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Messner Museen 1 und 2

Gäbe es keine Regentage, müßte man sie als Museumsbetreiber erfinden. Oder man macht es wie Reinhold Messner und entwirft ein Museum, das kein schlechtes Wetter braucht, um attraktiv zu sein, sondern die Besucher bei jedem Wetter stundenlang in seinen Bann zu ziehen vermag. Und das beileibe nicht nur, weil es innen bedeutend größer ist als es von außen zunächst den Anschein hat.

Leitmotiv der umfangreichen Sammlung sind Parallelen in den Kulturen der Bergvölker rund um den Globus. Wo, wenn nicht hier, hätte man jemals eine Abfolge von Jurten gesehen, in die sich ganz selbstverständlich auch ein Expeditionszelt mit einreiht? Und wo sonst könnte man typische Hausformen im direkten Vergleich sehen? Auch die Spiritualität nimmt im Museum breiten Raum ein. Jeder Raum birgt neue Überraschungen, und im Nu sind mehr als zwei Stunden verflogen.

Lohnt es sich, mit der Gondelbahn auf einen Aussichtsberg zu fahren, wenn wegen des anhaltend regnerischen Wetters zwar keine Aussicht auf Aussicht, sehr wohl aber auf ein weiteres und noch dazu spektakuläres Messner Mountain Museum besteht? Na, und ob! Vorausgesetzt, die Wolkensuppe läßt noch einen Rest Orientierung zu, denn der Steinhügel, in dessen Innerem sich das Museum befindet, liegt ein ganzes Stück weit von der Bergstation der Bahn entfernt am Rande der Hochfläche.

Man weiß gar nicht, wovon man mehr beeindruckt sein soll: von der eindrucksvollen Architektur, der Lichtführung, den Exponaten und deren Einbindung in den Kontext „Alpinismus“ oder von den drei raumhohen Sichtfenstern hinaus auf die heute nicht vorhandene Bergkulisse. Tief im Inneren des rampenartig mit Verbindungstreppen angelegten Bauwerks zeigt ein Kino die Geschichte des modernen Alpinismus und seiner Pioniere, kommentiert in drei Sprachen von Reinhold Messner, der natürlich auch selbst einen Spitzenplatz in diesem Reigen einnimmt.

Wie schade, daß sich heute so gar kein Berggipfel zeigen und das Erlebnis visuell abrunden will. Das hieße dann allerdings auch, auf das faszinierende Spiel der Wolken rund um den Kronplatz zu verzichten.

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Über Paßstraßen

Das Hochgebirgs-Ambiente des „007 Elements“ hat seinen Preis: 38 Euro pro Person für die Fahrt auf den Gaislachkogl. Das mag an Tagen mit Sicht auf die umgebende Gletscherwelt angemessen sein, aber will man für einen 360 Grad Waschküchenblick wirklich so viel Geld ausgeben, zusätzlich zum Eintrittspreis? Nein, will man nicht.

Ganz oben auf die Ötztaler Schlechtwetterliste gehört eine andere Einrichtung, nämlich das „Top Mountain Motorcycle Museum“ in der Mautstation der Timmelsjochstraße. Hier kommen nicht nur Motorrad-Fans auf ihre Kosten, sondern alle, die sich für die Geschichte des motorisierten Straßenverkehrs begeistern können. Denn das Museum ist äußerst spannend und lebendig inszeniert und überrascht mit Meilensteinen der Automobilgeschichte. Ein Benz Patent-Motorwagen zum Beispiel, samt Patent. Oldtimer, denen man ihr langes Autoleben ansieht. Beiwagenmaschinen. Motorräder der ersten Generation. Eine Maschine mit Wankelmotor, ein Tandem-Motorrad mit zwei Lenkstangen, eine Filmrequisite. Auch das Restaurant des Museums ist liebevoll durchsetzt mit pfiffigen Elementen, die Barhocker etwa haben Pedale für die Füße. Und im unteren Stockwerk wartet eine Sammlung von Pistenraupen aller Generationen auf ihre Entdeckung durch die Besucher, die sicher alle sehr viel mehr Zeit hier verbracht haben als ursprünlich geplant: man kann sich einfach nicht losreißen, entdeckt immer wieder Neues. Und das alles selbstverständlich auch bei schönem Wetter.


Bevor man sattgesehen wieder in sein Auto klettert, sollte man nicht vergessen, die erste Station des fünfteiligen Passmuseums zu besuchen. Der „Steg“ ist ein polygonales Gebäude mit einer kleinen Bilddokumentation und einem Aussichtssteg, von dem man einen herrlichen Blick in den Talschluß genießt.

