Mit der Bahn in die Lagunenstadt

Seidentapeten, Brokatvorhänge, ein barock gefaßter Spiegel, Blumendekor am Bettgestell und an den Möbeln, ein kleiner umrankter Balkon mit schmiedeeisernem Geländer direkt über dem Kanal – schöner kann man in Venedig nicht logieren. Und zum Markusplatz sind es nur ein paar Schritte. Wir haben mit dem Hotel Becher eine wirklich gute Wahl getroffen.

Die Seitenkanäle und erst recht die Straßen von Venedig sind unerwartet eng. Da die öffentlichen Boote streikbedingt heute nur Notverkehr haben, müssen wir an einer anderen Stelle aussteigen als geplant. Der blaue Punkt auf dem Navi springt hin und her, mal scheinen wir uns mitten im Wasser zu befinden, dann wieder öffnet sich ein kleiner Platz, wo gar keiner sein sollte. Um nicht im Weg zu stehen, trete ich nach rechts in einen Hauseingang – und stehe überraschenderweise im gesuchten Hotel.

Man braucht mit dem Zug ganze 8½ Stunden von Nürnberg über München, Innsbruck und Verona nach Venedig Santa Lucia. Und bis auf das Umsteigen in München, wo auf Gleis 14 statt des Brennerexpreß der Zug nach Treuchtlingen steht, klappt alles reibungslos. Heute wohl von Gleis 15, meint der Bahnbedienstete. Dann springt die Anzeigetafel um. Aha, heute von Gleis 13. Dummerweise gibt es am anderen Bahnsteig keine Wagenstandsanzeige, wie sollen wir da Wagen 258 finden? Was das betrifft, könnte die Deutsche Bahn von der italienischen eine Menge lernen. Und sollte jemand versehentlich doch auf Gleis 14 eingestiegen sein, muß er seine Liebste heute eben statt am Canal grande am Karlsgraben spazieren führen.

Noch ein wenig durch die abendlichen Gassen bummeln? Aber sicher doch. Auf dem Markusplatz spielen zwei Musikkapellen, mal die eine und dann wieder die andere. Romantischer kann ein Abend in der Lagunenstadt kaum sein, zumal sich auch noch der Vollmond zwischen den Wolken blicken läßt.

Category: Allgemein, Venedig 2108
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