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Felsmalereien

Mit klammen Fingern versuchen wir Käse auf Brotscheiben zu praktizieren, denn heute ist Picknick an einem besonderen Ort angesagt: in der Gegend gibt es Felsmalereien von Buschmännern. Die Straße dorthin erweist sich als abenteuerlich, die Landschaft als spektakulär. Schottland in trocken. Und aus dem Anhänger tropft Milch. Fluchend wird die Bordküche wieder in einen für unbefestigte Pisten tauglichen Zustand versetzt.

Die Felswände mit den jahrhundertealten Bildern von Menschen und Tieren säumen ein Tal, das dicht mit Gestrüpp bestanden ist, der Wanderweg führt mal zwischen ihnen hindurch und mal über die bizarr geformten Felsen. Und dann stehen wir endlich vor der ersten ockerfarbenen Zeichnungen. Schlanke Menschengestalten sind da zu sehen, jagdbare Tiere, Jäger mit Pfeil und Bogen, Frauen mit ausgeprägten Hüften und Schenkeln, Hände. Und da: ist das nicht unverkennbar ein Elefant? Es gibt in dieser Region Afrikas schon lange keine Elefanten mehr. Auch keine Zedern, obwohl das Gebirge nach ihnen benannt ist. Eine Baumart ist für immer von der Erde verschwunden, für Telegrafenmasten.

Auf dem heutigen Campingplatz hilft auch keine Webervogel-Strategie, es gibt in den Duschkabinen schlicht überhaupt keine Haken. Auch keine Türschlösser. Immerhin liegt der Platz romantisch an einem See, über dem das Kreuz des Südens glänzt. Aber so spektakulär wie über der Kalahari war der Himmel nie wieder.

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Wasserfall ohne Wasser

Die Nächte im Namaqualand sind kühl um diese Jahreszeit. Man könnte auch sagen, sie sind so kalt, daß die klammen Finger kaum den Frühstücksteller halten können. Zum Glück haben die Affen genug Kaffeepulver übrig gelassen, so ein Heißgetränk wärmt von innen wie von außen.

Eine Paßstraße führt vom Tiefland hinauf in die Bokkafeld-Berge, von wo man einen wunderschönen Ausblick hat. Es ist so trocken wie seit 47 Jahren nicht mehr. Das läßt für den Wasserfall nichts Gutes erwarten. Tatsächlich liegt er vollkommen trocken. Aber die Steine sind malerisch rot, und es blühen ein paar Sukkulenten ringsum.

Erheblich mehr Blütenpracht entfaltet sich am Rande der Straße, wo Tausende von Namaqualand-Daisies ihre Blütenköpfe der Sonne entgegen strecken. Schon bald erreichen wir die Schaffarm, wo wir heute zu Abend essen werden. Die Gegend ist so einsam, daß es Strom nur aus dem Generator gibt. Die Webervögelmännchen im Baum nebenan führen den Weibchen ihre Nester vor – und ihr Federkleid.

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Wildblumenblüte

Auf einem Campingplatz duschen heißt von den Webervögeln lernen, alles muß an einen einzigen Haken: Kulturtasche, frische Wäsche, gebrauchte Wäsche, Handtuch. Denn der Boden ist tabu, weil naß. Allein die Schuhe stehen draußen und künden, daß die Kabine besetzt ist, denn die Tür hat kein Schloß. Frisch geduscht gilt es dann, auf einem Bein stehend das jeweils andere sauber, trocken und bestrumpft wieder in den zugehörigen Schuh zu praktizieren. Fertig. Moment, das Duschgel steht noch drinnen.

Auch wenn sie heuer etwas spärlicher ausfällt, ist die Wildblumenblüte im Namaqualand dennoch faszinierend: Millionen kleiner Kap-Daisies verwandeln jede freie Fläche in einen orangefarbenen Teppich. Und zwischen ihnen sorgen andere Arten für Farbtupfer in blau, gelb, rot oder violett. Stundenlang wandern wir durch die faszinierende Landschaft und entdecken immer neue Arten.

Auf dem Weg zurück zum rollenden Hotel stoppt der Bus noch beim größten Supermarkt der Region. Hier ist heute die Hölle los, fünf Minuten einkaufen und dann eine halbe Stunde in der Kassenschlange stehen.

