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Karfreitag im Schnee

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Wer sagt, daß das Oberallgäu ein Regen- oder Schneeloch ist? Zumindest am diesjährigen Karfreitag hätten wir uns keinen besseren Ort aussuchen können als diesen. Denn auf Regen und Schnee, von dem es in der Karwoche mehr als genug gab – Stichwort Niklas – folgte ein Tag, wie es im Jahreslauf nur wenige gibt: frisch gefallener Schnee auf den Zweigen, ein Panorama schroffer Gipfel im Winterkleid, und darüber ein strahlend blauer Himmel, von dem die Sonne lacht.

Vom Quartier „Heides Hüs” geht es hinaus in den Wiesengrund, vorbei an verschneiten Vorgärten, die in diesem Jahr schon einmal grün waren. Die Sonne läßt Nebel aus den Wiesen steigen, während wir zwischen den Heuhütten entlang wandern und schließlich ein Waldstück betreten, wo das sich von den Zweigen lösende Eis immer wieder für kleine Hagelschauer sorgt. Aber es ist nur ein kurzes Stück, dann weitet sich der Blick, und wir stehen vor einer der größten Skisprungschanzen der Welt.

Bei diesem strahlenden Wetter wäre es eine Sünde, hier schon umzukehren, und so laufen wir noch hinauf nach Schwand, um das Alpenpanorama zu genießen. Der Weg durch den Wald bis zum Freibergsee ist uns dann aber doch zu ungemütlich, denn es tropft inzwischen recht intensiv von den Bäumen. Und als wir schließlich ins Tal zurück kehren, hat sich der Zauber weitgehend aufgelöst, und auch der blaue Himmel hat einem trüben Grau Platz gemacht.

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Ausstellung „Regenwald”


Wenn der Rosenheimer Lokschuppen sich eines Themas annimmt, darf der Besucher getrost davon ausgehen, daß ihm ein Erlebnis bevorsteht, das seinesgleichen sucht. Das war schon bei den Indianern so, bei Tiefsee, bei Alexander dem Großen und zuletzt 2014 bei den Inka.

Mit seiner diesjährigen Ausstellung „Regenwald” hat der Lokschuppen die bereits sehr hoch gesteckten Erwartungen nicht nur erneut bestens erfüllt, er hat sich vielmehr selbst übertroffen.

Das Thema bietet sich zwar geradezu an für eine atmosphärisch dichte Inszenierung. Daß dem Besucher aber feucht-schwüle Luft entgegen schlägt, wenn er die Ausstellung betritt, ist zusammen mit dem weichen Boden eines jener Details, die für Stimmigkeit schon von der ersten Minute an sorgen. Zur Freude aller Brillenträger endet das schweißtreibende Entrée schon nach ein paar Metern an einer zweiten Luftschleuse, und raumhohe Projektionen lichtdurchfluteter Baumkronen sowie üppiges Grün in den Vitrinen übernehmen die Aufgabe, den Besucher hinein zu geleiten in die grüne Tropenwelt.

Die Grünpflanzen sind echt und ebenso die Ameisen. In einer Vitrine zeigen die gelben Knospen der Forsythienzweige unerwartete Dynamik. Genaueres Hinsehen, per Monitor angenehm auf Augenhöhe versetzt, offenbart, daß eine Horde Blattschneiderameisen sich an ihnen zu schaffen macht.

Wie auch der echte Regenwald bietet die Ausstellung eine Fülle von Einzeleindrücken, die sich im individuellen Erleben zu einem Gesamtbild zusammenfügen. Gleich neben einer ungedeckten Hütte, in der zwei Hängematten zum Ausprobieren einladen, schleicht ein Jaguar herum. Und ein paar Schritte entfernt gestattet die größte Einzelblüte der Welt unerschrockenen Besuchernasen das Erschnuppern ihres dezenten Aasgeruchs.

