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Enten, Adler, Huflattiche

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Der Christlessee friert nie zu, auch im Winter nicht. Auf dem See tummelt sich ein Entenpaar, aber es gibt Zoff, denn auf das Revier erhebt bereits ein anderer Anspruch. Als die Konkurrenz verjagt ist, nähern sich seine Liebste und er erwartungsvoll den Menschen am Ufer, aber die Kleinkinder werfen Steine nach ihnen und finden das lustig. Und ihren Eltern gefällt, daß die lieben Kleinen so etwas lustig finden.

Wir stärken uns mit einem ausgezeichneten Apfelstrudel im nahen Gasthaus, denn vor uns liegt ein einstündiger Anstieg hinauf zur Siedlung Gerstruben. Die alten Holzhäuser sind noch weitgehend in dem Zustand, in dem sie Ende des 19. Jahrhunderts verlassen wurden. Eines von ihnen ist als Museum eingerichtet, aber es hat nur samstags für ein paar Stunden geöffnet, und so bleiben uns und den paar anderen versprengten Wanderern nur ein paar neugierige Blicke durch die geschlossenen Fenster.

Hier oben auf 1.150 Meter Meereshöhe herrscht noch tiefster Winter, was den Berggipfeln ringsum ein imposantes Aussehen verleiht.

Der Rückweg offenbart ein Erlebnis der besonderen Art: wo heute früh noch eine geschlossene Schneedecke lag, grüßen nun die Blüten von Schneeheide, Anemone, Wiesenkrokus und Huflattich.

P.S.: nun habe ich doch glatt den Adler vergessen. Der kreiste über unserem Tisch und wurde wenig später in Begleitung seiner Adlerin noch einmal gesehen.

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Schnee und Blumen im Oytal

Wer sagt, daß einem traumhaft schönen Tag mit Neuschnee und blauem Himmel nicht noch ein zweiter folgen könnte? Erneut hat es nachts geschneit, erneut lacht morgens die Sonne von einem blauen Himmel. Und sie lacht so kräftig, daß schon bald der Schnee von den Zweigen verschwindet und wenig später auch von den Wiesen, wie die beiden Bilder zeigen – sie sind mit 3 Stunden Zeitunterschied von exakt derselben Stelle aus aufgenommen.

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Nimmt man den oberen Weg ins Oytal, hat man zunächst für einige Zeit die Talschlüsse von Trettach und Stillach vor Augen, dann wendet der Weg sich nach Osten, das Tal wird enger, und schon bald sieht man den anderen Weg, der im Talgrund verläuft. Wo beide sich schließlich treffen, weitet sich wenig später der Talkessel, und das von einer Allee begleitete Sträßchen endet am Oytalhaus. Wir genießen ein Weilchen den Blick auf die verschneiten Felswände, dann wenden wir uns wieder talwärts.

Mit zwischenzeitlich schneebefreiten Südhängen hatten wir schon gerechnet. Nicht aber mit all den Farbtupfern, die unter der Schneedecke ausgeharrt hatten: Schneeheide, Veilchen, Hahnenfuß und viele andere erfreuen sich mit uns am Sonnenschein.

Was für ein schöner Tag, mit einem ebenso schönen Ausklang.

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Von den Kapellen zum Moorsee

P1100263 2Die Oberstdorfer pflegen in einer der Lorettokapellen einen Brauch, den man eigentlich nur aus dem Tirolischen kennt: am Karfreitag wird vor dem Altar eine Kulisse errichtet und darin ein Christus aufgebahrt, der dann am Ostersonntag – erwartungsgemäß – verschwunden ist. An seiner statt liegen weiße Tücher aufgestapelt. Aber auch ohne dieses Extra sind die drei verschieden großen barocken Kapellen eine Besichtigung wert.

Spirituell bereichert steigen wir anschließend den Weg hinauf, der zum Moorbad und dem Moorsee führt. Das Oberstdorfer Moor befindet sich nämlich auf einem Bergrücken. An Badebetrieb zu denken fällt um diese Jahreszeit natürlich schwer, und auch der See läßt bestenfalls erahnen, wie romantisch es an seinen Ufern schon bald wieder zugehen mag. Wir laufen und laufen und erreichen schließlich ein Sträßchen, das uns auf einem anderen Weg wieder zurückbringt in den Ort.

