Jahrhunderthochwasser

Hochwasser? Jahrhundert-Hochwasser! Zuletzt stand das Wasser 1966 so hoch. Zwar könnte man auch einfach im Hotelzimmer bleiben, aber was wird der kleine Hunger dazu sagen? Und so geht es für mich abends noch einmal hinaus – barfuß mit hochgekrempeltem Beinkleid, denn inzwischen ist auch das zweite Paar Überschuhe undicht. Der Pizza-Straßenverkauf erweist sich als überflutet und geschlossen, also wate ich weiter, finde einen offenen. Auch in seinem Verkaufsraum steht das Wasser knietief. Dennoch lachen mich beide an, der Bäcker wie auch die halbe Spinatpizza in seiner Auslage. Ob sie wohl noch warm ist? Leider nein, denn der Ofen mag es nicht, wenn Wasser um seine Füße und die elektrische Zuleitung schwappt. Also kalt. Besser als verhungern.

Am Morgen ist der Spuk vorbei. Zwar sieht man zahllose Ladenbesitzer die letzten Hochwasserreste aus ihren Läden hinaus auf die Gasse schieben, zwar wartet noch das eine oder andere Treibgut auf seine Beseitigung, aber im großen und ganzen sieht Venedig wieder aus, als habe es nie ein Hochwasser gegeben. Zeitweise lacht sogar die Sonne, während das Vaporetto seinen Weg von Anleger zu Anleger nimmt, immer im Zickzack zwischen den beiden Ufern des Canal Grande pendelnd. Und dann sind wir an der Ferrovia. Zwei Stunden zu früh, aber man weiß ja nie.

Punkt 12.50 Uhr verläßt der rote Frecciarossa mit uns an Bord die Stazione, um dem Ziel Mailand entgegen zu eilen – mit stellenweise knapp 300 Kilometern pro Stunde. Kurz nach Verona kommt rechts der Gardasee in Sicht. Und dann ist die angenehme Fahrt auch schon wieder zu Ende. Das Nyx Hotel liegt nur wenige Schritte vom Bahnhof Centrale entfernt. Wir haben ein sehr angenehmes, modernes Zimmer im siebenten Stock.

Category: Allgemein, Venedig 2108
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