Oper vom Feinsten

Die Kirche San Maurizio wird auch „sixtinische Kapelle Mailands“ genannt. Von außen eher unscheinbar, bietet sie in ihrem Inneren einen einzigartigen Bilderreichtum, und das quasi doppelt, denn hat man die Motive der christlichen Heilsgeschichte an Decke und Wänden ausgiebig studiert, gelangt man durch eine kleine Tür in den hinteren Teil der Kirche, wo einen erneut Szenen aus dem Paradies und aus dem Leben Jesu erwarten: hier das letzte Abendmahl, dort der Zug der Tiere auf Noahs Arche, immer schön paarweise (womit wurden eigentlich die Löwen während der 40 Seetage gefüttert?), dazu die Gottesmutter mit Kind, den Verkündigungsengel mit obligatorischer Lilie und viele viele Heilige. Der Besuch kostet nichts, aber man darf natürlich spenden.

Um die Museen in der nahe gelegenen Festung besuchen zu können, heißt es hingegen erst einmal anstellen. Die einzige Kassenkraft muß neben dem Ticketverkauf auch beraten und organisieren, deshalb dauert es etwas, bis die vielen wißbegierigen Besucher an diesem verregneten Brückentag den labyrinthischen Festungsbau endlich betreten dürfen. Es geht zunächst durch bunt ausgemalte Säle mit allerlei Sammelgut, dann über eine Außentreppe hinauf in die Pinakothek, und zuletzt gilt es noch ein Treppchen zu überwinden, das gewisse Schwindelfreiheit voraussetzt, die dann oben mit einer schönen Instrumentesammlung honoriert wird.

Heute ist ein großer Tag, denn heute steht der Besuch einer Vorstellung in der berühmten Mailänder Scala auf dem Programm: das Ballett „Manon“ zur großartigen Musik von Jules Massenet. Ballett hat den großen Vorteil, daß nicht gesungen wird, man kann sich also viel besser auf den Ohrenschmaus und die schönen Kostüme der Darsteller konzentrieren.

Die Scala ist ein wenig anders als andere Opernhäuser. Man wird in seine Loge geleitet, vorher aber bekommt man noch seine Garderobe angewiesen. Immer zwei Logen teilen sich einen kleinen Raum, der dann während der Vorstellung abgeschlossen wird. Die Loge hat fünf Sitzplätze, zwei vorne, zwei in der zweiten Reihe und einer, nämlich meiner, in der dritten. Dort sitzt bereits eine ältere Dame, allerdings nur, weil sie ihren eigenen Platz ebenfalls fremdbesetzt vorgefunden hat. Den Platz in der Mitte links will nämlich mangels Bühnensicht keiner haben. Schließlich kann aber alles geklärt werden, und die Vorstellung beginnt: drei Akte, insgesamt 7 Aufzüge, das Böse triumphiert zunächst, verliert dann aber gegen das Gute, und am Ende stirbt jemand. Wie in der Oper, nur eben mit Tanz statt Gesang.

Der Rest der Venedig-Mailand-Tour ist, falls nichts dazwischen kommt, schnell erzählt: vom Nyx-Hotel mit der Metro nach Lampugnano, dann mit dem Flixbus durch die Schweiz nach München und mit einem anderen Flixbus weiter nach Nürnberg.

Die Eisdiele hat inzwischen übrigens Schilder angebracht: erst links bezahlen, dann rechts Ticket gegen Eistüte tauschen

Category: Allgemein, Venedig 2108
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