Wenn einer eine Reise tut…

…dann kann er was erzählen. Von Schlangen etwa, mit denen man in Brasilien ja rechnen muß. Und weil das Land so groß ist, gibt es auch große Schlangen. Zum Beispiel vor der Einreisekontrolle. Geschlagene zwei Stunden verbringen wir wartend, ehe man uns und die anderen Passagiere – ausgenommen Brasilieros, denn die werden nach vorne geschleust – endlich ins Land läßt. Wie soll das erst zur Fußball-Weltmeisterschaft im kommenden Jahr werden?

Aber beginnen wir lieber von vorne. Nein, nicht bei den typischen Verspätungen der Deutschen Bahn. Die sind so selbstverständlich, daß es eher eine Erwähnung bedürfte, käme ein Zug ausnahmsweise pünktlich an.

Wie aber kann man abends um 10 Uhr losfliegen, morgens um 5 Uhr ankommen und trotzdem 12 Stunden in der Luft sein? Nun, indem man nach São Paulo fliegt, Zeitdifferenz vier Stunden plus Sommerzeit.

Wie alle Airlines gibt auch die TAM jene typischen Flugzeug-Kopfhörer mit zwei Klinkensteckern an die Passagiere aus. Aber wo anschließen? Die Armstütze hat an der üblichen Stelle nur eine einzige Buchse. Und einen anderen Anschluß gibt es nicht. Endlich hilft der Zufall weiter: man kann am Hörer den zweiten Stecker einfach seitlich wegklappen. Problem gelöst, Stecker paßt zur Buchse, Hörer hat Ton. Allerdings nur links. Aber paßt nicht vielleicht auch der eigene MP3-Ohrhörer? Er paßt. Und hat auf beiden Seiten Ton. Warum nicht gleich so?

Was folgt sind die bewußten Schlangen. Weil so ein Flughafen ja nicht über unendlich viele Kofferbänder verfügt, hat man unsere verständlicherweise vom Band genommen. Da stehen sie und warten geduldig, denn wir müssen ja alle zusammen noch durch den Zoll. Danach trennen sich die Wege vorläufig wieder: Koffer in die Gepäckaufgabe, Passagiere zum Gate 11. Von den sechseinhalb Stunden Aufenthalt in São Paulo sind gerade einmal noch zwei übrig. Gut, wir haben uns zwischen den Schlangen noch etwas Zeit gelassen, aber nicht viel.

Kurze Zeit später kommen wir im Städtchen Cuiabá an. Städtchen? Eine Million Einwohner. Und ein Kofferband, das so kurz ist, daß die dicht gedrängt Wartenden keinen Zentimeter Platz mehr lassen für jene, deren Koffer gerade auf dem Band kreisen. Das hat zur Folge, daß die Koffer der Wartenden aus Platzmangel nicht aufgelegt werden können. Es dauert eine gewisse Zeit, bis der gordische Knoten sich allmählich entwirrt.

Und dann sind wir draußen. Finden unseren Reiseleiter. Können unser Gepäck in den Transferbus wuchten, der ein achtsitziger VW-Bus ist. Das genügt auch, denn außer uns nimmt nur ein weiteres Pärchen Platz. Die UeSo Fazenda liegt etwa eine Fahrstunde entfernt.

Todmüde kommen wir an. Was für ein Tag.

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