Vom Balkon unserer Suite, es ist die 308, können wir tagsüber 47 Kilometer weit sehen und nachts sogar noch ein gutes Stück weiter. Woher ich das so genau weiß? Nun, genau im Blickfeld liegt in 25 Kilometern Entfernung die markante kleine Insel „Montaña la Caldera“, die bereits zu Fuerteventura gehört. Und genau über dieser Insel ragt in deutlich größerer Distanz ein weiterer markanter Gipfel auf, nämlich der 400 Meter hohe Tindaya. Nachts sehen wir übrigens sogar noch den Flughafen von Fuerteventura in regelmäßigen Intervallen blinken: 70 Kilometer dürften das in etwa sein.
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Heute unternehmen wir einen Ausflug. Mit dem Bus. Also dem Ausflugsbus. Denn es gäbe ja auch noch den Linienbus, aber damit kennen wir uns nicht so gut aus, und deshalb haben wir die Tour direkt bei TUI gebucht. Das geht relativ einfach, sei hier aber nicht das Thema.
Um 9:00 Uhr sollen wir direkt vor dem Hotel abgeholt werden. Dort steht auch schon 10 Minuten vor der Zeit – oder vielleicht länger, wir treten ja gerade erst vor die Tür – ein hellfroschgrüner Bus, allerdings ohne das für Tourbusse so typische Täfelchen hinter der Frontscheibe. Es wird also wohl nicht unser Bus sein. Aber es kommt auch kein anderer. Ob er für die TUI fährt, frage ich den wartenden Fahrer. Der schaut mich nur verständnislos an, also zeige ich ihm den Voucher. Er wirft einen Blick darauf und schüttelt den Kopf.
Fünf Minuten später tritt der Mann wieder auf mich zu und fragt, ob wir die Familie von Natascha seien. Nun ist es an mir, den Kopf zu schütteln. Und an ihm, mir etwas zu zeigen, denn offenbar ist er sich bei der Aussprache der deutschen Namen nicht so sicher. Und was sehe ich auf dieser Liste? Uns! Er hat uns auf seiner Liste. Warum nicht gleich so? Nun können wir endlich losfahren. Leider ohne Natascha, denn die stand samt Partner 50 Meter weiter unten an der Haltestelle des Linienbusses, wurde letztlich dann aber doch noch mitgenommen.

Zuerst einmal lernen wir die Hotellerie unseres Urlaubsortes und seiner Nachbarorte kennen, einschließlich der verwinkelten Einbahnstraßen, auf denen man sie anfahren kann. Hier ein wartendes Paar, dort ein Paar oder auch einmal zwei zugleich, nach einer Stunde sind wir immer noch in der Küstenregion, aber dann geht es endlich ins Inselinnere. Was für eine grandiose Landschaft aus Vulkankegeln, denen die Erosion bisher noch nicht allzu viel anhaben konnte.
Ob wohl noch ein Tourguide zusteigen wird? Immerhin stand ja das erste Ziel, das von einem gewissen Jesús Soto erbaute Anwesen „LagOmar”, bereits am Straßenrand angeschrieben. Große Erleichterung, als auf dem Parkplatz des LagOmar eine Dame namens Raquel zusteigt, uns in drei Sprachen begrüßt und zur geführten Besichtigung mit anschließender Gelegenheit zum freien Rundgang einlädt.
Das in eine Felsformation aus Lavatuff eingepaßte Anwesen wurde einst vom Schauspieler Omar Sharif erworben und gehörte ihm genau einen Tag lang, dann verlor er es im Spiel gegen einen ihm unbekannten Gegner, den er wohl massiv unterschätzt hatte: der vermeintliche Immobilienmakler war nämlich der amtierende Weltmeister im Bridge.
Die Zimmer dieses außergewöhnlichen Hauses sind in verschiedenen Höhen halb in die Felsen eingelassen und durch allerlei schmale und steile Treppen, teils im Inneren und teils frei, miteinander verbunden. Es gibt weiter oben ein Schlafzimmer und sogar ein Badezimmer, dazu allerlei Balkone und Nischen mit umlaufenden Sitzbänken aus Stein, und an zentraler Stelle einen Swimmingpool. Raquels spanische und französische Ausführungen sind uns zu langatmig, bis die englische Version an der Reihe ist, haben die anderen Teilnehmer längst ihren Vorsprung genutzt, und die ersten kommen die engen Treppen bereits wieder herunter. Folglich verzichten wir auf die Teilnahme an der Führung und halten uns an die deutschsprachigen Texte der Wandtafeln.