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Die Geschichte Oberstdorfs


Das Heimatmuseum befindet sich in einem alten Oberstdorfer Haus von 1620. Der Dielenfußboden knarzt unter den Füßen, denn er ist im Original erhalten, genau wie die Wände und Decke der Guten Stube. Ein Stubenofen, der von der Diele aus befeuert wurde und auch noch das angrenzende Schlafzimmer wärmte, verbreitet Behaglichkeit. Es gibt einen Herrgottswinkel und – eine Schusterwerkstatt. Denn alle Kleinbauern übten typischerweise auch noch ein Handwerk aus. Und zwar zuhause in der warmen Stube. Was fürs Spinnen und Weben gut gehen mag, erscheint mir bei der Schusterwerkstatt mit ihrem typisch-penetranten Geruch irgendwie unvorstellbar.

Auch die anderen dörflichen Handwerke sind mit ihren typischen Werkstätten im Heimatmuseum vertreten, es gibt eine Drechslerei, eine Nagelschmiede, eine Webstube, eine Sennerei, ja sogar eine Schnapsbrennerei für den berühmten Enzian. Eine große Abteilung beschäftigt sich mit Brauchtum und Tracht, eine mit Wild und Jagd, eine mit dem Tourismus und eine weitere mit dem Wintersport. Auch die Feuerwehr kommt nicht zu kurz. Das alles erstreckt sich über 38 Räume auf 3 Etagen. Zwei Stunden vergehen wie im Flug, und selbst dann hat man das meiste nur oberflächlich gesehen.

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Karfreitag im Schnee

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Wer sagt, daß das Oberallgäu ein Regen- oder Schneeloch ist? Zumindest am diesjährigen Karfreitag hätten wir uns keinen besseren Ort aussuchen können als diesen. Denn auf Regen und Schnee, von dem es in der Karwoche mehr als genug gab – Stichwort Niklas – folgte ein Tag, wie es im Jahreslauf nur wenige gibt: frisch gefallener Schnee auf den Zweigen, ein Panorama schroffer Gipfel im Winterkleid, und darüber ein strahlend blauer Himmel, von dem die Sonne lacht.

Vom Quartier „Heides Hüs” geht es hinaus in den Wiesengrund, vorbei an verschneiten Vorgärten, die in diesem Jahr schon einmal grün waren. Die Sonne läßt Nebel aus den Wiesen steigen, während wir zwischen den Heuhütten entlang wandern und schließlich ein Waldstück betreten, wo das sich von den Zweigen lösende Eis immer wieder für kleine Hagelschauer sorgt. Aber es ist nur ein kurzes Stück, dann weitet sich der Blick, und wir stehen vor einer der größten Skisprungschanzen der Welt.

Bei diesem strahlenden Wetter wäre es eine Sünde, hier schon umzukehren, und so laufen wir noch hinauf nach Schwand, um das Alpenpanorama zu genießen. Der Weg durch den Wald bis zum Freibergsee ist uns dann aber doch zu ungemütlich, denn es tropft inzwischen recht intensiv von den Bäumen. Und als wir schließlich ins Tal zurück kehren, hat sich der Zauber weitgehend aufgelöst, und auch der blaue Himmel hat einem trüben Grau Platz gemacht.

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Franz Marc und August Macke

Die beiden Künstler waren Freunde. Und so lautet denn auch der Untertitel der Ausstellung: „Eine Künstlerfreundschaft”. Gezeigt wird sie im Münchner Kunstbau, einem ganz besonderen Museum, das nur über das Zwischengeschoß des U-Bahnhofs „Königsplatz” zu erreichen ist. Architektonisch gesehen ist es der Raum zwischen Bahnsteig und Straßenoberfläche, der normalerweise einfach wieder verfüllt wird. Hier in München sieht man von den Rolltreppen aus durch ein großes Schaufenster hinein. Oder aber, man holt sich im nahen Lenbachhaus ein Ticket, welches einem vom Verteilergeschoß her den Zutritt ermöglicht.

Hier hängen sie nun nebeneinander, die bunten Straßenszenen des Rheinländers August Macke und dazwischen Franz Marcs gleichermaßen farbenfrohe Tiere. Eine gelbe Kuh. Ein blaues Pferd. Rehe in verschiedenen Farben, die irgendwie an die Heilige Familie erinnern. Die Farben sind bewußt gewählt: blau, die Farbe des Himmels, steht für das männliche Prinzip, die Sonnenfarbe gelb für das weibliche.

