Heute werden wir zehnmal länger im Stau stehen als gestern, aber das wissen wir noch nicht, denn das Navi zeigt bis Baveno freie Fahrt an. In Italien warten zudem günstigere Spritpreise auf uns, so dass wir erst einmal nur so viel tanken wie unbedingt nötig, 20 Liter E10 á 2,16€ sollten reichen.
Wir legen einen geplanten Zwischenstopp in Zürich ein, um uns in der Lichthalle die immersive Ausstellung „Becoming Marilyn Monroe” anzuschauen. Sie beschreibt in vielen bunten Bildern den Lebensweg der für ihren Sexappeal berühmten Schauspielerin, die eigentlich Norma Jean Baker hieß. Im Vorspann gibt es einige Schautafeln, und im Nachspann sind Szenerien aufgebaut wie das „halbe” Auto mit Rückprojektion, die Szene mit dem U-Bahn-Schacht, eine Kleiderkammer und eine halbe Treppe höher das Büro, von dem aus Frau Monroe, als sie nicht länger Spielball männlicher Filmemacher sein wollte, ihre Vermarktung selbst in die Hand nahm. Unser Auto parkt derweil draußen auf einem Parkplatz, den wir über die App „EasyPark” gebucht haben mit der Option, die Zeit notfalls remote verlängern zu können. Das ist, wenn man die Dauer eines Besuchs nicht genau genug abschätzen kann, sehr praktisch.

Wie kommen wir von hier wieder auf die Strecke nach Süden? Das Navi kennt den Weg und die dafür nötige Zeit: sie hat sich um eine Stunde verlängert, stellt aber dennoch eine Ankunftszeit in Aussicht, die sogar noch für einen Einaufsstopp reichen würde. Über das einzige Autobahnkreuz der Schweiz schwenken wir wenig später auf die Strecke ein, die uns am Vierwaldstätter See entlang zum Gotthardtunnel bringt.
Gute 20 Kilometer vor dem Tunnel geraten wir in einen Stau, für dessen Umgehung das Navi einen Umweg über die Kantonsstraße vorschlägt, also das Verlassen der Autobahn an der nächsten Ausfahrt. Ja, wenn wir denn überhaupt mal voran kämen! Und wenn da nicht der Hinweis wäre, dass alle nachfolgenden Anschlußstellen in Richtung Gotthard gesperrt sind. Oder ist das am Ende gar schon der Stau vor dem Tunnel? Er ist es. Unsere Ankunftszeit verschiebt sich immer weiter nach hinten, und es sieht ganz danach aus, als kämen wir viel zu spät bei der Adresse an, die uns für die Schlüsselübergabe genannt wurde. Was bleibt uns anderes übrig als anzurufen und mitzuteilen, dass wir im Stau stecken? Aber um diese Uhrzeit hebt niemand ab.
Endlich erreichen und passieren wir den Tunnel. Von nun an sind auch wieder verläßlichere Prognosen möglich, um welche Uhrzeit wir Baveno erreichen werden. Zu wissen, dass wir bei unserer Ankunft jetzt jemanden anrufen können, beruhigt zudem die Nerven und läßt uns den Stau, in den wir uns gleich nach dem Verlassen der Autobahn bei Bellinzona wiederfinden, etwas leichter ertragen: noch immer liegen zwei Stunden Fahrt vor uns. Warum so lange? Nun, die Uferstraße ist kurvenreich und hat viele Ortsdurchfahrten, wir schleichen und stehen und schleichen und stehen bis kurz nach Verbania. Endlich stehen wir vor dem Bahnhof von Baveno und rufen die uns von „Lago Reisen” genannte Nummer an. Ein gewisser Irwen meldet sich und bittet uns, in sein Büro zu kommen, am unteren Ende der Treppe und dann ein Stück rechts, bei der bunten Blume im Schaufenster. Rechts von der Treppe ist aber nur ein langer Grashang. Auf ein zweites Telefonat hin kommt ein Mann die Straße entlang und winkt: wir hatten schlicht die falsche Treppe genommen.
Ausgerüstet mit Schlüsseln und einem Code für das Hoftor suchen wir dasselbe nun jedoch vergeblich, denn es liegt so versteckt, dass man die schmale Zufahrt vom Auto aus nicht sehen kann. Hoffentlich fünktioniert der Code, denn diese steile Rampe möchte ich nicht rückwärts wieder hinauf müssen! Die Enge bleibt uns auch hinter dem sich prompt aufschwingenden Hoftor erhalten. Kommt ein normaler PKW denn hier überhaupt durch? Er kommt, wie die Handvoll bereits parkender Autos beweist. Wir sind an der Villa Anna, finden die Wohnung Nummer 14 und freuen uns auf ein entspanntes Auspacken, gepaart mit Spaghettikochen. Toilettenpapier gibt es allerdings keines, und auch der Kühlschrank will trotz mehrerer Versuche, ihn einzuschalten, nicht anspringen. Wer könnte uns noch helfen, um diese Zeit? Irwen kann es nicht, verspricht aber, uns morgen einen Handwerker zu schicken.