Wasserwege

Venedig-Touristen sollten niemals das „Acqua Alta“ unterschätzen: man tritt nach einem ausgiebigen Besuch wieder vor die Tür des Museums – und steht vor einer Wasserfläche. Was nun? Wieder zurück ins Museum und ein paar weitere Stunden Gemälde und Skulpturen bewundern? Oder wie andere einfach Schuhe und Strümpfe auszeiehn und die Hosenbeine hochkrempeln? Clevere venezianische Einzelhändler, die Gummistiefel oder wasserdichte Plastik-Überschuhe im Angebot haben, dürfen sich heute über guten Umsatz freuen. Und der eine oder andere Tourist hält seine Füße gar mit Plastiktüten aus dem Supermarkt trocken.

Man kann auch einfach seine Pläne in Übereinstimmung mit den noch begehbaren Straßen und Plätzen bringen, und das heißt in diesem Fall: von der Academia wieder über die Brücke, und dann rechts ab zum Musikinstrumente-Museum, wo in einer ehemaligen Kirche bekannte und weniger bekannte Arten von Saiten- und Holzblasinstrumenten zum direkten Vergleich einladen. Auch eine Geigenbau-Werkstatt kann hier besichtigt werden. Und draußen steigt das Wasser und steigt und steigt.

Am Ende bleibt doch nichts anderes mehr übrig als einen Straßenverkäufer glücklich zu machen. Wenig später sieht man uns in Überschuhen durch beinahe knietiefes Wasser zurück zum Hotel waten, vorbei an zahllosen kleinen Läden, die ihre Eingangstür auf den unteren 50 Zentimetern mehr oder weniger wasserdicht verrammelt haben, und durch deren Schaufenster man Menschen hektisch schöpfen sieht.

Kann man unter diesen besonderen Umständen den Markusdom besichtigen? Man kann. Zwar steht der Eingangsbereich unter Wasser, und natürlich kommt man nur über Hochwasserstege hinein. Zum Ausgleich für die Mühe können wir einige der berühmten Mosaike gleich doppelt bewundern: einmal an der Decke und einmal als Spiegelung im Wasser.

Category: Allgemein, Venedig 2108
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