Die beiden Künstler besuchten sich gegenseitig, tauschten sich aus, inspirierten einander – und blieben doch ein jeder seinem eigenen Stil treu. Leider verbindet sie auch ein allzu früher Tod auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs.

In der Ausstellung wird mit vielen Besuchern gerechnet, deshalb gibt es Tickets mit Zeitfenster. Ganz so schlimm war der Andrang dann aber doch nicht, anscheinend muß sich die Ausstellung erst herumsprechen. Wir beide waren jedenfalls begeistert.

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Auch vom Lenbachhaus, dessen Ausstellungsgebäude der Kunstbau ist. Das Haupthaus ist ein Schlößchen aus der Zeit, in der in Bayern ein Prinzregent das Sagen hatte. Seinen Weltruhm verdankt es der einmaligen Sammlung von Werken des „Blauen Reiter”, einer Vereinigung von Künstlern, der eben auch Franz Marc und August Macke angehörten.

Im Garten, der sich zwischen die beiden Flügel des Gebäudes schmiegt, liegt noch Schnee, die Brunnen sind abgedeckt, aber in den Blumenrabatten zeigen sich erste grüne Spitzen.

Ganz nebenbei bemerkt, waren wir heute auch im OEZ, dem „Olympia Einkaufszentrum”, und in der beeindruckenden BMW Welt. Bleibenden Eindruck hinterließ auch das winterlich verzauberte Altmühltal vor den Zugfenstern. Alles in allem also ein sehr gelungener Tag.

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Vom Saurier zum Raumschiff

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In Altdorf unweit von Nürnberg studierten berühmte Kriegsherren, Philosophen, Literaten, Historiker, Mediziner und Baumeister. Moment mal, hat Altdorf mit gerade mal 15.000 Einwohnern denn eine Universität? Nicht mehr, denn sie fiel anno 1809 an das Königreich Bayern und wurde von König Maximilian I. aufgelöst.

Die „Altdorfina” ist daher heute ein kleines aber feines Museum mit ausgewählten Exponaten und Inszenierungen, die den damaligen Lehrbetrieb anschaulich machen. Es gibt Möbel, Bücher, ein kleines Alchimielabor, einen Karzer samt darin einsitzendem Studenten und im Hinterhof einen Heilkräutergarten.IMG_0498Als wahre Fundgrube erweist sich die paläontologische Abteilung mit dem frei präparierten Fischsaurier und dem „Altdorfer Marmor”, das sind polierte Steinplatten mit zahlreichen angeschliffenen Versteinerungen.

Die Marktgemeinde Feucht, ein paar Kilometer weiter und nur wenig kleiner als Altdorf, kann sogar mit zwei interessanten Museen aufwarten. Nur einen Steinwurf voneinander entfernt, beschäftigt sich das eine mit Raketen und Raumfahrt, das andere mit Imkerei.

Der Raumfahrtpionier Hermann Oberth entwickelte die Grundlagen für die erste Generation von deutschen Raketentechnikern und Raumfahrtpionieren: Wernher von Braun, Eugen Sänger und andere. Im Museum finden sich zahlreiche Raketenmodelle sowie die komplexe Antriebseinheit einer V2.

IMG_0383Im Bienenenmuseum nebenan geht es weit weniger technisch zu, von den diversen Honigschleudern einmal abgesehen. Aber wer hätte gedacht, daß es so viele Typen von Bienenkörben gibt?

Der ausgedehnte Nürnberger Reichswald lieferte die Grundlagen der Zeidlerei, und diese wiederum die Grundlage für die Nürnberger Lebkuchen. So ergibt sich eines aus dem anderen.

Alles in allem ein wunderschöner Sonntag, der schon draußen in Kalchreuth einen guten Auftakt hatte, denn der elterliche Ziergarten steht in voller sommerlicher Pracht.

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Ausflug in die Löhe-Zeit

IMG_0356Das Baldachinbett stammt aus dem Jahr 1855, der Schrank daneben wurde offenbar erst 5 Jahre später fertig, kein Wunder bei der liebevollen Bemalung und dem harten Leben auf dem Land. So hart, daß etliche Familien nach Amerika auswanderten und heute in Michigan leben, von Wilhelm Löhe (1808-1872) im Geiste des Neuluthertums seelsorgerisch betreut. Im Museum gibt es auch eine Knechtskammer, direkt unter den Dachziegeln. Was muß das im Winter kalt und zugig gewesen sein.

