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Ein erlebnisreicher Seetag

An einem Seetag gibt es rings um das Schiff herum nichts als Wasser? Nein, das stimmt so nicht, zumindest nicht immer. Vom Achterdeck aus sind weit hinter uns noch die Berge von Puerto Rico auszumachen, während sich an der Backbordseite die Küste von Hispaniola, der nach Kuba zweitgrößten Antilleninsel, abzeichnet. Für unterhaltsame Fernblicke sorgen auch die dicken Quellwolken, aus denen sich hin und wieder graue Regenschauer ins Meer ergießen.

Unsere Reservierung für die Panoramalounge sieht auch heute wieder etwas seltsam aus: obwohl wir zwei Personen angemeldet hatten, ist wieder nur für eine Person reserviert. Da der MSC-Service uns ohnehin um Kontaktaufnahme gebeten hatte, klären wir beides unten an der Theke auf Deck 6, dem Deck mit der britischen Telefonzelle. Der erste Punkt ist eigentlich bereits abgehakt, es ging um den Krach neulich abends im Kabinenbereich, Stichwort „we are falling out of the bed!“. Soo viel Aufhebens um eine Kleinigkeit hätte es eigentlich gar nicht gebraucht, MSC ist hier sehr um das Wohl der Gäste bemüht. Und da wir nun schon einmal am Servicetresen stehen, können wir endlich das mit der App klären. Des Rätsels Lösung ist, dass auf meinem Smartphone noch die alte und inzwischen dysfunktionale Version istalliert ist und ich die mich betreffenden Reservierungen daher nicht sehen konnte. Sie waren aber vorhanden und sind nun dank des eingespielten Updates auch auffindbar.

Für tagsüber haben wir uns ein schattiges Plätzchen beim Leuchtturm auf Deck 20 gesucht. Das mediterrane Ambiente dieser Ecke rührt von der altrosa Bemalung der rückwärtigen Deckaufbauten und ihren blauen Fensterläden her, die aber ebenso wenig echt sind wie die Blumen in den davor gehängten Balkonkästen. Dergleichen kennen wir auch schon aus jenem Schiffsbereich, den sie „Botanic Garden“ nennen, obwohl auch dort jedes Blatt und jede Blüte künstlich ist. Und ebenso an den Tischen.

Auf dem Spiegeltischchen in unserer Kabine steht heute zu unserer größten Überraschung eine Flasche Prosecco samt Sektkübel und zwei Gläsern, dazu ein Tablett mit ein paar Canapés und eine Karte mit Dankesworten für unser Feedback und einer Enschuldigung für die Unannehmlichkeiten.

Auch die Speisekarte des Restaurants hat heute Überraschendes zu bieten: es gibt Schnecken. Und wir haben einen neuen Tischnachbarn. Er kommt aus San Francisco, wo er ein Weingut hat, und erweist sich als angenehmer Gesprächspartner, der seine Wortwahl geduldig unseren Englischkenntnissen angleicht.

Damit wir in der Lounge nicht wieder mit den letzten freien Plätzen vorlieb nehmen müssen, stellen wir uns heute rechtzeitig vor der noch verschlossenen Tür an. Und wir sind, obwohl es noch rund 45 Minuten bis zum Beginn der Whitney Houston Show hin ist, nicht die einzigen. Pünktlich eine halbe Stunde vor Beginn der Vorstellung öffnen sich die Türen. Ja, diesmal sitzen wir gut und haben auch bald je eine Piña Colada auf dem beleuchteten Tischchen stehen. Die nun folgende Show dauert zwar nicht sehr lange, lohnt die Mühe des Hingehens und Anstehens aber voll und ganz. Besonders gefällt uns, dass die Interpretin – sie heißt Elizabeth – für das Lied „Greatest Love of All“ alle anwesenden Kinder zu sich auf die Bühne bittet. Und zu „I Will Always Love You“, dem wohl berühmtesten Lied der 2012 verstorbenen Sängerin, dann auch die Erwachsenen.

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Land in Sicht!

