Kreolische Rundfahrt

Wenn man in Deutschland etwas telefonisch bestellt oder reklamiert, kann es sein, daß man mit einem Call Center auf Mauritius verbunden ist. Stefan, unser Guide für die heutige Tour, ist ein waschechter Mauritianer, der fließend mindestens vier Sprachen spricht, was ihn sowohl für die bewußte Branche als auch für den Tourismus qualifiziert. Er ist, wie er freimütig erzählt, in einem Wellblechdorf aufgewachsen, hatte als Kind Kontakt zu einer österreichischen Diplomatenfamilie, lebte dann auch ein paar Jahre in Vorarlberg, bevor ihn schließlich das Heimweh übermannte. Mit ihm unterwegs zu sein öffnet Einblicke in die mauritianische Seele.

In die Schönheiten der Insel natürlich sowieso. Wir nehmen Abkürzungen über die Dörfer und halten an dem einen oder anderen Spot, an dem die Touribusse normalerweise achtlos vorüber fahren. An einem Friedhof zum Beispiel. Ein chinesisches Grab mit einem Kreuz: der Verstorbene hatte zwei Vornamen, einen chinesischen und einen europäischen. Die mit Flutlicht ausgestattete muslimische Abteilung: ein Moslem ist zwei Stunden nach seinem Ableben bereits unter der Erde. Auch mitten in der Nacht. Der Kremationsplatz der Hindus. Reiche Gräber, arme Gräber. Fürwahr ein bemerkenswerter Ort.

Ein frommer Hindu möchte einmal in seinem Leben in den Ganges steigen. Da der Ganges für die meisten Insulaner unerreichbar ist, hat ein kluger Priester Gangeswasser geholt und in einen kleinen See gekippt. Der Ersatz-Ganges erfreut sich seitdem größter Popularität. Auch bei den wilden Affen, die sich an den Opfergaben laben.

Wir erleben beeindruckende Aussichten auf Berge und Schluchten, einen Wasserfall, eine Stelle mit sieben verschiedenen Bodenfarben, wir bekommen quasi hautnah mit, wie schnell das Wetter auf Mauritius wechseln kann, wir genießen ein typisch kreolisches Mittagessen, wir erfahren aus erster Hand etwas über das Leben der einheimischen Bevölkerung, das soziale Gefüge, die Schule, mit einem Wort: ein unvergeßliches Erlebnis.


Die Musikband hat heute abend frei. Statt grauslichem Geschrei gibt es heute dezente Barmusik, so daß wir uns auf dem Balkon sogar unterhalten können.

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