Irrwege

Guarulhos Airport São Paulo, am Abend des 12. September. Man sieht ein Grüppchen Touristen durch das Labyrinth des Flughafens eilen, auf der Suche nach dem Flugzeug, das schon in wenigen Minuten in Richtung Frankfurt am Main abheben soll.

Der Zubringerflug von Rio hatte nämlich Verspätung und endete zu allem Überfluß auch noch mitten auf dem Rollfeld, samt Bustransfer zum Gebäude. So ein Airbus 321 ist groß, und die Reisegruppe saß völlig verstreut, als der zweite Bus am Terminal ankommt, sind die Mitreisenden aus dem ersten Bus bereits irgendwohin verschwunden. Und der Reiseleiter steckt noch weiter hinten fest. Die internationalen Flüge starten von Terminal 3, weiß eine Mitreisende. Aber hier gibt es nur „Baggage Claim” und „Connections”. Endlich ein Schild zum internationalen Terminal, dann noch eines … und wir stehen draußen an einer Bushaltestelle. Ein Stück Busfahrt, dann wieder ins Gebäude, Safety Check ohne Auspacken, die Frage nach dem richtigen Weg. Nach oben, aha. Noch einmal Safety Check mit Auspacken, dann Paßkontrolle. Wann findet sie endlich den Stempel, drückt den ihren daneben? Endlich fertig. Zu welchem Gate müssen wir? Laut Bildschirm Gate 28, aha. Der Weg zu den Gates ist mit Duty Free Shops gepflastert. Weiter geradeaus. Jetzt rechts. Gate 30, Gate 29. Endlich Gate 28. Die Passagiere sind schon alle an Bord. Unser Gepäck hoffentlich auch.

Ob die anderen Teilnehmer ebenfalls hergefunden haben? Hier jetzt stranden, in der großen fremden Stadt und ohne die bereits nach Frankfurt durchgecheckten Koffer, nicht auszudenken! Ein paar Minuten später kommen noch weitere Nachzügler. Es kann losgehen: 12 Stunden Flug plus 5 Stunden Zeitverschiebung. Punkt 14.30 sind wir in Frankfurt.

Typisch Deutschland: Koffer die Treppe hinauftragen, weil Rolltreppe defekt. Dann wieder hinunter ins Zwischengeschoß, von dort – nein, Rolltreppe defekt. Also wieder hinauf und anderen Weg? Denkste, Rolltreppe defekt. Fazit: erneut Koffer über Treppen schleppen. Endlich am Bahnsteig. Zug fährt heute verkehrt herum ein, mit der ersten Klasse hinten. Also hinten hingestellt. Zug fährt dann aber doch richtig herum ein, erste Klasse ist vorne. Schon wieder rennen, alternativ hinten in die zweite einsteigen und dann mit zwei Roll- und zwei Handkoffern bis vorne durcharbeiten. Deutschland halt.

Zweieinhalb Stunden nach Nürnberg? Leider nein, an der Strecke wird gebaut, Zug fährt über Ansbach, gerät dann hinter eine S-Bahn. Es kommt sicher nicht allzu oft vor, daß ein ICE an jedem Gartenzaun anhält: Wicklesgreuth, Roßtal, Stein, Schweinau und wie sie alle heißen.

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One Response
  1. Captain Spareribs says:

    Trotz aller Wirren – willkommen zuhause

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