Zuckerhut mit Mütze

Das Wetter sah gar nicht gut aus heute morgen. Allein die Temperatur überraschte: statt kalt und regnerisch war es warm und regnerisch. Aber die Fahrt mit der Zahnradbahn auf den Corcovado war gebucht, also fand sie auch statt. Die Christus-Statue war sogar ein paarmal zu sehen, während der Bus seinen Weg durch die Häuserschluchten nahm.

P1090312Wer hätte gedacht, daß die Zahnradbahn dort hinauf älter ist als die Statue selbst? Es gab sie schon, als der Corcovado noch ein gewöhnlicher Aussichtsberg war. Gewöhnlich? Nun ja, oben angekommen, haben wir keinen Blick für den Christus über unseren Köpfen, alle Aufmerksamkeit gilt dem Zuckerhut und seinem Wolkenschleier, der sich soeben so weit lüftet, daß das kleine Rechteck der Gipfelstation sichtbar wird.

Auch die anderen Gipfel ringsum sind von Wolken umspielt, sie bilden sich ständig neu und hängen wie Schleier an der windabgewandten Seite. Wo keine Wolken sind, erhaschen wir Tiefblicke auf das Häusermeer, auf die Copacabana, auf Ipanema und sein markantes Hippodrom, auf den Flughafen und die einschwebenden Flugzeuge, die fast die Häuser und den Zuckerhut zu streifen scheinen.

Satt gesehen treten wir nach dem Gipfelbesuch eine kleine Stadtrundfahrt an, die uns zunächst zum Strand von Ipanema führt, wo wir unseren Durst mit einer frisch aufgeschlagenen grünen Kokosnuß stillen. Vorbei am Lokal, wo das bekannte Lied „Garota de Ipanema” (The Girl from Ipanema) komponiert wurde, geht es schnurstracks ins Herz des Edelstein-Imperiums H.Stern. Natürlich hätten sie gerne, daß die Gäste aus Deutschland nach dem Museumsbesuch einen schön geschliffenen und in Gold gefaßten Aquamarin, Turmalin oder Amethyst erstehen oder auch eine Uhr im Wert einer Südamerika-Rundreise, aber wir vertrösten die freundliche Dame auf ein anderes Mal und versuchen in der uns verbliebenen Freizeit, den berühmten botanischen Garten von Rio zu Fuß zu erreichen. Der Weg sieht auch gar nicht weit aus, nur um den See herum und dann noch um das Hippodrom.

Abgekämpft erreichen wir nach einer Stunde den Eingang. Im Garten gibt es allerlei tropische Zimmerpflanzen, die hier im Freien gedeihen, ein Haus für Orchideen, eines für Bromelien und noch vieles mehr. Zum Beispiel lustige kleine Pinsel-Affchen. Doch auch wenn Herr Stern seine Kunden – einschließlich derer, die es werden sollen – kostenlos vom Firmensitz zum Hotel chauffieren läßt, ist doch der Weg zuerst wieder um das Hippodrom und dann wieder um den See herum ein recht mühseliger.

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