Vor dem Panoramafenster des Buffetrestaurants zeigt sich heute erstaunlicherweise irgendein deutsches Mittelgebirge, unschwer zu erkennen an den unzähligen Windrädern. Andererseits ist da aber ein Meer zwischen uns und den Hügelketten. Nein, das ist nicht der Schwarzwald, das muss die Küste der Dominikanischen Republik sein. Ein Stück weiter in Fahrtrichtung kommt auch schon das Städtchen Puerto Plata in Sicht, wo auch bereits ein anderes Kreuzfahrtschiff vor Anker liegt. Wie es aussieht, will unser Kapitän rückwärts in die kleine Bucht einparken.

Die MSC World America ist, wenn sie gerade anlegt, 334 Meter breit, dafür jedoch nur 47 Meter lang. Und weil ihre Steuerdüsen bei dieser Seitwärtsfahrt eine ganze Menge Schlamm aufwirbeln, sieht das Wasser im Hafenbecken wie Milchkaffee aus. Kurze Zeit später ist das Schiff vertäut und zum Aussteigen freigegeben. Bitte aber nicht jeder, wie er will! Das muss schon geordnet zugehen, immerhin gibt es mehr als 20 verschiedene Ausflüge, die auch noch zu unterschiedlichen Zeiten starten. Im Schiffstheater werden die einzelnen Gruppen aufgerufen. Wir haben den Ausflug 29 gebucht und sind der Gruppe 27 zugeteilt. Oder anders herum? Wie dem auch sei, es ist nicht immer ganz klar, welches Nummernsystem gerade angesagt ist. Irgendwann stehen wir dann aber doch in der richtigen Gruppe und werden zum Fahrzeug geleitet. Unser Tourbus ist ein LKW, auf dessen Pritsche ein paar Sitzreihen und ein Dach montiert sind. Das letztere ist auch nötig, denn es hat leicht zu regnen begonnen, Tourguide Augustin und sein Fahrer rollen die Regenplanen herab, die aber zum Glück transparent sind.

Vamanos! Was sich für fränkische Ohren wie „Fahr’ ma los!“ anhört, ist spanisch und bedeutet tatsächlich „Los geht‘s“. Und wie es losgeht, denn die hiesigen Straßen sind holprig und der Lastwagen brummelig. Die Schutzplanen halten zwar den Regen ab, aber durch ein Rostloch im Dach tropft dennoch so viel Wasser herein, dass die Plane ebenso gut hätte offen bleiben können. Wir ändern kurzerhand die Sitzordnung.

Die Straße führt steil nach oben. Inzwischen hat der Regen aufgehört, und die Planen werden unter tatkräftiger Hilfe der Fahrgäste wieder hochgerollt. Unser Ziel ist die Teleferico, also die Seilbahnstation, für die wir eigens gelbe Armbänder angelegt bekommen haben. Aber wohin soll es denn noch hinaufgehen? Wir sind doch schon am Christo Redentor, der Gipfelstatue mit den ausgebreiteten Armen, angekommen! Des Rätsels Lösung: die Seilbahn ist zur Zeit außer Betrieb, aber wir dürfen die Gipfelstation betreten, um ein wenig die schöne Aussicht auf die Stadt zu genießen.

Zu Füßen der Christusfigur erstreckt sich ein botanischer Garten mit allerlei Pflanzen, die in der europäischen Heimat beliebte Zimmerpflanzen sind. Vor allem der gelbe Zimmerhopfen gedeiht hier mannshoch und in großer Zahl. Wir sehen tropische Nutzpflanzen, insbesondere den Kaffeestrauch, und sogar eine kleine rote Orchidee findet sich. Man darf hier oben übrigens keine Reptilien pflücken, keine Vögel ausgraben und auch keine Blumen fangen. Oder war‘s anders herum? Egal, wir fangen ohnehin nur schöne Fotos ein.

Die lange Fahrt zurück in die Altstadt führt uns um den gesamten Berg herum und dann noch ein gutes Stück an der beliebten Playa Dorada entlang. Sie endet im Unesco-geschützten Stadtzentrum, wo es eine schöne Kirche und zahllose Sovenirläden gibt. So ein Tourguide kann ja nicht vom Führen allein leben!