Plötzlich zucken Blitze, es donnert, und heftiger Regen setzt ein, zum Glück nur akustisch. Retten wir uns also hinüber zu den Gerätschaften und den Bräuchen der Menschen, die im Wald und vom Wald leben. Und zu jenen Produkten, die den Lebensraum Regenwald mitsamt seiner Pflanzen und Tiere nicht nur gefährden, sondern durch Kahlschlag vollständig vernichten, etwa für großflächigen Anbau von Ölpalmen.

In einer Ausstellung über den Regenwald darf natürlich auch die Forschungsgeschichte nicht fehlen. Und auch nicht der hölzerne Steg, der die einzelnen Attraktionen noch einmal aus einer erhöhten Sicht Revue passieren läßt. Inzwischen sind mehr als drei Stunden wie im Flug vergangen, dabei waren wir noch gar nicht im Kino, wo das Erlebte noch einmal großformatig und an drei Wänden zugleich Revue passiert: eindrucksvoll, aber eigentlich viel zu kurz.

Denn was der Ausstellung fehlt, ja fehlen muß, wird hier in projizierter Form nachgereicht: all die lebenden Tiere, allen voran die flinken Kolibris und die bunten Großpapageien, aber auch der Leopard, wie er um die Zuschauer herum durchs grüne Unterholz schleicht.

Dann ist man, voll der Eindrücke, wieder draußen. Doch als ob ein halber Tag nicht genug wäre, möchte man am liebsten vorne noch einmal hinein gehen, um sich noch ausführlicher den Tieren und Pflanzen, den Gewürzen, den indianischen Bräuchen zuzuwenden, sei es anhand der Tafeln, der spannenden Beiträge des Audioguides oder auch der vielen Videobeiträge.

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Franz Marc und August Macke

Die beiden Künstler waren Freunde. Und so lautet denn auch der Untertitel der Ausstellung: „Eine Künstlerfreundschaft”. Gezeigt wird sie im Münchner Kunstbau, einem ganz besonderen Museum, das nur über das Zwischengeschoß des U-Bahnhofs „Königsplatz” zu erreichen ist. Architektonisch gesehen ist es der Raum zwischen Bahnsteig und Straßenoberfläche, der normalerweise einfach wieder verfüllt wird. Hier in München sieht man von den Rolltreppen aus durch ein großes Schaufenster hinein. Oder aber, man holt sich im nahen Lenbachhaus ein Ticket, welches einem vom Verteilergeschoß her den Zutritt ermöglicht.

Hier hängen sie nun nebeneinander, die bunten Straßenszenen des Rheinländers August Macke und dazwischen Franz Marcs gleichermaßen farbenfrohe Tiere. Eine gelbe Kuh. Ein blaues Pferd. Rehe in verschiedenen Farben, die irgendwie an die Heilige Familie erinnern. Die Farben sind bewußt gewählt: blau, die Farbe des Himmels, steht für das männliche Prinzip, die Sonnenfarbe gelb für das weibliche.

Die beiden Künstler besuchten sich gegenseitig, tauschten sich aus, inspirierten einander – und blieben doch ein jeder seinem eigenen Stil treu. Leider verbindet sie auch ein allzu früher Tod auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs.

In der Ausstellung wird mit vielen Besuchern gerechnet, deshalb gibt es Tickets mit Zeitfenster. Ganz so schlimm war der Andrang dann aber doch nicht, anscheinend muß sich die Ausstellung erst herumsprechen. Wir beide waren jedenfalls begeistert.

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Auch vom Lenbachhaus, dessen Ausstellungsgebäude der Kunstbau ist. Das Haupthaus ist ein Schlößchen aus der Zeit, in der in Bayern ein Prinzregent das Sagen hatte. Seinen Weltruhm verdankt es der einmaligen Sammlung von Werken des „Blauen Reiter”, einer Vereinigung von Künstlern, der eben auch Franz Marc und August Macke angehörten.

Im Garten, der sich zwischen die beiden Flügel des Gebäudes schmiegt, liegt noch Schnee, die Brunnen sind abgedeckt, aber in den Blumenrabatten zeigen sich erste grüne Spitzen.