Es ist nicht das erste Museum, das wir heute besuchen. Der Sonntagnachmittag ist zwar eine gute und praktische Zeit, aber wenn man sich zwei oder drei Museen vorgenommen hat, kann es terminlich schon etwas eng werden. Vom Museumshof Roßtal zum Beispiel sahen wir nur, was der Name andeutet: den Hof. Sehr ausgiebig hingegen widmeten wir uns dem Heilsbronner Museum „Vom Kloster zur Stadt” mit seiner ansprechenden Inszenierung. Dem himmlischen Thema angemessen befindet es sich ganz oben im Dachgeschoß des Konventhauses.

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Auf Museumstour im Steigerwald

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Was hier so frisch, ja beinahe appetitlich aussieht, sind Millionen Jahre alte versteinerte Araukarien-Früchte. Wir entdeckten sie im Museum des kürzlich verstorbenen Fossiliensammlers Hans Klein. Auf engstem Raum sind dort bemerkenswerte Raritäten versammelt, teils aus dem Fränkischen, teils von anderen Kontinenten wie etwa dem Petrified Forest in den USA.

Beinahe hätten wir das Museum nicht gefunden, denn die in älteren Verzeichnissen eingetragene Hauptstraße wurde nicht nur umbenannt, sondern das Städtchen ist durch Eingemeindung zu einer neuen Hauptstraße gekommen, so daß das Navi den interessierten Besucher zielstrebig zum falschen Haus führt. Gut, daß wir so hartnäckig geblieben sind. Prichsenstadt ist übrigens auch als städtebauliches Ensemble durchaus sehenswert.

Heute morgen besuchten wir schon das Stadtmuseum in Schlüsselfeld mit seiner „Steigerwald-Hangmaus”, deren bergseitige Füße angeblich kürzer sind als die talseitigen. Man darf eben nicht alles glauben.

Für den späten Nachmittag steht noch ein Museum auf dem Programm, das auch nicht ganz leicht zu finden ist, denn es befindet sich … in der Vollzugsanstalt, auf deutsch Gefängnis. Um Strafvollzug geht es in der Ausstellung jedoch nur ganz am Rande, eigentliche Attraktion des Museums sind die Räume selbst, denn das Gefängnis war früher ein Kloster und das Museum die Wohnung des Abtes. Mit barockem Hausaltar.

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Geklöppeltes und Gewebtes

P1070041Der heutige Ausflug in die Welt der Museen abseits der Metropolen führt nach Roth und Abenberg – und zwar mit dem Linienbus. Der startet direkt an der S-Bahn Endhaltestelle in Roth und bringt den museumsaffinen Ausflügler zunächst einmal in die malerische Altstadt von Abenberg. Das kleine Städtchen hat gerade einmal 5.500 Einwohner, kann aber mit zwei Museen und einer Burg aufwarten, die sich stolz die Krone des Rangaues nennt.

Oben angekommen gilt das Interesse nicht dem größeren Haus Fränkischer Geschichte, sondern dem kleineren Klöppelmuseum gegenüber. Dort ist in angenehmer Atmosphäre dargestellt, wie durch geduldiges Verdrehen und Verknüpfen vieler Dutzend Fäden schließlich ein Spitzendeckchen, eine Borte oder ein ganzes Kleid entsteht. Alles in Handarbeit, versteht sich.

Man darf in ländlichen Regionen die Abfahrt des Linienbusses nicht verpassen, und so ist etwas Eile angesagt, denn der nächste fährt sonntags erst drei Stunden später. Zweites und letztes Ziel meines Ausflugs in die mittelfränkische Textilwelt ist das Industriemuseum der Kreisstadt Roth.

Hier werden an meterhohen Maschinen bunte metallene Fäden zu allerlei Waren verarbeitet, die man Leonische nennt. Das Know-how ihrer Herstellung kam mit den vertriebenen Hugenotten aus dem französischen Lyon hierher.

Das maschinelle Heben und Senken, Drehen und Wickeln fasziniert, ich könnte stundenlang zusehen. Leider ruft aber ein privater Termin auch hier zur Eile, und vorbei am Bachlauf und einer blühenden Sommerwiese geht es hinauf zur wartenden S-Bahn, wobei das prächtige Schloß Ratibor links liegen bleiben muß. Ein guter Grund, noch einmal wiederzukommen.

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