Die zweite Station, ein begehbarer Würfel neben der Straße, thematisiert mit Objekten und Wandtafeln das einstige Schmugglerwesen über das Timmelsjoch. Und einige hundert Höhenmeter weiter erwartet das Passmuseum die grenzüberschreitenden Touristen. Sein Anliegen ist der Bau dieser faszinierenden Straßenverbindung über das Timmelsjoch, das den Menschen schon zu Urzeiten bekannt gewesen sein muß. Man hat nämlich eine Bronzefibel aus der La Tene Zeit hier oben entdeckt.

Zur Rechten der nun wieder abwärts führenden Straße taucht schon bald eine von Gletschern geprägte Berglandschaft auf. Der Wunsch nach einem Fernrohr erfüllt sich in einem Gebäude mit der Form eines solchen. Freilich sieht man drinnen nicht mehr wie draußen, allein der Bildausschnitt wird von der Architektur vorgegeben, und in den Wänden sind in kleinen Vitrinen allerlei Gegenstände ausgestellt: Handwerkszeug, Kleinfunde, Militaria.

Beinahe hätten wir, schon fast im Talboden des Passeier angekommen, die fünfte und letzte Station übersehen, den Granat. Er dokumentiert die Geschichte des Tales und seiner Menschen.

Von hier wäre der Weg nicht mehr weit nach Meran, aber man kann sich auch über einen weiteren Paß quälen, nicht so hoch wie das Timmelsjoch, aber landschaftlich ebenfalls sehr reizvoll: der Jaufenpaß. Die Edelweißhütte auf fast 2100 Meter serviert Gulaschsuppe oder auch Apfelstrudel, und man kann endlich ein WC aufsuchen.

Die heutige Etappe endet in Gais, ein paar Kilometer nördlich von Bruneck. Von weitem grüßt der Peitlerkofel im Licht der Abendsonne, und auch der Kronplatz, unser morgiges Ziel, zeigt sich wolkenfrei. Allerdings soll es morgen wieder regnen.

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Mission Messner, Präludium

Irgendwo zwischen den Ausfahrten Starnberg und Seeshaupt zeigt sich am Südhorizont eine gezackte Linie. Nein, das ist keine Wolke, das sind die Berge. Deutlich hebt sich die Kulisse des Waxensteins vor dem Zugspitzmassiv ab, denn die Luft ist leicht diesig heute. Kein Wetter für sensationelle Fernblicke vom höchsten Berg Deutschlands. Und man will ja auch sein Etappenziel noch bei Tageslicht erreichen. Aber für eine kleine Fotoreportage vom Mittenwalder Geigenbaumuseum würde die Zeit noch reichen.

Leider vertritt der Kassenwart die Ansicht, daß eine Pressevisite vorab hätte schriftlich angezeigt werden müssen. Gegen das Fotografieren an sich habe er nichts. Ich aber gegen das Bezahlen eines Arbeitsbesuches. Achselzuckend streiche ich Fotorundgang und Reportage wieder von meiner Agenda.

Man kann das Ötztal von Garmisch aus sowohl über den Fernpaß als auch über Scharnitz anfahren, bei nahezu gleichen Fahrtstrecken. Die östliche Variante bietet einen grandiosen Blick über das Inntal, dem eine lange Gefällestrecke bis hinunter nach Telfs folgt. Noch einmal wird der Prius hier günstig vollgetankt, dann folgt die letzte Etappe für heute: dem Wegweiser nach Meran folgend ins Ötztal und bis in dessen Hauptort Sölden.

Der Pizzaservice gleich neben dem Hotel freut sich, daß er nicht ausliefern muß, und schenkt Salat und eine Dose Cola zu „All Oglio“. Und die Sonne liefert noch ein paar letzte Strahlen auf den Balkon des Hotel Bergheim. Morgen soll ein Regengebiet durchziehen, der geplante Besuch der „007 Elements“ in der Gipfelstation des Gaislachkogls wird also wohl ins Wasser fallen.

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Heimreise mit Hindernissen

Die British Airways betreibt in Heathrow ein eigenes Terminal. Da wir gestern schon, von einer Bank im Museum aus, online eingecheckt haben, müssen wir nur noch am Automaten eine Bordkarte ziehen und unser Gepäck abliefern. An den Drop Off Schaltern stehen Reisende und warten geduldig auf Personal. Eine Dame macht freundlich, wie es eben die englische Art ist, darauf aufmerksam, daß es sich hier um Selbstbedienung handelt. So etwas kennen wir ja schon von den britischen Supermärkten.