Die MSC World America ist wirklich ein gigantisch großes Schiff. Würde sie ihe menschliche Fracht in ihrem Heimathafen Valetta auf Malta absetzen, hätte dies eine glatte Verdoppelung der Einwohnerzahl zur Folge. Und will man wieder hinein, stellen sich einem gleich vier Kontrollen in den Weg: zunächst an der Einfahrt zum Hafengelände, dann am Beginn der Mole, ein weiteres Mal beim Betreten des Schiffes, und ganz zuletzt wird auch noch das Hangepäck durchleuchtet.

Nach so vielen Anstrengungen, wir mussten ja auch zweimal die schier endlosen Touristengeschäfte im Hafenbereich passieren, tut ein frisches Bier auf dem Promenadendeck gut. Oder ein Imbiß oben im Buffetrestaurant. Oder beides.

Zum Abendessen gibt es heute Schwertfisch. Und als Nachtisch Apple Strudel. Der ist zwar nicht ganz so perfekt wie in Wien, der Stadt der Apfelstrudelerfinder, aber was will man auch erwarten, hier auf nichteuropäischem Boden?

Sehen wir heute abend wieder eine Show? Ja. Und eine sehr laute noch dazu.

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Seetag auf der World America

Wenn man den Tag gerne mit einem Kaffee beginnt, begibt man sich am besten erst einmal hinauf ins Buffetrestaurant „Mercado” auf Deck 18 und sucht sich einen schönen Platz direkt an der verglasten Außenfront, wo der Blick bis zum Horizont reicht. Das heißt, eigentlich tut er das bei schönem Wetter ja immer, oder? Als Besonderheit kommt heute hinzu, dass sich dort ein schmaler Streifen Land abzeichnet, mit Bäumen, Hügeln und vereinzelt auch Häusern. Das sei Kuba, klärt uns ein aufmerksamer Kellner auf.

Unmittelbar neben dem Schiff ist ein Schwarm kleiner Seevögel unterwegs. Plötzlich sind sie alle weg, aber nur wenig später taucht ein weiterer Schwarm auf. Das sind doch keine Vögel?! Es gibt nur eine Erklärung: was wir da sehen sind fliegende Fische. Richtig gelesen, es gibt Fische, die uns das Beobachten sehr erleichtern, indem sie sich aus dem Wasser schnellen, ihre Flossen ausbreiten und ein Stück weit dahin segeln, ehe sie wieder in ihr eigentliches Element eintauchen. Paßt nur auf, dass Ihr unserem Kellner nicht begegnet: der weiß nämlich zu berichten, dass in seiner Heimat die ins Netz oder Boot geflogenen Fische getrocknet und dann gebraten werden.

Am Frühstücksbuffet gilt „All You Can Eat”, garniert mit dem dezenten Hinweis: „nehmen Sie sich so viel Sie wollen, aber essen Sie auch auf, was Sie sich nehmen“. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, aber bei manchen sind eben die Augen größer als der Magen.

Waren wir eigentlich schon ganz oben auf Deck 20? Also dort, wo die Rutschbahn beginnt, die unten auf dem Promenadendeck endet? Nein, waren wir nicht, aber das wollen wir heute ändern. Denn heute ist ein Seetag, und an Seetagen bleibt man den ganzen Tag über auf dem Schiff und muss sich also irgendwie beschäftigen.

Auf besagtem Deck gibt es nicht nur ein großes Haifischmaul, das den Einstieg zur Rutsche markiert, sondern auch weitere komplex verschlungene Rutschen, teils mit Wasserspülung, sowie steuerbordseitig einen Hochseilgarten, der gerade noch vom Schiffspersonal geprüft wird, sowie die Cliffhanger-Schaukel. Man kann hier oben aber auch gemütlich an kleinen Tischen sitzen und dem Treiben zuschauen. Einige Gäste scheinen den Zweck eines am Klettergurt befestigten Sicherungsseils nicht zu verstehen und halten sich an diesem fest, statt die Kletterhilfen zu nutzen – ganz wie ein Bergsteiger, der sich am Seil hochzieht statt am Felsen. Übrigens haben wir sogar Autoscooter mit an Bord, sie kreiseln gerade über die multifunktionale Sportfläche nebenan.