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Namaqualand

In Südafrika fährt man auf der richtigen Straßenseite. Also links. Das Straßennetz ist bemerkenswert gut ausgebaut. Außer in den Nationalparks, versteht sich. Deshalb fahren wir ja auch mit dem Allradbus. Das Hotel befindet sich im Anhänger. Auf den Überlandstrecken sind wir ein Gespann von beachtlichen 22 Metern Länge. Und während der Tagesausflüge bleibt das Hotel auf dem Campingplatz. Natürlich ist es kein richtiges Hotel, denn die „Zimmer“ sind nicht größer als ein schmales Bett oder Doppelbett, wenn man zu zweit ist. Aufrecht sitzen geht gerade noch. Und die Kleiderstange ist draußen auf dem Gang. Viele Zugeständnisse zwar, aber dafür kann man eben an Orten nächtigen, wo es keine Hotels gibt. Und auch keine Reisegruppen.

Heute sind wir in Springbok. Das ist die Hauptstadt des Landes, wo Ende August die Wüste blüht. Wenn sie denn blüht. Die zurückliegenden Jahre waren extrem niederschlagsarm, und auch in diesem Winter (wir sind auf der Südhalbkugel!) hat es noch keinen Tropfen geregnet. Entsprechend spärlich fällt die Pracht aus. Und dennoch ist sie faszinierend: mitten im steinernen Ödland finden wir Blüten in allen Größen, Farben und Formen.

Der Campingplatz hat eine Münz-Waschmaschine. Man braucht 5 Zwei-Rand-Münzen und eine Ein-Rand-Münze, um sie freundlich zu stimmen. Auch freut sie sich über eine Extragabe Wasser aus dem Schlauch. Auch der Trockner liebt passende Coins über alles. Nach einer Stunde ist alles schrankfertig. Ach so, wir haben ja gar keinen Schrank.

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Affen und Giraffen

Für heute ist Wandern angesagt. Der Klipschliefer Trail, benannt nach den putzigen Tieren, die wir gestern schon bei den Falls beobachtet haben, führt zunächst am Rande der Schlucht entlang. Wenn man zur Rechten einen senkrechten Abhang hat und sich zur Linken ein ebensolcher hinzu gesellt, ist man auf einem Weg, der früher oder später auf einer Felsnase endet. Hier heißt diese Stelle Arrow Point, und man kann zwischen den steilen Granitformationen einen schönen Wasserfall beobachten. Dann geht es ein Stück des Weges zurück und auf abenteuerlichen Pfaden, die auch den einen oder anderen Bach queren, hinüber zum Moon Rock, das ist ein glatter runder Granitrücken von beachtlicher Größe. Von oben hat man einen herrlichen Ausblick auf die eigenwillige Landschaft. Der Pavian, an dem unser Troß wenig später vorbei wandert, beobachtet lieber uns buntfellige Primaten mit den merkwürdigen Gegenständen, die wir uns vors Gesicht halten.

In der Lodge herrscht bei unserem Eintreffen Affen-Alarm. Die eigentlich recht hübschen, aber enorm aufdringlichen Meerkatzen haben unter der Plane der Camping-Küche Beute gemacht und sich damit in die Bäume geflüchtet, aus denen alsbald Kaffee- und Milchpulver auf uns herunter rieseln. Das letztere erfreut einen Schwarm Spatzen, der es geduldig aufpickt.

Es scheint ungeschriebenes Gesetz zu sein, daß in einem Naturreservat alle Tiere mit demselben Buchstaben beginnen wie der Park. Hier im Augrabies sehen wir Affen und Ameisen, auf der Safaritour durch die eigentümliche Landschaft dann Antilopen, Agamen, Adler und kurz vor Sonnenuntergang … eine Giraffe. Ganz sicher handelt es sich um eine Abendgiraffe.

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Oranje-Wasserfall

Die Stunde nach Sonnenaufgang ist die schönste des Tages. Nicht nur wegen der tiefroten afrikanischen Sonnenaufgänge. Oder dem heißen Camping-Kaffee. Nein, es ist das Erwachen der Natur ringsum, die angenehme Wärme, die Aufgewecktheit der Tierwelt, die sich noch nicht in den Schatten flüchten muß. Ein Tukan mit mächtigem Schnabel setzt sich in Positur. Der Grund ist schnell erkannt: er erhofft sich ein paar Schnäppchen vom Rotel-Frühstück.

Heute fahren wir von Moloko über Upington in den Augrebies Falls National Park, wo wir am Nachmittag eintreffen, gerade noch rechtzeitig, um die berühmten Wasserfälle noch im Sonnenschein zu erleben. Die Gischt zaubert ein Stück Regenbogen in die enge Schlucht, die der Oranje-Fluß hier in den harten Granit geschnitten hat. Im Licht der sinkenden Sonne sind die Felsformationen besonders eindrucksvoll.

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Antilopen!