Und das geht so: Bordkarte mit der Laserpistole scannen, namentliche Begrüßung vom Bildschirm lesen, Koffer auflegen, Banderole aus dem Drucker nehmen, am Koffergriff befestigen, bestätigen daß das Gepäckstück gekennzeichnet ist, und dann dem guten Stück beim Verschwinden zusehen. The same procedure dann mit dem anderen Koffer und der anderen Bordkarte.

Aber wo steht jetzt unser Flugzeug? In Heathrow werden die Gates erst 15 Minuten vor Öffnung bekannt gegeben, man wandelt also erst einmal ziellos durch das Terminal, oder besser gesagt, man verweilt möglichst weit vorne, um nicht alles wieder zurücklaufen zu müssen, wenn es nicht C irgendwas, sondern A1 wird. Und so war es dann auch.

An der Startbahn 27L (bei Ostwind wäre es die 09R gewesen, dieselbe Bahn halt, aber in die andere Richtung) warten ein halbes Dutzend Maschinen, aber irgendwann sind wir an der Reihe. Bis Frankfurt sind es nur 75 Minuten, aber wir müssen zusätzlich die Uhr um eine Stunde vorstellen.

Dort gelandet, verbringen wir eine weitere Stunde damit, mit dem Vorfeldbus zu fahren, durch die Paßkontrolle zu gehen, unser Gepäckband zu finden, mit den Koffern im Schlepptau den Skytrain zu finden, und zum Schluß noch durch den richtigen Ausgang zuerst ganz nach unten und dann wieder ganz nach oben zu fahren, wo die lange Fußgängerbrücke zum Fernbahnhof beginnt, die aus unerfindlichen Gründen nie vollendet wurde.

Unser ICE soll mit 2 Minuten Verspätung eintreffen. Bis wir in der Lounge für Erste Klasse Reisende eintreffen, wo uns Ruhe, ein Kaffee und ein sauberes WC erwarten, sind es schon 12 Minuten. Und der Verspätungsfaktor schreitet weiter fort. Ab 40 Minuten rückt eine alternative Verbindung in den Fokus, mit der wir zur gleichen Zeit in Nürnberg wären, jedoch in Frankfurt Hauptbahnhof umsteigen müßten. Wir entscheiden uns dagegen, denn nun soll unser Zug tatsächlich in Kürze eintreffen.

Es ist ein funkelnagelneuer ICE 4 („mit Akzentbeleuchtung”), er hat nur einen klitzekleinen Fehler: wegen eines technischen Defektes kann er nur im Schneckentempo fahren. Im Frankfurter Hauptbahnhof wartet deshalb ein Ersatzzug. Nun heißt es also doch umsteigen, mit all dem Koffer-Gerödel.

Der Ersatzzug steht am Bahnsteig gegenüber, jedoch genau anders herum: die Este Klasse befindet sich am entgegen gesetzten Zugende. Und auf dem Bahnsteig stehen Trauben von Menschen. Einsteigen und dann während der Fahrt mit den Koffern durch all die vollen Abteile quälen? Oder lieber den Bahnsteig entlang vorarbeiten? Wir entscheiden uns für letzteres, werden als vermeintliche Zuspätkommer und Drängler angepöbelt, erreichen irgendwann tatsächlich unser Abteil. Reisen mit der Bahn kann manchmal ganz schön nervig sein, sogar in der ersten Klasse.

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Vom Museum über den Palast zur Brücke

Der Aufenthalt in England führt bei mir zu seltsamen Effekten, letzte Nacht traten in meinem Traum zwei Adelige auf, der Earl of Grey und der Duke of Ellington. Dabei bin ich eigentlich weder Tee- noch Jazz-Liebhaber.

Das British Museum ist gigantisch groß und bewahrt Schätze, die mit Recht zu den bedeutendsten der Menschheitsgeschichte zählen. Der Stein von Rosetta etwa. Leider ist er von Scharen asiatischer Touristen umlagert. Oder jene Reliefs vom Parthenon in Athen, die das dortige Akropolis-Museum gerne zurück hätte. Oben bei den Mumien sind wir dann schon etwas ermattet. Und die Ostasien-Abteilung schenken wir uns.