Achternschiffs gibt es eine Panorama-Lounge mit hoher Fensterfront, durch die man die Wirbel des Kielwassers betrachten kann – falls sie denn offen ist. Gestern war sie es nicht, sondern musste als Leinwand für das Bühnenbild der Queen Klassik-Rock-Show herhalten. Heute wiederum hat die zugehörige Bar noch geschlossen, so dass man recht trocken herumsitzt hier unten – die Zapfhähne befinden sich ein Deck weiter oben, wo man das Heckpanorama ganz ohne Scheiben genießen kann, dafür aber mit Reling.

Von hier aus gesehen befindet sich das Schiffstheater fast eine Schiffslänge weiter bugwärts. Wir hatten uns für die Dirty-Dancing-Show um 12:30 Uhr angemeldet, natürlich zu zweit, aber es ist nur eine der beiden Reservierungen im System. Daran ändert auch ein Stornieren und Neubuchen nichts. Die freundliche Dame an der MSC-Servicetheke verspricht, den Fehler an das Multimediateam weiterzureichen. Und siehe da, die Ticketkontrolle vor dem Theater läßt uns beide anstandslos passieren.

Was die Showtanztruppe an diesem Nachmittag auf die Bühne zaubert, hat echte Weltklasse und stellt sogar den in das zweistündige Programm integrierten Kinofilm in den Schatten, so überzeugend ersetzt die Livemusik den echten Soundtrack. Erhalten geblieben sind die gesprochenen Dialoge der Darsteller – natürlich unsynchronisiert, da wir uns ja im selben Sprachraum befinden wie Hollywood.

Von der Show existiert auch eine kürzere, nur aus den Musiknummern bestehende Version, sie steht auf dem heutigen Abendprogramm, und natürlich lassen wir uns auch die nicht entgehen. Nach dem Abendessen.

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Ein Transfertag

Der Weg zum warmen Wasser führt über das kalte. So könnte das Motto einer Atlantik-Schiffslinie lauten, es trifft aber auch auf die Duscharmaturen des Hyatt Hotels in Miami zu. Was hier nämlich auf den ersten Blick wie ein üblicher Zwei-Wege-Hebel aussieht, kennt ähnlich einem Uhrzeiger nur eine Drehrichtung: von der 6 (geschlossen) über die 3 (kalt) zur 9 (warm), eine Mengenregelung gibt es nicht.

Das Hotel hat seine besten Jahre bereits hinter sich, wie unschwer an den verschlissenen Sitzmöbeln des Frühstücksraumes zu erkennen ist. Aber es ist alles sehr sauber. Gegessen wird mit Einwegbesteck von Einwegtellern, und auch die Speisenauswahl ist alles andere als üppig. Aber es schmeckt, und das ist ja die Hauptsache. Bevor wir das Hotel verlassen, brauchen wir noch kurz die Hilfe des Rezeptionisten, denn wir müssen unsere papierenen MSC-Kofferbänder an die Koffer heften. Was heißt Kofferanhänger auf englisch? Suitcase Trailer! Und die Heftklammern heißen Staples. 

Wer sich zu einem Flughafen bringen läßt, will in der Regel irgendwohin wegfliegen. Aber keine Regel ohne Ausnahme: unser Ziel ist heute der Meeting Point für den Transfer zum MSC-Terminal. Aber wo sich dieser Treffpunkt befindet, wissen wir selber noch nicht so genau. Wie soll man da einem Uber-Fahrer ein Ziel vorgeben? Die App schlägt diverse Airlines vor, wir wählen einfach diejenige, die vom Terminal D fliegt, wo wir uns am Carousel #25 melden sollen.

Erfahrungsgemäß sind Uber-Fahrer nicht sonderlich erfreut, wenn der abreisende Gast auf eine andere Ebene gebracht werden will als der nachfolgende Fahrgast abgeholt. Sie müssen dann nämlich eine zeitraubende Ehrenrunde um den ganzen Flughafen drehen. Und so stehen wir wenig später vor den Abflugschaltern der American Airlines. Was meint die MSC denn nun mit Carousel #25? Zum Glück sind die meisten Amerikaner sehr hilfsbereit, und man schickt uns eine Ebene nach unten, zu den Kofferbändern. Ach so, die sind gemeint! Tatsächlich wartet gegenüber von Band 25 die MSC-Truppe auf ihre Transfergäste.