Die Fahrt durch die Kalahari gleicht einer Schiffspassage, es geht entweder quer zur Dünung, also immer bergauf und bergab, oder eines der kleinen, mit fahlem Gras und vereinzelten Büschen bestandenen Tälchen entlang. Da, eine Oryx-Antilope! Und noch eine. Und das mit den gedrehten Hörnern ist eine Kuh-Antilope. Oder doch ein Springbock? Nein, der Springbock ist das leichte, gazellenartige Tier mit dem beigen Rücken und dem eleganten schwarzen Rallyestreifen. Es gibt auch Gnus und diverse Vögel, allen voran der elegant dahin schreitende Sekretär. Und dann die Strauße! Ein paar Jungvögel liegen geduckt im Gras, man sieht nur die Hälse der neugierigen Racker. Erst als der gefährliche rote Bus die Szenerie wieder verläßt, dürfen sie aufstehen und sich den Sand aus dem Gefieder schütteln. Gegen Ende der Safari entdecken wir noch einen Schwarm Aasgeier, die sich um irgend eine Beute streiten. Die Geschichte ihres Todeskampfes ist direkt neben der Schotterstraße in den Boden geschrieben. Es sind Löwenspuren dabei.

Der Tag begann mit einer wunderschönen Morgenstimmung. Die aufgehende Sonne vertrieb rasch die Kälte. Auch hier auf dem Moloko Campground konnten wir erneut einen phantastischen Sternhimmel bewundern. Es ist tatsächlich das Kreuz des Südens. Und noch nie haben wir die Milchstraße so klar gesehen wie hier.

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Buschland

Die San, die wir als Buschmänner kennen, sind freundliche und sympathische Menschen, die in der Kalahari leben. Lange Zeit waren sie entrechtet, heute gehört ihnen das Land wieder. Natürlich leben sie nicht mehr ihre traditionelle Lebensform, aber sie können uns ein Stück weit durch die Savanne führen, die Spuren der Tiere erklären und ihre Methoden, sie zu erlegen. Wir dürfen von einer Frucht probieren, die wie Melone aussieht, nach Gurke schmeckt und Kerne hat wie ein Kürbis. Und wir bekommen ein Wasserversteck gezeigt, das ist ein Straußenei, das der Jäger zuvor gefüllt und eingegraben hat.

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Kaltes Afrika

32 Leute und ein Pferd stehen hungrig und frierend um 5 Tische herum. Ein Pferd? Ja, es gehört zum Campground von Bloemfontain und hat sich schon heute nacht mehrfach bemerkbar gemacht. Davon abgesehen ist unser Kabinchen gemütlich und praktisch. Im Grunde genommen ist Rotel ja eine Campingreise, und so läßt es sich auch an: keine Heizung, Gepäck im Auto, Waschen im Hüttchen, Essen im Freien mit nachfolgendem Abspülen. Danach wird alles abgebaut und verstaut, und wir starten zur Tagesetappe.

Das Städtchen Kimberley ist vor allem durch das interessant, was nicht mehr da ist: der Abbau des diamanthaltigen Kimberlit-Gesteins hinterließ hier das größte von Menschenhand, also mit Pickeln und Schaufeln gegrabene Loch. Unglaubliche 14 Millionen Karat wurden hier im Laufe von Jahrzehnten aus dem Boden geholt, das sind mehr als zweienhalb Tonnen. Im Museum sind, streng bewacht, verschiedene Typen und Formen ausgestellt, dazu Nachbildungen berühmter Funde wie der Kohinoor oder der Stern von Afrika.

Eine längere Fahrt durch eine eher einförmige, von Gras und Büschen bestandene Landschaft bringt uns an das Ufer des Oranje-Flusses, wo wir das Rollende Hotel aufbauen. Duschen, Abendessen, den Abend genießen.

Der Sternhimmel sieht fremd aus. Ein paar Schritte abseits der Laternen zeigt sich die Milchstraße in ihrer vollen Pracht. Und bei dem Sternbild mit den vier markanten Sternen könnte es sich um das Kreuz des Südens handeln.

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Platzverhältnisse

„Hienohemand hugehiegen?“ Der Zugbegleiter im ICE nach Frankfurt hat einen Sprachfehler. Und dem Zug fehlt auch etwas, nämlich der Wagen mit unseren reservierten Plätzen. Deshalb müssen wir auf dem Gang stehen.

Alles andere klappt reibungslos. Nichts fehlt. Nur die Reiseleiterin, die uns und die anderen 30 Gäste in Johannesburg in Empfang hätte nehmen sollen. Wir stellen uns einfach zu ein paar anderen Leuten mit Rotel-Kofferanhängern. Und dann kommt sie auch schon. Elke heißt sie, und der Fahrer Fredy.

In Afrika ist es warm und sonnig? Letzteres ja, aber es hat knapp über null Grad, und für die kommende Nacht müssen wir sogar mit Frost rechnen.

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