Ein paar Straßenzüge weiter befindet sich das Royal Opera House. Gibt es hier eine Führung? Schon, aber wir müßten nächste Woche wiederkommen, die kommenden Tage sind ausgebucht. Schade. Fahren wir also mit der Tube weiter zum Buckingham Palace. Die sehr tief verlaufenden Röhren sind eng und ebenso die Wagen. Hier hat man wirklich noch das Gefühl, in einer Art Rohrpost zu reisen.

Wir steigen am St. James‘s Park aus. Der Park gehört zum weiteren Bereich des Buckingham Palace und scheint bei der Londoner Bevölkerung recht beliebt zu sein. Die Tiere im Park wiederum mögen die Besucher, besser gesagt das Futter, das viele von ihnen mitbringen.

Ob die Queen zuhause ist? Immerhin feiert sie morgen ihr 65. Thronjubiläum. Der markante Zaun vor dem Palast liefert die Kulisse für Tausende von Selfies und Erinnerungsfotos, es herrscht ein ständiger Wechsel. Und auch das Wetter erweist sich als wechselhaft, soeben noch Sonne, jetzt leichter Regen. Wie es wohl an der Tower Bridge sein mag?

Um das berühmte Bauwerk pflichtgemäß zu queren, steigen wir an der Station Tower Hill aus. Eine gute Gelegenheit, um auch gleich auszukundschaften, wie wir hier morgen mit den Koffern hinunter an den Bahnsteig kommen. Dann geht es auf die Brücke, einmal hinüber, am anderen Themseufer ein wenig die Skyline genießen, dann wieder zurück und am Straßenrand noch für jeden ein Abschieds-Eis. Morgen um diese Zeit werden wir zuhause sein.

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London Underground

Wie bewegt man sich eigentlich im öffentlichen Nahverkehr Londons? Tante Google listet zwar bereitwillig den einen oder anderen Anbieter, der zum Vorab-Erwerb einer Oyster Card rät. Und für die Verbindungssuche stehen allerlei Apps bereit. Nach dem Antesten der einen oder anderen lande ich schließlich – bei Google Maps. Alternativ bei Apple Maps: Wunschziel eingeben, und fertig ist die Routenplanung per Tube oder Bus.

Was bleibt, ist die Frage der Bezahlung. An der Underground Station wird das Procedere für kontaktlose Karten wie Oyster oder andere Credit Cards genau beschrieben. Andere? Tatsächlich: man hält einfach seine Visa Card über das gelbe Kontaktfeld, und schon öffnet sich die Sperre. Beim Verlassen der Zielstation tut man noch einmal dasselbe, und die Fahrt wird zum korrekten Tarif abgebucht. Korrekt heißt in diesem Fall, daß einem nach mehreren Fahrten maximal der Tagestarif berechnet wird. Ein so genial-intelligentes System wünscht man sich auch für zuhause.

Der Westminster Cathedral wünscht man hingegen, sie hätten einen Audio Guide, der auch tatsächlich so funktioniert wie in der Hilfefunktion beschrieben. Zu jeder Station soll eine Reihe von Detailbeschreibungen verfügbar sein, aber im praktischen Einsatz findet sich nichts dergleichen. Und so hangelt man sich mit enttäuschend kurzen Einführungen von Objekt zu Objekt.

Davon gibt es allerdings jede Menge, denn in der Kathedrale sind nicht nur fast alle Könige der britischen Geschichte, sondern auch zahlreiche Berühmtheiten bestattet. Wir stehen staunend über den Grabplatten von Charles Darwin, Friedrich Händel, Charles Dickens und Rudyard Kipling. Wer war nochmal Rudyard Kipling? Ach ja, das Dschungelbuch. Besonders prächtig ausgestaltet ist auch das Grabmonument von Maria Stuart. Und ganz vorne in der Marienkapelle, quasi eine Kirche in der Kirche, gibt es eine Nische, die der Royal Air Force gewidmet ist, und deren Glasfenster allerlei Überraschendes zeigen.

Von hier bis zum berühmten Big Ben mit seinem nicht minder berühmten Glockenschlag sind es nur ein paar Schritte. Aber wo ist er? Das schweifende Auge erblickt an der vermuteten Stelle ein riesiges Gerüst. Nichts ist zu sehen vom Turm, allein das Zifferblatt haben die Handwerker ausgespart. Und die Uhr zeigt drei Minuten vor eins. Da muß doch gleich? Der Zeiger rückt vor, noch eine Minute, jetzt gleich legt er los, nur noch ein paar Sekunden, jetzt ist der Zeiger schon rechts vom Strich … oh nein, sie haben den fürs britische Lebensgefühl so sakrosankten Big Ben Glockenschlag abgestellt! Unfaßbar!

