Heute ist Montag, und montags ist auf dem Platz vor dem Anleger Markttag. Wir versuchen uns an der konkreten Planung unserer heute drei Überfahrten: zuerst von Baveno zur Isola Bella, dann von dort hinüber nach Stresa, und von Stresa wieder zurück nach Baveno. Nicht alle Schiffe legen überall an, zudem weiß man ja nur so ungefähr, wie lange man sich bei den Attraktionen aufhalten wird. Alle Fährtickets zusammen kosten uns 17 Euro pro Person.
Die „Schöne Insel” (Isola Bella) hat von allen borromäischen Anwesen den mächtigsten Palazzo, aber auch der Park ist sehr aufwendig gestaltet. Ob man wohl wählen kann, welches von beiden man zuerst besichtigen will? Und wo ist überhaupt der Eingang? Anders als auf der gestern besuchten „Mutterinsel” ist der hiesige Anleger von Wohnhäusern, Läden und Restaurants umgeben, zwischen denen schmale Gassen bergan führen. Wir nehmen irgendeine von ihnen – und stehen schon bald vor einem Drehkreuz mit dem Hinweis „Solo uscita” (Nur Ausgang). Eine Dame, die gerade ihr Warenangebot drapiert, weist uns in westliche Richtung. Ein paar Gassen und Treppen weiter dann dasselbe Spiel: solo uscita! Und dann stehen wir wieder am Anleger, dieses Mal an der Stelle für die Privatschiffe, deren Passagieren man einen Wegweiser zum Eingang gegönnt hat. Endlich. Der weitere Weg ist vorgezeichnet und beginnt im Schlossgebäude.

Wer schon das eine oder andere Schloss von innen gesehen hat weiß. dass die einzelnen Prunkräume sich in mehr oder weniger vielen Details von den anderen unterscheiden: Größe, Möbel, Gemälde, Wandbespannung, Stuck, Deckengemälde und vieles mehr. Beim Borromäischen Schloss kommt noch der jeweilige Ausblick aus den Fenstern hinzu: mal zur Fischerinsel und den Schweizer Bergen, mal den See entlang, mal hinaus auf den frühlingshaften Park. Zudem sind die Räume von ganz unterschiedlichem Charakter: da ist zum einen die Galerie Berthier mit ihrer „Petersburger Hängung”, bei der zwischen den Bildern kaum noch Wand frei bleibt. Da ist der runde Saal mit den großen Fenstern und den vier Putten, von denen jeder ein anderes Emblem der Familie Borromeo in seinen gipsenen Händen hält: Einhorn, Kamel, Pferdetrense und Zedernfrüchte. Und da gibt es in der unteren Etage als Besonderheit eine Abfolge von Grotten, von denen eine dem Marionettenspiel gewidmet ist: wir blicken auf allerlei seltsame, Grimassen schneidende Figuren. Eine Wendeltreppe nach oben gestiegen, durchlaufen wir noch den Korridor mit den Wandteppichen, die das Einhorn im Kampf mit wilden Tieren zeigen. Oder auch sich eifrig paarende Löwen, Hirsche und Hasen.
Nun aber geht es endlich hinaus und hinauf in den Garten. Auch hier bietet sich von den diversen, durch Balustraden begrenzten Terrassen wundervolle Ausblicke auf den See und die umliegenden Berge. Die Tulpen und Magnolien stehen in voller Blüte, an einigen Spalieren zeigen sich reife Zitronen direkt neben den frischen Blüten. Und über alledem thront das Einhorn und dreht den Besuchern der obersten Plattform respektlos den Hintern zu.

Es wird Zeit, zum Schiffsanleger zu gehen, denn für den Nachmittag haben wir uns noch den Parco Pallavicino vorgenommen. Wie gut, dass das Linienschiff nicht nur am direkt gegenüber liegenden Ufer anlegt, sondern auch am wichtigeren Haupthafen von Stresa. Von dort ist es allerdings noch einmal ein gutes Stück Weg bis zum Parkeingang an der östlichen Uferstraße. Dort haben ein paar egoistische Zeitgenossen den Fußweg in voller Breite zugeparkt, so dass wir auf der Straße laufen müssen, aber es sind zum Glück nur geschätzte hundert Meter.
Der Park liegt nicht etwa in ebenem Gelände, sondern zieht sich steil den Hang hinauf und wird erst weiter oben so flach, dass dort eine Wasserfläche und ein geometrischer Garten mit Laubenbögen Platz gefunden haben. Anders als bei den Gärten gestern und vorgestern haben die Tulpenbeete hier eine Unterbepflanzung mit Stiefmütterchen, so dass jeweils interessante Farbkontraste entstehen. Hier oben leben auch keine Pfauen und Fasane, sondern rosa Flamingos. Und Papageien, aber die sehen in ihren Volieren genauso unlustig aus wie die auf der Isola Madre.

Als wir sattgesehen sind und der Tag fortgeschritten, laufen wir entspannt hinunter zum Eingang, nehmen für den letzten Abschnitt die Treppe, freuen uns draußen auf der Straße diebisch über die fleißig Strafzettel verteilenden Carabineri und erreichen schließlich ermattet aber zufrieden den Schiffsanleger, nicht ohne uns vorher noch eine Pizza geteilt zu haben, die das Hafencafé zum Glück auch im Karton zum Mitnehmen anbietet – für 11 Euro. Das Schiff ist um diese Zeit rappelvoll: Rush Hour auf dem Wasser. Und in Baveno sind die Marktstände wieder abgebaut. Feierabend.