Zum Hafen dauert es mit dem Bus etwa eine halbe Stunde, mit dem ganzen Drumherum eine Stunde. Die Stadt scheint auf den ersten Blick nur aus Wolkenkratzern zu bestehen, zwischen denen vielspurige Highways verlaufen. Und sollten die letzteren nicht mehr ausreichen, baut man einfach eine zweite Ebene über die erste. Auf den zweiten Blick sehen wir aber auch viele kleine Häuser mit Gärten, die von einer weniger verbauten Epoche künden.

Das Kreuzfahrt-Terminal wurde eigens für die MSC World America gebaut und ist den gewaltigen Dimensionen des Schiffes angemessen. Unsere Boarding Time wäre eigentlich erst um 16 Uhr gewesen, aber wir dürfen auch um 11 Uhr schon aufs Schiff. Natürlich ist die Kabine 11532 noch nicht fertig, so dass wir erst einmal die verschiedenen Decks erkunden. Die Koffer haben wir beim Bus zurückgelassen, sie werden vom Personal an die jeweilige Kabinentür gebracht. Wie wir nun aber so das Schiff durchstreifen, sehen wir mit einem Mal irgendwo unsere beiden Koffer stehen. Die nehmen wir doch gleich mit! Der zuständige Steward wundert sich vermutlich noch immer, warum sie plötzlich nicht mehr da standen.

Im Restaurant wurde uns der Tisch 301 zugewiesen. Das ist glücklicherweise ein Fensterplatz. Während wir nun also leckere Shrimps, ein wunschgemäß durches Steak und als Nachtisch Ananas-Sorbet – das erste in meinem Leben – genießen, setzt sich draußen die Uferlandschaft in Bewegung. Aha, wir haben abgelegt!

Für unseren ersten Abend an Bord haben wir uns in die Vorstellung von Patricia Bernier eingebucht. Die schwarzhaarige Frankokanadierin schafft es zwar, eine perfekte Show abzuliefern, einige Mitreisende beschäftigen sich aber dennoch lieber mit ihren Smartphones oder unterhalten sich mit den Sitznachbarn. Es ist zum Fremdschämen. Zum Glück sind es keine Deutschen, von denen es ohnehin nur sehr wenige gibt auf dem Schiff.

Über den großen Teich

Ohne die lästigen Reisekoffer im Schlepptau könnte man vom Hotel Meininger auch direkt zum Flughafen laufen, genauer gesagt zum Terminal 2 jenseits der Autobahn. Gegen diese Idee spricht allerdings zum einen, dass wir ans Terminal 1 müssen, zum wichtigeren anderen aber, dass es in Strömen regnet: ein Pluspunkt also für den weitaus kürzeren Weg zur S-Bahn-Station, den wir ja schon kennen.

Englischsprachige Fahrgäste dürften vom Namen der Station etwas irritiert sein: was zum Teufel meinen die mit „Frankfurt am“, also vormittags? Und gibt es neben den „Main Gateway Gardens“, also den Hauptgärten, noch weitere? Wie dem auch sei, es ist eine recht praktische Anreisestrecke, da das Terminal nur eine Rolltreppe vom Bahnsteig des nächstfolgenden Haltepunkts der S8 entfernt liegt. Praktisch ist auch, dass wir an keinen Schalter mehr müssen, sondern direkt zum Bereich Z durchgehen können. Zuerst durch die Bordkarten-Kontrolle, dann durch die automatische Passkontrolle, und dann noch einmal durch die Ausreiseschleuse mit manueller Passkontrolle. Flugs stehen wir nun im Eingangsbereich der Sicherheitsschleuse und kommen auch sofort an die Reihe: „bitte legen Sie Ihr Gepäck in eine der Schalen“. Ja, wenn nur welche da wären! Das kann der freundliche Herr auf der anderen Seite des Rollbandes allerdings nicht sehen. Eine Minute später rollt das Handgepäck aber schon los, und auch wir werden wie üblich durchleuchtet. Alles gut. Und wo ist nun das Gate Z25? Irgendwo gaaanz weit hinten links: wer Lufthansa fliegt, bucht immer auch eine Wanderreise. Etwas Wegzehrung gefällig? Für eine gewöhnliche Laugenbreze wollen sie hier vier Euro zwanzig haben. Nein, da hungern wir doch lieber ein wenig.