Ein wenig enttäuscht lenken wir unsere Schritte zum Trafalgar Square, wo uns die National Gallery mit ihren Bilderschätzen erwartet. Was gibt es da nicht alles an berühmter Malerei zu sehen: Turner, Constable, Monet, Cézanne, van Gogh und wie sie alle heißen. Völlig geplättet laufen wir anschließend noch hinüber zur Kirche St. Martin in the Fields, die vor allem durch ihr Akademie-Orchester weltbekannt ist. Von drinnen erklingen Fragmente aus dem Concierto de Aranjuez von Joaquín Rodrigo. Wir nehmen in einer Krchenbank Platz und hören der Probe eine ganze Weile zu. Es ist zwar nicht das hauseigene Orchester, aber trotzdem ein Hörgenuß – zumindest so lange der Dirigent nicht abwinkt, was er aber des öfteren tut.

Rund um den Trafalgar Square streifen wir noch das berühmte Coliseum Theatre sowie das Chinatown-Viertel, dann geht es für heute via Tube zurück ins Hotel.

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Rund um den Tower

Die Großstadt hat uns wieder. Praktischerweise ist der Flughafen Heathrow an das Underground-Netz angebunden, so daß wir am Terminal schlicht nur eine andere Richtung einschlagen müssen, um statt zum Flugzeug – wie die anderen Teilnehmer – zu unserem Hotel zu gelangen. Zwar besteht erst einmal keine Einigkeit über Fahrtstrecke und Umsteigepunkte, aber man muß auch mal den London-Erfahrenen vertrauen können. Und tatsächlich gestaltet sich das Umsteigen bei Acton Town wesentlich einfacher als an der von mir präferierten Station South Kensington. Und statt bei Aldgate steigen wir am Tower Hill aus. Kürzer oder nicht, bequemer oder nicht, am Ende stehen wir jedenfalls in der Rezeption des Motel One London. Unser Zimmer befindet sich im dreizehnten Stock.

Was macht man mit einem angefangenen Nachmittag, wenn man sich nur wenige Schritte vom Tower of London befindet? Den Tower of London und seine schmuck uniformierten Beefeater besuchen! Einer von ihnen gibt gerade eine Einführung in die blutrünstige Geschichte der Festung. Da uns die Gruppe zu groß ist und wir ohnehin nur die Hälfte verstehen, ziehen wir lieber auf eigene Faust los. Erst einmal außen herum, von Turm zu Turm, von Wendeltreppe zu Wendeltreppe. Dann mit vielen nervigen Touristen, von denen sich immer die nervigsten genau um uns herum befinden, hinein zu den Kronjuwelen. Welch eine Pracht, welch ein Wert!

Genau in der Mitte der Festung befindet sich der White Tower, ein wuchtiges Bauwerk aus hellen Steinquadern. Im untersten Stockwerk bewundern wir einige prunkvolle Rüstungen. Das Stockwerk darüber zeigt Rüstungen, und das dritte und letzte, vollkommen unerwartet, Rüstungen. Allerdings in äußerst unkonventioneller Form, nämlich zu einem Drachen mit rot glühenden Augen zusammengefügt.

Zum Abschluß des Tages erkunden wir noch ein wenig die urbane Umgebung.

Where the Moor meets the Sea

Am geplanten Ausgangspunkt unserer Wanderung herrscht nicht nur jene Art Nebel, den die Briten „Fog“ nennen, sondern auch ein recht kräftiger Wind. Wäre der Nebel nur „Mist“, könnten wir dort unbedenklich wandern, bei den herrschenden Wetterbedingungen kommt jedoch Plan B zum Tragen.

Der alternative Weg führt zwischen knorrigen Eichen am Rande eines Flüßchens entlang. Das Flüßchen heißt Hoar Oak Water und trifft bei Watersmeet auf den East Lyn River, woraufhin beide vereint bei Lynmouth ins Meer münden.

