Schwebend über die Backsteinwüste

Gondelbahnen kennt man vor allem aus Skigebieten, in Großstädten sind sie eher selten anzutreffen. La Paz leistet sich deren drei, und es sollen noch mehr werden, denn sie lösen ein Verkehrsproblem. Natürlich wollen wir das ungewöhnliche Transportmittel ausprobieren, und da ohnehin eine Besichtigung oben in El Alto auf dem Programm steht, bietet es sich an, die Strecke schwebend zurückzulegen.

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Zunächst gilt es jedoch die Kernstadt zu erkunden. Es gibt einen Aussichtspunkt, der heute allerdings nur tief hängende Wolken samt Nieselregen zu bieten hat. Und es gibt ein paar Straßen mit sehenswerter kolonialspanischer Architektur: hier ein Blick hinein, dort ein kurzer Aufenthalt. Wir erkunden das wundersame Sortiment eines der Läden in der „Hexenmarkt” genannten Straße, wohnen vor dem Regierungsgebäude einer von Militärmusik umrahmten Parade bei und sehen uns in der Kirche des Franziskanerordens um.

Die Fahrt mit der Gondel kostet 3 Bolivianos, umgerechnet 40 Cent pro Person. Lautlos schweben wir über ein Meer aus unverputzten Backsteinbauten hinweg – und über eine Ansammlung von Gebäuden für diejenigen, die keine Wohnung mehr brauchen. Ziel der Fahrt ist ein Sozialprojekt für Kinder und deren Mütter. Die Waren, die sie anbieten, sind allesamt von Hand gefertigt, von der Alpakawolle bis zum fertigen Handschuh.

Nach wie vor herrscht ideales Museumswetter, und so schlagen wir uns am späten Nachmittag auf eigene Faust zum einzigartigen Coca-Museum durch, ein Kleinod, das allumfassend über Anbau, traditionelle und moderne Nutzung, Wirkungen auf den Organismus und natürlich auch dem Mißbrauch informiert – und das alles auf nur wenigen Quadratmetern.

Zum Abschluß noch in die Kathedrale, die wir beim Rundgang auslassen mußten? Leider hat sie bereits geschlossen.

Das Abendessen nehmen wir natürlich wieder oben im Dachrestaurant ein, 15 Stockwerke mit einem hoffnungslos überlasteten Lift und dann noch eine Treppe hinauf. Der Koch ist ein Könner, nur leider dauert es eineinhalb Stunden, bis das Lama-Ragout endlich auf dem Teller liegt.

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