Seepromenade entlangführt.