Ganz nebenbei bemerkt, waren wir heute auch im OEZ, dem „Olympia Einkaufszentrum”, und in der beeindruckenden BMW Welt. Bleibenden Eindruck hinterließ auch das winterlich verzauberte Altmühltal vor den Zugfenstern. Alles in allem also ein sehr gelungener Tag.

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Der steinerne Superlativ

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Er ist von einer drei Meter tiefen Wasserfläche umgeben, für die der Begriff Graben eine maßlose Untertreibung wäre, denn sie ist knapp 200 Meter breit und umfaßt eine Insel von gut einem Quadratkilometer. Wir betreten sie jenseits des Grabens durch das Eingangsbauwerk. Was sich von außen schon andeutete, zeigt sich hier nun in voller Größe: ein Tempel aus kunstvoll behauenem Sandstein mit 5 lotosblütenförmigen Türmen, deren höchster 65 Meter mißt. Hat man das 200 Meter breite und 300 Meter lange massive Bauwerk erst einmal betreten, kann man die umlaufenden, äußerst detailreichen Reliefs bewundern oder aber hinaufsteigen auf die zweite und dritte Ebene. Immer wieder tun sich dabei neue interessante Durchblicke auf, wir fühlen uns wie in einem kleinen Gebirge. Allein sind wir dabei freilich nicht.

S2370004Das war auch bei den Tempeln von Angkor Thom, die wir heute vormittags besuchten, schon so. Angesagtes Verkehrsmittel war heute der Elektrokarren, alternativ hätten für die letzte Etappe auch Elefanten zur Verfügung gestanden. Und dann befinden wir uns auch schon zwischen den unzähligen Gesichtertürmen, für die der Bayon-Tempel bekannt ist. Nachdem wir ihn und insbesondere seine Reliefs ausgiebig besichtigt haben, geht es gleich weiter zum ebenso riesigen Baphuon. Man kann hinaufsteigen oder auf der ersten Ebene außen herumlaufen, denn an der Rückseite soll eine Buddhastatue warten. Als wir dort ankommen, schweift das Auge umher: wo ist er denn nun, der Buddha? Erst der Blick zurück auf den Tempel offenbart schließlich, daß das gesamte Bauwerk einen riesigen liegenden Buddha darstellt. Dafür waren zwar einige massive Umbauten notwendig, aber gerade diese hier sichtbare Umwidmung offenbart auch so manches über die Religionen an sich.

Mit diesen beiden Tempeln beschließen wir unsere Reise nach Vietnam und Kambodscha. Morgen werden wir noch einen entspannten Tag im Hotel verbringen, ehe wir dann gegen Abend den langen Heimflug antreten.

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Gesichtertürme und Würgefeigen

Wenn sich der geplante Flug um mehrere Stunden verschiebt, wird es mit dem abendlichen Silvesterdinner eng, kurz nach 9 Uhr sitzen wir endlich um unsere Tische herum, die sich aber so nah an den Lautsprechern befinden, daß wir uns erst gar nicht um ein Gesprächsthema zu bemühen brauchen. Dabei gäbe es so vieles, das man noch einmal Revue passieren lassen könnte. Auf der Bühne wechseln sich Apsara-Tänzerinnen mit Revuegirls und einer Band ab, die wohl zu tief in der 70er-Jahre Kiste gekramt hat. Es gibt Buffet mit leckeren Schaschlikspießen, kalten Shrimps und allerlei fremdartigen Köstlichkeiten.

Da am Neujahrsmorgen sehr frühes Aufstehen angesagt ist und die gestrige Körperpflege mangels Warmwasser entfallen mußte, empfehlen wir uns schon vor dem Finale in Richtung Zimmer und sehen uns das bombastische Feuerwerk von dort an.

P1090899Der gestrige Tag in Phnom Penh brachte uns zunächst mit der Kultur der Khmer in Kontakt, die vielen bronzenen und steinernen Zeugnisse im Nationalmuseum wurden uns von Reiseleiter Jürgen Bergmann gewohnt fachkundig näher gebracht. Anschließend ging es zu einer Schule für Apsara-Tanz, die Schülerinnen und Schüler führten eigens für unsere Gruppe ihr Können auf und wurden dafür mit reichlich Applaus bedacht.