Die gute Raquel redet wie ein Wasserfall, muss sie doch auf der relativ kurzen Fahrt zum nächsten Etappenziel die dreifache Menge an Text unterbringen als bei einer einsprachig geführten Tour. Das schafft sie zwar recht gut, aber da dem englischen sofort wieder ein spanischer Text folgt und man erst am Ende der französischen Version wieder Verständliches vernimmt, liegt man akustisch beständig auf der Lauer: sind das jetzt spanische Wörter? Oder französische? Nein, es sind englische, also wieder zuhören!
Wir erreichen den „Jardin de Cactus”, also den Kaktusgarten. Das ist ein von Steilhängen und Mauern umgebenes Stück Land mit tausenden von Kakteen und Euphorbien aus allen Teilen der Welt, in den abenteuerlichsten Wuchsformen und gekrönt von einer Windmühle, in der sich dem Andrang zufolge irgend etwas Interessantes befinden muss, wahrscheinlich das Café.
Ermahnt, pünktlichst wieder am Bus zu sein, da wir ansonsten die Abfahrt des Schiffes versäumen könnten, tun wir wie geheißen, und so klappt das Ablegen samt nachfolgender Überfahrt auf die Insel La Graziosa wie am Schnürchen. Vorher amüsieren wir uns aber noch über ein ausgelassen grölendes und klatschendes Grüppchen von Jugendlichen: Leute, wenn Ihr Euch schon gegenseitig in Titanic-Pose, also mit ausgestreckten Armen am Schiffsbug stehend, fotografieren müßt, warum geduldet Ihr Euch dann nicht, bis im Hintergrund offenes Meer zu sehen ist anstelle der Hafenkneipe?
Der kleine Fischereihafen auf der Insel samt zugehörigem Ort La Caletta del Sebo hat nicht eine einzige befestigte Straße. Wozu auch, hier müssen ja ohnehin alle Autos geländetauglich sein, sonst nützen sie bestenfalls, um damit sonntags 500 Meter zur Kirche zu fahren. Ein durchaus bemerkenswerter Bau übrigens: der Altar ist ein Anker, das Altarbild ein Schiff, ein Steuerrad dient als Predigtpult, und zwei hölzerne Fische halten jeweils eine Kerze im Maul.
Gegen 14 Uhr erwartet uns ein Mittagessen, für das eigens ein zweites Schiff bereitgestellt wurde, mit Tischen anstelle der Sitzreihen. Serviert wird eine klassische Paella mit allerlei Getränken, die alle wild durcheinander zu konsumieren im Hinblick auf die bevorstehende Rückfahrt wenig ratsam erscheint. Dennoch versuchen wir es: zuerst ein Schluck Cava, also Sekt, dann Wein, dann wieder Cava, dann ein Stamperl mit leckerem Honigrum, dann ein zweites, nochmal Wein und zum Abschluss nochmal Rum, bis Schiff und Insel zu schwanken beginnen. Allein die Bierdosen packen wir weg, man will ja nicht trocken heimfahren.
Zurück auf dem Festland, also der größeren Insel, macht sich eine gewisse Schwere in den Beinen bemerkbar, aber zum Glück wartet ja in Órzola bereits der Bus.
Da bucht man nun spontan einen Kurzurlaub auf einer relativ wenig frequentierten Kanareninsel, und dann stellt sich wenig später heraus, dass der beste Freund, ohne dass man davon etwas hätte ahnen können, ebenso spontan zu derselben Zeit dieselbe Insel gebucht hat. Aber es kommt noch besser: auf Nachfrage stellt sich heraus, dass sein Hotel gerade einmal drei Kilometer – oder, wie er es ausdrücken würde, 10 Schiffslängen – vom eigenen entfernt liegt. Wenn das kein Grund ist, eine kleine Wanderung entlang der Küste zu unternehmen und ihn dort zu besuchen.

Das Costa Calero Hotel, von wo „Captain Spareribs” seine „Reisen am Rande des Wahnsinns” bloggt, ist ein großzügig angelegtes Familienhotel mit viel Grün und zwei Pools, davon einer mit Staumauer, die das obere Becken vom unteren trennt. Der Foyerbereich gleicht mit seinen üppigen Grünpflanzen dem Tropenhaus eines botanischen Gartens, der Restaurantbereich wiederum erinnert mit seinen raumhohen Glasfronten eher an ein Aquarium. Wir suchen uns einen netten Platz im Bereich der Außenbar und reden bei einer Cervesa stundenlang angeregt über dieses und jenes, ehe wir uns am späten Nachmittag wieder zurück auf den Weg nach Playa del Carmen machen.