Highlight des Ortes, der sich ansonsten nicht wesentlich von anderen Küstenorten unterscheidet, ist eine Standseilbahn, die den unteren mit dem oberen Ortsteil verbindet, immerhin schon seit fast 140 Jahren. Und als ob das alles nicht schon sensationell genug wäre, verfügt diese Seilbahn auch noch über ein einzigartiges Antriebssystem: der Tank der jeweils oberen Kabine wird mit Wasser befüllt, das zusätzliche Gewicht zieht die Kabine hinab und die untere hinauf. Unten wird dann der Tank entleert, und das Spiel beginnt mit der anderen Kabine von vorne.

Das Exmoor fällt an dieser Stelle steil ins Meer ab, auf halber Höhe führt ein malerischer Fußweg hinüber ins Rock Valley, wo schon der Bus wartet. Auch heute hält das lokale Wetter sich wieder an die Regel, daß ein eventueller Regen erst einsetzt, wenn alle im Bus sind. Nun ja, ein paar Tropfen kommen verfrüht, das zählt nicht.

Es war der letzte Wandertag dieser Reise, deshalb gibt Gerhard im Bus eine Flasche Gin aus, wahlweise Whisky oder gar beides. Nur Fahrer Dave darf nicht mittrinken, aber er ist ja sowieso immer lustig und nie um einen passenden Spruch verlegen, sei es nun auf englisch oder im frisch aufgeschnapptem Deutsch.

Morgen um diese Zeit wird der Großteil der Gruppe schon wieder zuhause sein. Und wir in London. Zufällig haben ein paar Mitreisende dasselbe Hotel gebucht.

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Von König Artus‘ Burg zum leeren Hafen

Man glaubt gar nicht, wie verschiedenartig kornische Küsten sein können. Heute haben wir es mit besonders schroffen Klippen zu tun. Eine von ihnen trägt die Reste der Burg, wo angeblich König Artus, der Herr der ritterlichen Tafelrunde, gezeugt wurde.

Unser Ziel ist aber nicht die Burg, sondern der Küstenwanderweg, der von hier über Berg und Tal hinüber führt bis nach Boscastle. Eine Wanderung, die zwar vier Stunden in Anspruch nimmt, aber kein Stück weit langweilig ist. Dazu tragen die zahlreichen zu übersteigenden Zäune ebenso bei wie die teils spektakulären Tief- und Ausblicke. Und auch das Wetter könnte besser nicht sein.

Im kleinen Hafen von Boscastle liegen einige Schiffe. Das ist durchaus wörtlich zu nehmen, denn weil gerade Ebbe herrscht, liegen sie in leichter Schräglage auf dem Sandboden des Hafenbeckens herum.

Der Ort wurde vor ein paar Jahren von einem verheerenden Hochwasser heimgesucht. Im Visitor Center werden Aufnahmen gezeigt, auf denen Autos vom Parkplatz mitgerissen und zwischen Häusern hindurch hinunter ins Meer gespült werden. Zwischenzeitlich sind aber alle Spuren der Katastrophe getilgt.

Als wir eine gute Stunde später noch einmal zum Hafen hinunter laufen, schwimmen die Schiffe wieder.

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Südlicher Nebel

Der südlichste Punkt Englands ist auch bei Nebel leicht zu finden, man muß nur in die Richtung laufen, aus der es alle 30 Sekunden laut und vernehmlich tutet. Das wäre dann allerdings der kürzeste Weg. Wesentlich reizvoller ist auch hier wieder der Küstenpfad. Wir starten im Westen der Halbinsel, gelangen nach einer guten Sunde zum tutenden Leuchtturm und nach einer weiteren an den Ort, wo ein gewisser Marconi kurz nach 1900 eine Morsestation betrieb, die dort auch heute noch steht. Zwar existieren die originalen Geräte nicht mehr, sehr wohl aber ein Foto, so daß man alles wieder so bestücken konnte wie damals. Auch ein Diagramm vom Schiffsverkehr jener Tage liegt auf, an dem die Titanic ihre weitere Teilnahme am transatlantischen Funkverkehr unerwartet beendete.

Der späte Nachmittag gehört heute dem Trebah Garden. Er wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts angelegt, war zwischenzeitlich völlig verwildert und verdankt seinen heutigen Zustand einem späteren Besitzer, der zunächst gar nicht wußte, welchen Schatz er da erworben hatte. Im Gedächtnis bleiben baumhohe Rhododendren, brasilianische Riesenblätter, tasmanische Baumfarne und vieles mehr.

Besonders angenehm ist für uns natürlich, daß der örtliche Führer an uns seine Deutschkenntnisse erproben will. Die keineswegs so eingerostet sind wie er behauptet. Britisches Understatement.

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