Der zehnstündige Flug nach Miami verläuft recht angenehm, wenn man vom etwas träge reagierenden Entertainment-System absieht. Dafür sind die Stewardessen umso fixer, und auch die Auswahl an Bordgetränken kann sich sehen lassen: Bier, Wein, Sekt und andere harte Alkoholika, Bitter Lemon, Orangensaft, Tomatensaft – die Reihenfolge spielt keine Rolle. Dazu zwei warme Mahlzeiten nach dem Motto: lerne mit Messer und Gabel essen, ohne die Ellenbogen zu bewegen.

Wir sind einen Tag zu früh in Miami, denn der morgige Flug wäre zu spät gewesen, um noch rechtzeitig die Einschiffung zu erreichen. Immerhin liegen Flughafen und Hafen an den entgegengesetzten Enden einer Sechs-Millionen-Einwohner-Metropole. Um der relativ teuren Vorverlängerung des Reiseveranstalters zu entgehen, haben wir uns auf das Abenteuer einer Übernachtung auf eigene Faust eingelassen. Unsere Wahl fiel auf das Hyatt Place Miami Airport East. Aber wie erreicht man in einer amerikanischen Großstadt sein Hotel, wenn man kein Auto hat? Der Flughafen ist mit dem Regionalbahnhof über eine eigene Bahnstrecke verbunden, den „MIA-Mover“. Von dort könnte man dann den Bus mit der Nummer 36A nehmen und am Ende noch ein Stück weit zu Fuß gehen. Oder man kann am Ausgang des Fughafens eine der netten Damen mit dem MSC-Schild fragen. Fahren Sie einfach mit dem Lift zur Ebene 2 hinunter, und gehen Sie hinaus zu der Stelle, wo die Hotelshuttles abfahren. Wahrscheinlich müssen Sie aber ein Weilchen auf den Bus zum Hyatt East warten. Gesagt, getan. Als wir eine halbe Stunde später zwar die Namen aller umliegenden Hotels kennen, aber kein Hyatt dabei war, rufe ich das Hotel an. Wir haben keinen Shuttleservice, lautet die ebenso knappe wie klare Auskunft. Nehmen Sie sich am besten einen Uber! Ah, ja.

Die Uber App will von uns, dass wir Start und Ziel der Fahrt eingeben. Das Ziel ist ja klar, aber vor welchem Terminal stehen wir denn nun eigentlich? Es gibt deren mehrere und dazu noch zwei Ebenen, nämlich den Upper und den Lower Level. Nachdem wir einigermaßen über unseren Standort im Bilde sind, fahndet die App als nächstes nach einem Fahrer für uns. Und das dauert um diese Zeit und bei diesem Andrang ein wenig. Endlich meldet sich ein Achmed, und wir bekommen ein Bild des Fahrzeugs zugestellt, das da nun kommen soll, samt Typ, Farbe und Kennzeichen. Aber das steht hierzulande ja nur hinten am Auto. Noch 150 Meter, noch 10 Meter, und da rollt es auch schon heran. Die Kreditkarte kann bei diesem Service übrigens stecken bleiben und das Bargeld natürlich sowieso: der Betrag wird direkt über die App abgebucht. Ein wenig irritiert nimmt Achmed bei Fahrtende unsere drei Dollar Trinkgeld entgegen: andere Länder, andere Sitten.

Das Hyatt Hotel ist ein wenig anders als wir es von Europa gewohnt sind. Zum einen öffnet sich die Glastür am Eingang erst, nachdem man den Klingelknopf gedrückt hat. Zum anderen befindet sich die Rezeption ein Stockwerk höher. Dass wir für morgen ein Frühstück mitgebucht hatten, wußte ich gar nicht mehr und steht auch nicht in der Bestätigung. Dafür aber insgesamt 4 Erwachsene und drei Kinder. Aber das war wohl ein Systemfehler, denn ganz so groß ist das Zimmer nun auch wieder nicht.