War es heute vormittag noch ein zwar langer und steiniger, dennoch aber recht angenehmer Spaziergang entlang des „Sendero Uno” Küstenweges, lacht nun die Sonne mehr als dem braven Wandersmann lieb sein kann vom strahlend blauen lanzarotinischen Himmel. Eine Sitzbank im Schatten eines Baumes wäre jetzt schön, und tatsächlich findet sich eine solche, aber erst, nachdem auch bereits das Ende des Weges auf Sichtweite herangekommen ist. Sei’s drum, das Bänklein liegt so malerisch unter einer bougainvilleabewachsenen Pergola, dass wir hier noch ein Weilchen verweilen, in Gesellschaft von zwei schwarzen Katzen, die uns erwartungsvoll anschauen und sich dann im Schatten des besagten Blütenstrauches niederlassen.
Plötzlich ein zweistimmiger Freudenschrei, denn aus einer Türe im Hintergrund ist soeben eine ältere Frau getreten, und die hat Futter. Und Wasser. Aus den zwei Tieren werden rasch vier, fünf und sechs, denn was will eine freilebende Mieze mehr als einmal am Tag eine katzengerechte Mahlzeit? Natürlich werden aber auch Streicheleinheiten und warme Worte gerne genommen. Deswegen also das freudige Interesse, als wir uns vorhin dem Platz näherten.
Unterhalb der Steilküste hat soeben der Wasserbus kurz vor der Hafeneinfahrt seine Fahrt unterbrochen. Warum das denn? Ist er etwa seinem Fahrplan voraus? Das Rätsel erschließt sich, als er nach einer Viertelstunde – man könnte die Zeit auch in Flugzeugen rechnen, die im Fünfminutenabstand drüben nach Arrecife einschweben – wieder Fahrt aufnimmt: es ist ein Glasbodenschiff. Wahrscheinlich gibt es an dieser Stelle allerlei Interessantes am Meeresgrund zu sehen.
Hier auf Lanzarote ist vieles anders als auf anderen Ferieninseln. Das fängt schon bei der Landschaft an, sie ist wie eine Mischung aus Spanien, Marokko und Schottland. Ersteres beruht vor allem auf den schmucken weiß gestrichenen Häusern inmitten einer kargen Vegetation, für den letzteren Eindruck sorgen Berge, Wolken und Wind. Was abends auf der Landseite zu sehen ist, sind aber gar keine Berge, sondern Wolken, die sich an die Konturen der Berge anschmiegen und dadurch wie Berge aussehen.

Anders ist aber auch die Aufmerksamkeit und Herzlichkeit des Personals. Im Hotelrestaurant werden wir zum Tisch nach Wahl geleitet und unsere Bestellung aufgenommen, denn die Gastronomie ist hier eine Mischung aus Bedienrestaurant und Büffet: wir durften für das Abendessen aus zwei Vorspeisen und vier Hauptgerichten wählen, die am Tisch serviert werden, für alles andere herrscht Selbstbedienung, jedoch ohne Drängeln und ohne wählerisches Herumtrödeln der Leute, die vor einem stehen, und ohne permanentes Gerenne nach vergessenen Besteckteilen, denn die werden passend gebracht. Wir bestellen zwei Gläser offenen lanzarotinischen Wein, und die Kellnerin kommt mit einer Flasche. Sie hat aber nicht etwa unsere Bestellung falsch aufgenommen, sondern es ist hier so üblich: Gläser aufstellen, den Probeschluck servieren, bei Zufriedenheit des Gastes die Gläser füllen wie bestellt und die Flasche wieder mitnehmen. Der Rosé war übrigens eine ausgezeichnete Wahl, und ebenso die Speisen. Und wer sagt, dass man nur ein einziges Hauptgericht bekommt? Die orientalischen Spaghetti waren zwar eigentlich als solches gedacht, aber wenn der Gast sie als Vorspeise wünscht, gerne.
