London Underground

Wie bewegt man sich eigentlich im öffentlichen Nahverkehr Londons? Tante Google listet zwar bereitwillig den einen oder anderen Anbieter, der zum Vorab-Erwerb einer Oyster Card rät. Und für die Verbindungssuche stehen allerlei Apps bereit. Nach dem Antesten der einen oder anderen lande ich schließlich – bei Google Maps. Alternativ bei Apple Maps: Wunschziel eingeben, und fertig ist die Routenplanung per Tube oder Bus.

Was bleibt, ist die Frage der Bezahlung. An der Underground Station wird das Procedere für kontaktlose Karten wie Oyster oder andere Credit Cards genau beschrieben. Andere? Tatsächlich: man hält einfach seine Visa Card über das gelbe Kontaktfeld, und schon öffnet sich die Sperre. Beim Verlassen der Zielstation tut man noch einmal dasselbe, und die Fahrt wird zum korrekten Tarif abgebucht. Korrekt heißt in diesem Fall, daß einem nach mehreren Fahrten maximal der Tagestarif berechnet wird. Ein so genial-intelligentes System wünscht man sich auch für zuhause.

Der Westminster Cathedral wünscht man hingegen, sie hätten einen Audio Guide, der auch tatsächlich so funktioniert wie in der Hilfefunktion beschrieben. Zu jeder Station soll eine Reihe von Detailbeschreibungen verfügbar sein, aber im praktischen Einsatz findet sich nichts dergleichen. Und so hangelt man sich mit enttäuschend kurzen Einführungen von Objekt zu Objekt.

Davon gibt es allerdings jede Menge, denn in der Kathedrale sind nicht nur fast alle Könige der britischen Geschichte, sondern auch zahlreiche Berühmtheiten bestattet. Wir stehen staunend über den Grabplatten von Charles Darwin, Friedrich Händel, Charles Dickens und Rudyard Kipling. Wer war nochmal Rudyard Kipling? Ach ja, das Dschungelbuch. Besonders prächtig ausgestaltet ist auch das Grabmonument von Maria Stuart. Und ganz vorne in der Marienkapelle, quasi eine Kirche in der Kirche, gibt es eine Nische, die der Royal Air Force gewidmet ist, und deren Glasfenster allerlei Überraschendes zeigen.

Von hier bis zum berühmten Big Ben mit seinem nicht minder berühmten Glockenschlag sind es nur ein paar Schritte. Aber wo ist er? Das schweifende Auge erblickt an der vermuteten Stelle ein riesiges Gerüst. Nichts ist zu sehen vom Turm, allein das Zifferblatt haben die Handwerker ausgespart. Und die Uhr zeigt drei Minuten vor eins. Da muß doch gleich? Der Zeiger rückt vor, noch eine Minute, jetzt gleich legt er los, nur noch ein paar Sekunden, jetzt ist der Zeiger schon rechts vom Strich … oh nein, sie haben den fürs britische Lebensgefühl so sakrosankten Big Ben Glockenschlag abgestellt! Unfaßbar!

Ein wenig enttäuscht lenken wir unsere Schritte zum Trafalgar Square, wo uns die National Gallery mit ihren Bilderschätzen erwartet. Was gibt es da nicht alles an berühmter Malerei zu sehen: Turner, Constable, Monet, Cézanne, van Gogh und wie sie alle heißen. Völlig geplättet laufen wir anschließend noch hinüber zur Kirche St. Martin in the Fields, die vor allem durch ihr Akademie-Orchester weltbekannt ist. Von drinnen erklingen Fragmente aus dem Concierto de Aranjuez von Joaquín Rodrigo. Wir nehmen in einer Krchenbank Platz und hören der Probe eine ganze Weile zu. Es ist zwar nicht das hauseigene Orchester, aber trotzdem ein Hörgenuß – zumindest so lange der Dirigent nicht abwinkt, was er aber des öfteren tut.

Rund um den Trafalgar Square streifen wir noch das berühmte Coliseum Theatre sowie das Chinatown-Viertel, dann geht es für heute via Tube zurück ins Hotel.

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