Da wir unerwartet vier Stunden hinzugewonnen hatten, besuchten wir noch ein Foltergefängnis, das der Schreckensherrschaft von Pol Pot gewidmet war. Von mehreren zehntausend Insassen überlebten nur eine Handvoll, zwei von ihnen waren sogar anwesend.

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Heute nun stehen die Tempelbauten im Fokus, für deren touristische Nutzung eigens ein Flughafen erbaut wurde. Unser erstes Ziel, der Tempel Banteay Srei, ist relativ klein. Wer ihn ohne den Ansturm der ostasiatischen Massen erleben will, muß schon sehr sehr früh vor Ort sein. Dann ist auch das Licht am besten, und die kunstvollen Steinreliefs, die nach 1000 Jahren immer noch so aussehen als wären sie gerade erst fertig geworden, treten besonders plastisch hervor.

In Ta Prohm, dem zweiten Tempelbesuch des heutigen Tages, ist die koreanische Invasion inzwischen zwar spürbar angeschwollen, verteilt sich aber auch auf ein weit größeres Gelände. Trotzdem herrscht in einigen Durchgängen ein Gedrängel wie auf einem Jahrmarkt. Es ist aber auch zu verlockend, sich vor Baumriesen ablichten zu lassen, die das darunter befindliche Mauerwerk so malerisch vereinnahmt haben wie hier. Einige der monumentalen Steinbauten hat der Verfall aus der Senkrechten gekippt, andere sind schlichtweg schief gemeißelt, ihre Erbauer hatten es offenbar eilig. Angesichts der Dimensionen der Anlage muß das auch nicht verwundern.

Hier nun sehen wir zum ersten Mal auch jene Steintürme mit den riesigen, nach allen Richtungen schauenden Gesichtern.

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Königspalast

Wir sind in ភ្នំពេញ. Das liegt in កម្ពុជា. Noch einmal für alle, die des ភាសាខ្មែរ (Khmer) nicht mächtig sind: wir sind in Phnom Penh, das liegt in Kambodscha. Genau genommen ist es sogar die Hauptstadt, und hier residiert auch der König នរោត្តម សីហមុនី (Norodom Sihamoni), dessen Palast wir heute besuchen.

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S2340010Zunächst aber müssen wir nach Kambodscha einreisen. Nicht per Bus oder Bahn und auch nicht mit dem Flugzeug, sondern mit dem Schnellboot. Das legt einmal am vietnamesischen Grenzposten an, wir müssen alle aussteigen und unsere Reisepässe stempeln lassen. Dann, ein paar hundert Meter weiter, am kambodschanischen Grenzposten, wo ein Visum in den Paß geklebt wird. Die Daten für den Visumantrag hatten wir gestern schon im Hotel ausgefüllt und ein Paßbild mit angeheftet. Bevor es weitergehen darf, wird alles noch einmal ausführlich geprüft und bestempelt.

Kambodscha ist deutlich dünner besiedelt als Vietnam. Vom Schiff aus können wir sehen, wie die Menschen hier am Fluß und vom Fluß leben und was sie auf ihren Feldern anbauen. Manche leben auch auf dem Fluß. Bis Phnom Penh sind es etwa vier Stunden Fahrtzeit.

Der Königspalast ist von einem Garten umgeben und der Garten wiederum von einer Mauer. Wir bewundern ausgiebig die verspielte Architektur der Gebäude und betreten auch das eine oder andere. Einige Bereiche sind für das Publikum gesperrt. Der König ist wohl gerade zuhause.

Die Kambodschaner sind ganz anders als die Vietnamesen und mögen die letzteren auch nicht sonderlich. Ihre Schrift ist für uns vollkommen unleserlich, aber zum Glück steht das meiste auch noch einmal auf englisch angeschrieben.

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Schwimmende Marktstände

Auf einem „schwimmenden Markt” werden die Waren von Boot zu Boot verkauft. Man sieht, daß viele der Händler sogar auf ihren Booten wohnen, denn es sind Wäscheleinen über das Deck gespannt. Etliche der kleinen wendigen Boote legen auch an unserem Touristenkahn an und bieten insbesondere Getränke feil. Welche Waren man von den anderen Händlern jeweils kaufen kann, zeigt das an eine hohe Stange gebundene Muster: hier eine Kokosnuß, dort eine Wassermelone. Das Geschäft scheint zu florieren, denn allenthalben reichen fleißige Hände die Früchte von Boot zu Boot. Wir können uns kaum sattsehen an dem bunten Treiben.

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Für heute steht eine vierstündige Busfahrt an, von Can Tho nach Chau Doc. Es ist keine sonderlich weite Strecke, aber die Straßenränder sind meist von Häusern und Hütten gesäumt und entsprechend lebhaft, nur selten kann der Blick hinaus über die Reisfelder schweifen. Eigentlich nehmen wir das Land vorwiegend aus der Straßenperspektive wahr.

Mittags stoppt der Bus heute bei einer Krokodilfarm. Wir dürfen die Tiere in ihren Gehegen bewundern, auf Wunsch aber auch essen. Das Krokodilfleisch ist lecker zubereitet und beißt sich auch angenehm.

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Unsere letzte Nacht in Vietnam verbringen wir in einem kolonial geprägten Hotel direkt am Flußufer. Nicht weit von hier werden wir morgen mit dem Boot die kambodschanische Grenze queren.

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Unterwegs auf dem Mekong

Der Mekong teilt sich, bevor er ins Meer mündet, in mehrere Arme auf. Darüber hinaus gibt es unzählige Kanäle, auf denen mit schmalen Booten allerlei transportiert wird: Material, Früchte, Touristen. Nachdem wir ein ganzes Stück weit gefahren sind, legen wir an einer Bonbonfabrik an. Groß ist sie allerdings nicht, die Fabrik. In einem Kessel wird auf offenem Feuer Kokosfleisch karamelisiert, am Arbeitstisch daneben dürfen wir zusehen, wie die Masse zuerst in Streifen und dann in Stücke zerteilt wird. Alles in Handarbeit. In einem anderen Kessel entsteht gerade Puffreis: man schwenkt die Reiskörner ein Weilchen in einer erhitzten Schüssel, und schon poppen sie mit markantem Geräusch zu den bekannten weißen Flocken auf. Natürlich dürfen wir überall auch probieren. Dazu reicht man uns Schlangenschnaps aus einem Glas mit darin eingelegten Reptilien. Für die weniger Mutigen gibt es auch eine Version mit Bananenschalen.

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P1090699Um auf den ganz schmalen Kanälen voranzukommen, gibt es Ruderboote für jeweils drei Personen und eine Ruderfrau, die ganz hinten im Kahn steht und zunächst einmal die typischen Strohhüte austeilt. Dann verstummen allmählich die Geräusche der Zivilisation, und wir erleben die Beschaulichkeit der Region aus nächster Nähe. Ab und zu ertönt ein Hahnenschrei, oder ein Singvogel zwitschert im Geäst. Schließlich erreichen wir wieder den breiten Flußarm und steigen wieder aufs Motorboot um, nicht ohne unseren Ruderfrauen noch einmal zuzuwinken.

Nicht unerwähnt bleiben darf unser Tempelbesuch von heute morgen. Die kleine Glaubensgemeinschaft der Caodaisten verehrt Buddha, Laotse, Konfuzius und Christus gleichermaßen, entsprechend bunt ist das Gotteshaus ausgestaltet. Zu ihren Schutzheiligen zählen Johanna von Orleans, der Schriftsteller Victor Hugo und sogar Charlie Chaplin.

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Abenteuer Saigon

Hurra, wir leben noch. Und das, obwohl wir eine der belebtesten Kreuzungen von Saigon zu Fuß überquert haben. Ohne Ampel. Wie das geht? Man wirft sich einfach in den endlosen Strom der heranbrausenden Mopeds und Roller und fühlt sich wie der Prophet Moses, wenn er das Meer teilt.

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Für heute steht schwere Kost auf dem Plan, denn wir besuchen das Kriegsreste-Museum. Sein früherer Name „Museum der amerikanischen Kriegsverbrechen” läßt ahnen, was uns dort erwartet: Bilder der Opfer von Minen, Streubomben, Napalm, Agent Orange und all dem anderen teuflischen Zeug, das im Vietnamkrieg bekanntlich auch gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt wurde. Auch wie es dazu kam, verstehen wir zunehmend besser.

Noch heute denkt alle Welt an diesen Krieg, wenn der Name Vietnam fällt. Das ändert sich aber, wenn man so viele Eindrücke über das Land empfängt wie wir auf dieser Rundreise.

Der Tag begann heute mit dem Besuch einer Markthalle im chinesischen Viertel. Das Angebot an exotischen Waren ist schier überwältigend, es gibt Schwalbennester, Seepferdchen, angebrütete Eier und so manche andere Spezialität, mit der wir in Europa wenig anzufangen wissen.

Nicht weit davon erwartet uns ein buddhistischer Tempel, der wie vielte eigentlich? Zum Räucherwerk und den Kerzen gesellen sich hier besonders schöne und detailreiche Relieffriese.

P1090591Drüben auf der anderen Flußseite schließlich nehmen wir heute das Mittagessen in einem Waisenhaus ein, das von Studiosus finanziell unterstützt wird. Es wird ausschließlich vegetarische Kost gereicht, leckere Meeresfrüchte zum Beispiel. Oder Entenbraten. Moment mal, haben wir da vielleicht etwas mißverstanden? Durchaus nicht: die vermeintliche Ente zum Beispiel ist ein raffiniert zubereiteter Speisepilz, der sich weder im Geschmack noch in der Konsistenz von einem echten Braten unterscheidet. Und auch die Shrimps sehen nicht nur echt aus, sondern essen sich auch wie echte. Faszinierend.

Auf eigene Faust besuchen wir schließlich noch einen Hindu-Tempel, der ein paar Straßenzüge vom Hotel entfernt liegt. Zwischenzeitlich hat jedoch die Rush-Hour eingesetzt, die Zweiräder beziehen jetzt kurzerhand die Gehwege mit in ihren Verkehrsraum ein, gegebenenfalls auch gegen die Fahrtrichtung. Leicht entnervt, dafür aber mit je einer Dose „Saigon Bia” in den Händen, retten wir uns schließlich ins Hotel.

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Eine quirlige Stadt

Wir sind in Ho Chi Minh City, besser bekannt als Saigon. Unsere Koffer sind schwerer geworden, wahrscheinlich die Feuchtigkeit, die sich in Hoi An überall niedergeschlagen hat, auch der Boden des Hotelzimmers sah ja ständig wie frisch gewischt aus. Hier nun empfangen uns Sonne und 32 Grad. Welch eine Wohltat.

Verkehrsmittel Nummer eins ist hier der Motorroller. Roller von links von rechts, von vorne und von hinten. Irgendwie kämpfen wir uns von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit durch: die alte Oper, die im Kolonialstil erbaute Post, die Kirche Notre Dame – man merkt, daß hier einst die Franzosen das Sagen hatten. Heute sind es freilich die Kommunisten im fernen Hanoi.

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Kann man auf dreieinhalb Metern Breite ein Kaufhaus betreiben? Eine Galerie? Gar ein Hotel? Die Vietnamesen können es. Unser Hotel ist zum Glück erheblich breiter, deshalb heißt es ja auch Grand Hotel. Hier gibt es einen Pagen, der nichts anderes zu tun hat als den Gästen die Tür aufzuhalten. Und auch unser Zimmer ist sehr edel, mit dunklem Parkett und Stilmöbeln.

Das heutige Bild ist in einem Nudel-Restaurant aufgenommen. Nicht in irgendeinem, sondern dort, wo auch schon Bill Clinton speiste. Ob mit dem Löffel oder mit Stäbchen, ist nicht überliefert.

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