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Formulare, Formulare

Jedes Land hat so seine Einreisebestimmungen. Will man zum Beispiel in die USA einreisen, darf man vorher kein Land bereist haben, das den Terrorismus unterstützt. Nach US-Auffassung gehört neuerdings auch Kuba zu diesen Staaten. Und wir waren auf Kuba. Das war zwar vor 2021, aber aus unerfindlichen Gründen greift das ESTA-Einreiseformular 10 Jahre weiter zurück und fragt sogar noch einmal ausdrücklich, ob man diesen Punkt wirklich mit ja beantworten will. Huch? Wird einem dann etwa die Einreise verweigert? In unseren Pässen hat die Kubareise keine Spuren hinterlassen, die sind nämlich neuer. Also verheimlichen? Wir fragen beim Reiseveranstalter nach, und der rät uns, lieber wahrheitsgemäß zu antworten. Banges Warten, dann die Erleichterung: „Welcome to the USA“.

Seltsame Fragen hält jedoch auch das Check-in der Lufthansa für uns bereit: wir sollen die Adresse unseres Reisezieles angeben. Zum Glück hat der Verfasser des Formulars mitgedacht und bietet als mögliche Antwort „Kreuzfahrtschiff“ an. Und die Postleitzahl? Hat ein Schiff eine Postleitzahl? Oder darf ich das Feld leer lassen? Nein, darf ich nicht: es ist ein Pflichtfeld. Soll unsere Reise etwa an so einer Kleinigkeit scheitern? Verzweifelt suche ich bei Wikipedia nach der Postleitzahl von Miami. Erwartungsgemäß gibt es davon mehr als nur eine. Vom Mut der Verzweiflung ergriffen schreibe ich 33xxx ins Feld, und siehe da, meine Eingabe wird akzeptiert.

Da wir von Frankfurt starten, haben wir einen „Zug zum Flug“: der ICE unserer Wahl fährt drei Minuten vor zwölf. Theoretisch. Wenn keine Personen im Gleis sind. Das kommt zwischen Nürnberg und Fürth alle paar Tage vor und bewirkt, dass wir unsere Heimatstadt erst eine Viertelstunde später verlassen. Halb so schlimm, wir haben ja Zeit, da wir wegen der relativ frühen Abflugzeit schon am Vortag anreisen.

Im Gegensatz zu uns hat unser Gepäck einen Fensterplatz – der Abteildesigner der DB hatte offenbar einen schlechten Tag. Und so bekommen wir von der schönen Frühlingslandschaft leider nur einen schmalen Ausschnitt zu sehen. Zum Ausgleich möchte man das Wenige aber durch allerlei Fortkommenshindernisse zumindest ein wenig in die Länge ziehen: mal fehlt es plötzlich am Betriebsstrom, weil ein anderer Zug die Oberleitung heruntergerissen hat, und der unsere gerade noch mit letzter Kraft in den Bahnhof Rohrbach einrollt. Der Schaden ist zwar schnell behoben, doch müssen wir nun aufgrund der Verspätung einem langsameren Regionalzug hinterher schleichen. Am Ende stehen 19 Minuten auf der Verspätungsuhr.

Da wir ja bereits für den Flug eingecheckt sind, können wir unsere Koffer einfach an einem der Drop-off Schalter abgeben, die es für Lufthansa-Gäste erfreulicherweise nicht nur direkt im Terminal, sondern auch bereits im Verbindungstrakt vom Fernbahnhof her gibt. Was aber früher die freundlichen Damen und Herren am Schalter erledigt haben, übernimmt der Fluggast heute selbst: Kofferanhänger ausdrucken, um den Koffergriff schlingen – an der langen Seite, schallt es von hinter der Kofferwaage hervor – zusammenkleben, den Koffer auf die besagte Waage wuchten und per Tastendruck bestätigen, dass sich keine gefährlichen Gegenstände darin befinden. Schon kann man sich erleichtert der S-Bahn zuwenden, denn das Hotel Meininger liegt eine Station weiter in fußläufiger Entfernung zum Bahnhof „Gateway Gardens”.

Allmählich meldet sich nun der Hunger zu Wort, ud so brechen wir gleich wieder auf, um von der Hotelmeile an den Hauptbahnhof zu fahren, wo die Versorgungslage deutlich besser ist. Asiatisch frisch gestärkt decken wir uns im Supermarkt gegenüber noch kurz mit Getränken ein, ehe wir nun endgültig das Nachtquartier beziehen.

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