Zum Frühstück wird einem hier im La Isla nicht nur jede nur denkbare Art von Kaffee an den Tisch serviert, sondern auf Wunsch auch das Omelett mit den gewünschten Zutaten. So ausgedehnt wie hier haben wir schon lange nicht mehr gefrühstückt, und zum Abschluss gönnen wir uns noch je ein Glas Prosecco aus dem dekorativen Sektkühler.
Und noch etwas ist anders als gewohnt: die Wasserhähne. Hier im La Isla gleichen sie dem Zulauf zu einem Wasserrad, d.h. das Wasser läuft ein Stück weit in einer offenen Rinne herab, beworben es sich an deren unterem Ende ins Waschbecken stürzt oder auf die Hände oder was auch immer. Da wir aber eines der obersten Zimmer bewohnen, mischt sich hin und wieder auch eine Luftblase ins Leitungswasser. In diesem Fall verwandelt sich der sanfte Wasserlauf dann in einen Geysir, und man kann, was man kurz vorher frisch angezogen hatte, zum Trocknen aufhängen und sich etwas Neues aus dem Schrank holen.
Draußen auf der Sonnenterrasse war es heute sehr angenehm und erholsam, denn das La Isla ist ein Erwachsenenhotel: kein ferienbegeistertes Herumgerenne, kein Geschrei und Gequiekse, wie es alle, die erst noch erwachsen werden wollen, bei der Berührung mit Wasser typischerweise absondern. Und zum Glück auch keine Leute, die gerne pausenlos mehr oder weniger witzig, vor allem aber viel lauter als notwendig daherquatschen oder mit durchdringendem Gelächter antworten. Keine Ballspiele am Pool oder auf der Wiese, denn der Pool ist sehr klein, und eine Wiese gibt es nicht. Nur gepolsterte Liegen, die man aber nicht herumschiebenderweise dem Sonnenstand nachrücken kann, und ebensolche Sonnenschirme. Mit einem Wort: wohltuende Ruhe, genau richtig, um nach Jahrzehnten wieder einmal Friedrich Dürrenmatts “Der Richter und sein Henker“ zu lesen.
Ein paar streßfreie Tage mit Meerblick, das wäre doch etwas für die Pfingstferien, dachten wir und buchten uns spontan nach Lanzarote ein, wo das Hotel „La Isla y el Mar Hotel Boutique” eine geräumige Suite mit eigener Terrasse samt seitlichem Meerblick angepriesen hatte. Für Familien sei das Haus aber völlig ungeeignet, hieß es in der Beschreibung. Und leider könne zur Zeit auch keine Animation angeboten werden. Umso besser, dachten wir.
Und so startete unsere Reise um die Mittagszeit des Vortages mit dem Online Check-in bei Condor. Früher, als es das noch nicht gab, begann eine Reise mit dem Schließen des Koffers, es war quasi der Vollzug des Zurücklassens aller materiellen Dinge, die nicht mit in diesem Koffer waren. Das Vorab-Einchecken fühlt sich ähnlich an: was noch zu tun ist, muss nun so überschaubar sein, dass es in diese 24 Stunden paßt wie die Habseligkeiten in einen zu schließenden Koffer.

Und da war noch so viel zu erledigen: Blumen wegbringen, Korrespondenzen abwickeln, Wohnung aufräumen, Geschirr spülen, Koffer packen, Verbindungen suchen, Wecker stellen, schlafen, geweckt werden, Kaffee kochen, Wohnung kontrollieren, Koffer zum Bus schleppen, dann zur U-Bahn, zum ICE, zur S-Bahn, zum Drop-off Schalter der Condor. Zuallererst aber eben: Website der Condor aufrufen, Buchungsnummer und Name eingeben, Sitzplatz wählen und … Moment, wieso steht da ein Preis? Die Fluggesellschaft will sich die Sitzplatzwahl mit 7,99€ bezahlen lassen. Alternativ bekäme man irgendwelche Plätze zugewiesen, hieß es. Aber Platz ist Platz, und die zugewiesenen sind letztlich auch nicht schlechter.
Da wir nicht zu den Reisenden gehören wollen, die in endlosen Warteschlangen stehend ihren Flug verpassen, brechen wir sehr zeitig auf. Prompt klappt alles wie am Schnürchen: beim Umsteigen, am Schalter und sogar am Security-Check. Aber lieber zwei Stunden zu früh im Gate als fünf Minuten zu spät.
Eigentlich sollte unser ICE vom Gleis 9 ablegen, aber dort stand schon ein ÖBB-Schlafwagenzug, der wohl selber eingeschlafen war. Und so starteten wir von Gleis 8 genau gegenüber. Welch ein Glück. Woher die bereits im Abteil befindlichen Reisenden wohl alle kamen? Sie mußten wohl schon die ganze Nacht unterwegs gewesen sein, denn alles schlief. Bis auf einen, und der sprach am Handy gerade über intimste Details seiner Probleme mit einer Hochzeit in „Gaahrmisch-Partenkiehrchen”, zu der er wider Willen anreisen müsse, weil seine Familie das so wollte. Wir und der nicht schlafende Teil der Mitreisenden erfuhren wirklich alles: dass die Hochzeit in Bayern so teuer sei, dass der Blumenschmuck in der Kirche dem ausladenden Format des Brautkleides Rechnung tragen müsse, dass „der Schrauber” sein Auto nicht rechtzeitig repariert habe und er nun diesen Zug habe nehmen müssen, dass seine Familie ihm deswegen Feuer mache, was er „nicht in Ohrdnung” finde, dass seine Mutter zu viel Geld in die Restaurierung halb zerfallener „Ente”-Oldtimer stecke, dass er jetzt einen Kaffee brauche … schon sah man ihn samt Telefon am Ohr verschwinden, und als er wiederkam, hatte er aufgelegt. Aber nur, um sogleich ein neues Gespräch zu beginnen mit einer anderen Person, die das alles noch nicht wußte: die Hochzeit, das Brautkleid, der teure Blumenschmuck, die Oldtimer-Leidenschaft seiner Mutter.
Schließlich und endlich treffen wir mit unseren Koffern am Flughafen ein. Wo ist der Drop-off-Schalter der Condor? Weit und breit kein Hinweis, also fragen wir die Dame am Info-Schalter. Die hält nur, genervt von immer derselben Frage, wortlos ein Schildchen hoch mit einem „D“ darauf. Denn auf die Idee, Wegweiser zu den Schaltern der Fluggesellschaften aufzustellen, ist hier offenbar noch keiner gekommen.
Sind wir schon über Frankreich? Noch nicht, sonst sähe man unten ja Menschen herumlaufen mit einem Baguette unter dem Arm. Aber da ist ein Fluß mit dunklem Wasser, der in einen anderen mit milchkaffeebraunem Wasser mündet, man kann die beiden Farben noch ein ganzes Stück weit flussabwärts verfolgen. Kurz darauf kommt Basel in Sicht. Aha, die beiden Flüsse waren Aare und Rhein. Eine Stunde später kommen Schneeberge in Sicht: die Pyrenäen. Dann eine Stunde lang eher unwirtliches Land, mit nur vereinzelten Feldern. Dann eineinhalb Stunden lang Wasser mit vereinzelten Schiffen. Dann zur Rechten eine Insel, aber mit mehr als zwei Bergen. Wir haben unser Ziel Lanzarote erreicht. Oder doch nicht? Das Land ist so schnell wieder verschwunden, wie es zuvor aufgetaucht war. Ach so, das Flugzeug hat die Richtung gewechselt und die Insel ist nunmehr links, denn wir müssen den Aeropuerto Cesar Manrique von Süden her anfliegen.
Der Transferbus fährt mehrere Ziele an. Am ersten Hotel steigen einige Gäste aus, am zweiten ebenfalls. Am dritten Stopp nur wir. Und das ist auch gut so, denn der Check-in dauert am „La Isla y el Mar” beträchtlich lange, da hätte man nicht anstehen mögen. Das Hotel besteht aus einzelnen Suiten mit je einer Terrasse, adrett über ein leicht geneigtes Gelände verteilt und mit vielen landestypische Pflanzen dazwischen: Kakteen, Palmen, Strelitzien und betörend duftenden Wachsblumen. Hier ist entspannen angesagt. Unsere Suite hat zwei Zimmer und zwei Fernseher. Aber nur ein Duschhandtuch und nur einen Bademantel: es fehlt die komplette zweite Garnitur, die das Zimmermädchen aber fix nachliefert.
Mit dem roten Geländebus samt Hotelanhänger ging es hinauf zur Hochfläche nach Nieuwoudtville, wo trotz großer Trockenheit zahllose Blüten das Auge beglückten, und dann durch die Zedernberge (heute leider gänzlich ohne Zedern) wieder hinab.
Aus den mitgebrachten Videoclips ist nun ein Film geworden:




