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Sterne über dem Ulurú

Auch der Ulurú (früher: Ayers Rock) ist leicht zu finden: von Alice Springs zuerst zwei Stunden nach Süden, dann zwei Stunden nach Westen. Schon vorher kommt zur Linken ein markanter Tafelberg ins Blickfeld. Eindrucksvoll zwar, aber noch nicht der Ulurú. Trotzdem lohnt sich ein Fotostop, denn von einem kleinen Hügel aus schweift der Blick zur anderen Seite hin über einen ausgetrockneten Salzsee mit Insel. Etliche Kilometer weiter erblicken wir dann zum ersten Mal den markanten Felsrücken. Die nähere Betrachtung steht allerdings erst morgen auf dem Programm, heute besuchen wir erst einmal die ebenfalls markanten Felskuppen der Kata Tjutas (früher: Olgas).

Im Ulurú-Nationalpark ist eine Führung obligatorisch. Die Rangerin hält ein junges Känguruh im Arm, es ist gerade einmal 6½ Monate alt, und jeder von uns darf es ein wenig auf den Arm nehmen, sogar ich.

Die Olgas sind markante Felskuppen aus rötlichem Konglomerat-Gestein, im Inneren sind die gerundeten Kiesel allerdings grün. Man kann ein Stück weit in eine Schlucht zwischen zwei Kuppen hinein laufen, besteigen darf man sie nicht, denn sie sind den Aborigines heilig, und ebenso der Ulurú.

Inzwischen ist es später Nachmittag, und die Schatten werden länger: höchste Zeit, zum Ulurú zurückzukehren und mitzuerleben, wie die roten Felsen im Licht der untergehenden Sonne noch röter werden. Vom Busparkplatz aus wandern wir einen Pfad hinauf, bis wir einen schönen Blick haben. Auch auf unsere Schatten, die sich immer weiter in Richtung Berg verlängern. Was für ein Anblick! Und dann ist die Sonne weg, und der Berg wird fahl.

Als wir wieder beim Bus eintreffen, wartet zu unserer Überraschung ein Sektempfang auf uns. Und ein Abendessen. Reiseleitung und Gäste lassen einander hochleben, während am Himmel die ersten Sterne blinken. Sterne über dem Ulurú: ein unvergeßlicher Augenblick.

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Der Weg ist das Ziel

Der Weg von Townsville nach Alice Springs ist leicht zu finden: man fährt einfach zwei Tage lang nach Westen bis zu einer Querstraße, der man dann einen weiteren Tag lang nach Süden folgt.

In dieser Region Australiens ist der Weg das Ziel. Nichts beeinträchtigt den Blick in die Landschaft, Häuser gibt es nur einmal alle 150 Kilometer, meist um eine Raststätte herum, die hier Roadhouse heißt und meistens aus einer Tankstelle, einem Food Store, einem Pub und einem Caravan Park besteht, mit Wohnwagen und einigen Mobile Homes.

Links und rechts der Straße erstreckt sich nichts als Buschland. Mal grasbewachsen, mal erdig braun oder rot, mal flach und mal hügelig, stets jedoch ohne jede Spur von Zivilisation. Und über alledem spannt sich ein Himmel, den nur selten ein paar Wolken zieren und schon gar keine Flugzeugstreifen. Gegen Abend wird das Licht zunehmend rötlich, und die Schatten werden länger, bis schließlich die Sonne unter den Horizont sinkt und der Himmel eine unbeschreibliche Farbtönung annimmt.

Drei Nächte haben wir nun schon im Outback verbracht, natürlich nicht draußen, sondern auf einem der gut ausgestatteten Campingplätze, wo es auch immer etwas zu sehen gibt. Heute morgen zum Beispiel unterhielt uns ein Pärchen grün schillernder Sittiche, gestern war es ein Sternhimmel, wie man ihn nur auf der Südhalbkugel zu sehen bekommt, mit dem Kreuz des Südens und dem Zentrum der Milchstraße.

Zwischen Tennant Creek und Alice Springs liegt die Region der Devils Marbles, der Teufelsmurmeln. Das sind haushohe Granitblöcke, die von der Erosion zu Kugeln geformt wurden. Einige davon sind geborsten und liegen als Halbkugeln in der Landschaft, von anderen ist die äußere Schicht abgeplatzt wie eine Zwiebelschale. Eine Stunde lang laufen wir in der einzigartigen Landschaft herum, dann geht es weiter dem Etappenziel entgegen.

Es ist wieder empfindlich kalt hier, deshalb gehen wir nach dem Abendessen – man wird ja bei Rotel täglich bekocht – und Duschen meist recht früh schlafen.

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Im Outback

Ein Road Train ist ein Sattelschlepper, der hinten noch einen zweiten Trailer mitführt. Und daran einen dritten. Manchmal sogar einen vierten. Diese Ungetüme der Straße haben 16 Achsen oder mehr. Auf unserer Fahrt von Townsville nach Cloncurry begegnen uns einige von ihnen.

Wir sind im Outback, die Küste und die Küstenberge liegen weit weit hinter uns. Auch Bäume sieht man hier nur noch vereinzelt, der Blick schweift über weite grasige Ebenen, die so manche Rinderherde mehr schlecht als recht ernähren. Hin und wieder müssen die Tiere zu neuen Weidegründen gebracht werden, bis die alten sich in der Regenzeit wieder regeneriert haben. Womit? Natürlich mit dem Road Truck. An einer Tankstelle parkt ein solches Gefährt. Neugierig schauen die Tiere über den Rand der Ladefläche.

Heute morgen sollen sich Wale in der Bucht von Townsville gezeigt haben, dort wo wir gestern wandernd unterwegs waren. Es war aber wohl ein falsches Wal-Versprechen.

Hier im Outback liegen die Ortschaften genau so weit auseinander, daß jede Ortsdurchfahrt ein Etappenziel ist, mit 20 Minuten Pinkelpause. Und jede zweite ein Tankstopp, denn der Bus verbraucht immerhin 40 Liter auf 100 Kilometer, während sein Tank nur gerade 300 Liter faßt. Aber es gilt auch in der scheinbar langweiligsten Siedlung stets die Regel: steige niemals ohne Kamera aus. Du könntest zum Beispiel den Friedhof verpassen mit seinen ebenso unterhaltsamen wie verwitterten Grabsteinen. Oder die lebensgroße Dinosaurier-Nachbildung, denn jede der Ortschaften im Outback hat ihre ganz spezielle Attraktion. Bei der letzten war es eine seltene Beutelratte.

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Whitsunday Islands

Eine unserer Mitreisenden hätte beinahe ihre letzte Reise angetreten, ohne die vorletzte zu Ende zu bringen. Nach einem Notarzteinsatz heute morgen liegt sie nun in der Klinik der nächstgelegenen Stadt, und es besteht Hoffnung, daß sie überlebt.

Weit draußen vor der australischen Ostküste liegt das Great Barrier Reef, eines der größten Naturwunder der Erde. Vom Ort Airlie aus kann man einen Ausflug mit dem Schnellboot buchen. Es legt an einer Basis im Hardy-Riff an, die wiederum allerlei Aktivitäten rund um dieses Riff anbietet: Tauchen, Schnorcheln, mit dem Hubschrauber darüberfliegen oder im Semi-Sub an der Riffkante entlang fahren und die Korallen und Fische durch große Unterwasserfenster beobachten. Bei dieser Form des Tauchens bleiben die Haare trocken, und man muß auch nicht zum unförmigen Teletubby mutieren. Die Schnorchel-Einweisung zu versäumen wäre allerdings ein Verlust gewesen, denn wie das schlaksige Crew-Mitglied pantomimisch die Gefahren des Tauchens vorträgt, erweisen sich als äußerst amüsant. Und weil auch eine Holländerin im Team ist, wird uns Deutschen sogar noch eine spezielle Begrüßung zuteil.

Als wir wieder aus dem U-Boot steigen, hat sich das Riff verändert: wo vorhin noch türkisfarbenes bis hellgrünes Wasser diverse Untiefen andeuteten, liegen jetzt die Spitzen der Riffe trocken, mit weiter abnehmendem Wasserstand steigen immer mehr braune Korallenfelsen aus dem Wasser. Auch wir nautisch Ungebildeten können nun deutlich erkennen, wo unser Schiff fahren kann und wo nicht.

Nur wenige Minuten nach dem Ablegen von der Tauchbasis jedoch stoppt der Kapitän die Maschinen, denn zwei Buckelwale versperren die Durchfahrt. Ein Rücken taucht aus dem Wasser auf, dann noch einer. Während sie wieder unter die Oberfläche gleiten, stoßen sie die typische Blaswolke aus, dann kommt wieder der Rücken in Sicht, dann wieder die Wolke. Irgendwann schließlich tauchen sie seitlich ab, und das Schiff kann seine Fahrt fortsetzen.

Wie schon die Hinfahrt führt auch die Rückfahrt an den zahllosen Inseln der Whitsunday-Gruppe vorbei, einsame weiße Sandstrände wechseln sich ab mit schroffen Felsen – und auf einer der Inseln, sie heißt Hamilton Island, steht als skurriler Fremdkörper ein zwanzigstöckiges Hochhaus. Was es nicht alles gibt.

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Zuckerrohr am Wendekreis

Je weiter wir nach Norden kommen, desto angenehmer werden die Temperaturen. Das wissen auch die Sydneysider und all die anderen Menschen, die in New South Wales oder Victoria leben: wer kann, entflieht dem kühlen Winter und reist in die Region, wo die Strelizien gedeihen oder, wenn es noch ein paar hundert Kilometer mehr sein dürfen, Königspalmen und Zuckerrohr. Es ist gerade Erntezeit, die maschinell geernteten Rohrstücke werden per LKW oder Schmalspurbahn in die Fabriken gefahren, deren dampfende Schlöte zeigen, daß er Verarbeitungsprozeß in vollem Gang ist. Einige Felder stehen gerade in Blüte, die weißen Rispen über dem frischen Grün sehen sehr attraktiv aus.

Die Wohnwagengespanne, die den Highway Number One verstopfen, nennt man die „Grauen Nomaden”: den kühlen Wintermonaten entfliehen sie gen Norden, im schwülen Sommer wiederum flüchten sie nach Süden. Beides dauert mit dem Wohnwagen im Schlepp mehrere Tage, in Australien ist es erlaubt, auf speziellen Plätzen kostenlos zu nächtigen.

Im Supermarkt werden wir, als wir gerade unseren frisch erworbenen Imbiß einnehmen, von einem freundlichen Australier gefragt, ob wir schon Wails gesehen hätten. Wails? Ach so, er meint Wale. Das hiesige Englisch klingt für europäische Ohren oft etwas ungewohnt.

Bei Rockhampton quert der Bruce Highway den Wendekreis des Steinbocks. Eine Sonnenuhr und eine hohe Stele markieren den Punkt, wo die Sonne an genau einem Tag des Jahres um 12 Uhr mittags Ortszeit genau senkrecht steht. Gleich nebenan will eine botanische Kuriosität bewundert werden: ein Leberwurstbaum. Seine Früchte sehen so aus, als hingen sie an langen Schnüren von der Decke einer Räucherkammer. Gleich nebenan steht ein Orchideenbaum in voller Blüte. Botanisch handelt es sich dabei um eine Bauhinie, aber die Blüten haben etwas Orchideenhaftes und sollen auch so ähnlich riechen. Das könnten allerdings nur die bunten Vögel beurteilen, die man hier beobachten kann.

Da wir wieder eine recht lange Tagesetappe zurückzulegen haben, nutzen wir einen Tankstopp, um uns ein wenig die Füße zu vertreten. Hinter der Tankstelle haben sich ein paar Leute einem alten Linienbus zur Wohnung erkoren, und daneben noch einen zweiten: ein Mobile Home der besonderen Art. Aber wer will schon hinter einer Tankstelle leben?

Was ist eigentlich ein Billabong? Die Landschaft sieht hier recht trocken aus, die hellgrauen Buckelrinder scheinen aber dennoch satt zu werden. Warum auch nicht, sie können ja von Heu leben, wenn es genug Wasser gibt. Solche Wasserlöcher nennt man hier Billabong, das schöne Lied „Waltzing Mathilda”, die heimliche Nationalhymne der Australier, erwähnt ein solches. Wie der darin besungene Wanderarbeiter es jedoch schafft, sein erlegtes Schaf im Proviantbeutel zu verstauen, erklärt das Lied nicht.

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Endlich angenehm warm

Die empfindlich kühlen Regionen liegen endlich hinter uns, immerhin haben wir inzwischen gut 1.500 Kilometer Pazifikküste passiert.

Bevor wir heute morgen von Noosa Heads aufbrachen, gönnten wir uns noch eine halbtägige Wanderung: zuerst durch den hiesigen Urwald mit seinen gewaltigen Baumriesen, dann ein paar Kilometer entlang der Küste, deren heranrollende Brecher heute Dutzende von Surfern begeistern.

Heute ist Sonntag. Da geht man in Australien … nein, nicht in die Kirche, sondern zum Surfen. Von den vielen Leuten jeden Alters, die uns auf dem Küstenweg begegnen, trägt jeder zweite ein Surfbrett unter dem Arm. Von weitem sehen sie aus wie große Blattschneider-Ameisen.

Wenn das rollende Hotel auf einem Campingplatz eintrifft, richten sich die Blicke der bereits Anwesenden auf das seltsame Gefährt, aus dem 20 Personen klettern, um es aufzubauen und dann an fünf Biertischen das Abendessen einzunehmen, das Fahrer und Reiseleiterin zubereiten.

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Von der Gold Coast zur Sunshine Coast

Brisbane ist eine Stadt wie aus dem Bilderbuch. Von einem Aussichtsberg aus sehen wir den Fluß, der sich in mehreren Schleifen durch das Stadtgebiet windet, die grünen, niedrig bebauten Außenbezirke und natürlich das Zentrum mit den markanten Wolkenkratzern. Dort stellt Rudi, unser Busfahrer, wenig später den Bus in der Nähe des botanischen Gartens ab: eine Stelle, die wir alle leicht wiederfinden können, wenn wir vom Stadtbummel zurückkehren.

Und was gibt es nicht alles zu sehen. Wie in vielen australischen Städten mischt sich alt mit neu, das alte Rathaus, dessen Glockenturm einst das höchste Gebäude der Stadt war, wirkt noch immer wuchtig-repräsentativ, die Kirche gegenüber jedoch sieht vor der Kulisse der Wolkenkratzern etwas zwergenhaft aus. Wir suchen uns einen Weg zwischen den Kolossen und unter dem Highway hindurch zur Anlegestelle des Linienschiffs, das uns hinüber zur anderen Flußseite bringt. Dort hat die Stadt eine Freizeit-Area angelegt, die von der Bevölkerung freudig angenommen wird, mit Riesenrad, Freibad, Wasserspielen und viel Grün dazwischen.

Von hier führt uns eine Fußgängerbrücke wieder zurück und in den botanischen Garten mit seinen Riesen-Gummibäumen und dem Hibiskusgarten, der mit besonders großen Blüten in allen Farben beeindruckt. Und dann ist der Stadtrundgang auch schon wieder zu Ende, und der Pacific Highway nimmt uns wieder auf. Die Gold Coast hinter uns lassend, bewegen wir uns nun entlang der Sunshine Coast nach Noosa Head, unserem heutigen Etappenziel.

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Unterwegs

Australien muß man im australischen Winter bereisen, haben sie gesagt. Weil es dann nicht so heiß ist, haben sie gesagt. Daß es im Südosten im Winter arschkalt ist, haben sie nicht gesagt. Wobei die Kälte gar nicht das Problem ist, man hat ja eine warme Zudecke. Aber es wird eben auch relativ früh dunkel, und statt laue Sommerabende zu genießen, sitzt man dann halt im Dunkeln herum oder geht frühzeitig ins Bett. Denn Aufenthaltsräume, im Idealfall mit WLAN, haben die Campingplätze hier nicht.

Wir fahren, von Sydney kommend, auf dem Highway die Ostküste entlang nach Norden. Damit ist man eigentlich den ganzen Tag beschäftigt. Gestern gegen 15 Uhr erreichten wir das Städtchen „Surfers Paradise”. Was nach einem Hüttendorf für Wassersportler klingt, ist eine Mischung aus New York und Venedig. Das erste wegen der Wolkenkratzer, das zweite, weil das ganze Stadtgebiet von Kanälen durchzogen ist, ihre Gesamtlänge soll sogar größer sein als die der Lagunenstadt. Man kann ein wenig am Strand herumlaufen und den Surfern bei der Suche nach der idealen Welle zusehen. Oder ein wenig durch die Einkaufsmeile spazieren, die genauso aussieht wie andere Einkaufsmeilen auch.

Zum heutigen Campingplatz sind es nur noch ein paar Kilometer. Dort angekommen, muß erst einmal die Elektrik des Busses inspiziert werden, denn der Motor läßt sich nicht mehr starten, und auch die Innenbeleuchtung ist ausgefallen. Die Elektrik sitzt im Kofferraum. Ob die Koffer sich freuen, daß sie heute mal ein wenig raus dürfen? Man könnte die Zeit nutzen, um ein paar Sachen zu waschen, denn der Platz hat eine schöne, moderne Laundry. Aus technischen Gründen kommt man aber nicht an die Schmutzwäsche heran, bevor nicht die Kofferraumklappen wieder geschlossen und der Zugang zu den Kabinen aufgebaut ist. Aber irgendwann sind wir dann fertig.

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Verkehrte Welt

Sydney wird umgebaut. In Sydney wird eigentlich immer irgend etwas gebaut, vor allem neue Wolkenkratzer. Als ob es nicht schon genügend davon gäbe! Wir sind wieder mit dem roten Rotel-Reisebus unterwegs. Wenn der Bus zugleich Hotel ist, muß zuerst alles abgebaut und verstaut werden: Beleuchtung abbauen und Kabel aufrollen. Dann die Plane weg, die Stützen für den Vorraum, der Vorraum selbst, zuerst die Bodenteile nach oben, dann die Dachteile nach unten, verriegeln, fertig. Und abends in umgekehrter Reihenfolge wieder aufbauen. Trotz der Mithilfe aller schaffen wir das in jeweils längstens 15 Minuten.

Die Stadtrundfahrt führt uns zu den Sehenswürdigkeiten, die man gesehen haben muß. Man wäre zum Beispiel nicht in Sydney gewesen, hätte man nicht das sensationelle Opernhaus mindestens einmal zu Fuß umrundet. Von innen darf man es eigentlich nur mit Führung besichtigen, aber die letzte Gruppe hat vergessen, die Absperrkordel zu schließen. Und man muß ja nicht wissen, daß das keine Einladung ist. Nach einer Stunde setzen wir die Fahrt fort und besichtigen im Vorbeifahren die senkrechten Gärten, das ist ein von außen begrüntes Hochhaus, sowie den berühmten Bondi Beach, draußen an der Pazifikküste, wo die Bucht von Sydney beginnt. Es folgt ein Rundgang auf eigene Faust, der uns in das schöne alte Kaufhaus Victoria führt sowie noch einmal in den Botanischen Garten, speziell in die Abteilung mit den fleischfressenden Pflanzen.

Morgen fahren wir in eine etwas wärmere Gegend. Hier in Australien ist ja vieles genau anders herum als zuhause: die Sonne wandert von rechts nach links über den Himmel, der abnehmende Mond sieht wie ein zunehmender aus, und je weiter man nach Norden kommt, desto wärmer wird es.

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Zwanzig Flugstunden bis Sydney

Nach zwanzig Stunden Flug, die meisten davon mit geschlossenen Fenstern, hat man jegliches Zeitgefühl so gründlich verloren, daß der Jetlag keine Chance hat. Zudem hatten wir Glück mit unseren Sitzplätzen, die Reihe 41 ist nämlich die erste in der Economy Class, und wo vor einem keine Rückenlehne ist, kommt einem auch keine Rückenlehne entgegen, wenn der Vorderpassagier es gemütlicher haben will. Der kleine Tisch ist hier in der Armstütze verstaut, und der Monitor hängt entweder an der Wand vor einem oder teilt das Schicksal des Tischchens. Aber das Bordprogramm ist eh nicht zu gebrauchen, und so übernimmt das eigene Smartphone diesen Part. Und dann sind wir endlich in Sydney, wo das rollende Hotel schon aufgebaut auf uns wartet. Im Dunkeln rasch noch alles aus dem Koffer geholt, was man so braucht, und was aber nicht in das Handgepäck durfte, dann heißt es: gute Nacht.

Der erste Morgen auf dem Roten Kontinent begrüßt uns sonnig, aber frisch, denn auf der Südhalbkugel ist ja gerade Winter. Unter den Bäumen hat sich ein Schwarm weißer Kakadus niedergelassen. Heute steht ein Besuch der Altstadt von Sydney auf dem Programm. Wir erkennen schnell, warum das Stadtviertel „The Rocks“ heißt, denn es ist in einen Felsrücken gebaut. Die ersten Häuser waren klein, wo nur noch die Grundmauern stehen, hat man zur Veranschaulichung ein paar typische Möbelstücke künstlerisch nachgestellt: Tisch und Stühle, eine Standuhr, ein Sideboard. An einer anderen Stelle wurde die doch recht übersichtliche Vergangenheit sogar archäologisch ergraben. Der Rest des Stadtviertels besteht aus Häusern der zweiten Generation, die vor den modernen Wolkenkratzern geradezu zwergenhaft anmuten. Einen ähnlichen Generationenwechsel sieht man hier allenthalben: dreistöckige Häuser neben zehnstöckigen, die wiederum von achtzigstöckigen überragt werden.

Das Opera House kennen wir ja schon, und ebenso den Botanischen Garten. Trotzdem ist es immer wieder ein Genuß, dort herumzustreifen und den Anblick der segelartigen Dächer vor der Harbour Bridge zu genießen, dazu die Skyline und im völligen Kontrast zu alledem das frische Grün des Gartens mit seinen exotischen Bäumen und Pflanzen.

Den Sydney Tower ist ein recht spezieller Ort. Noch überragt er die Wolkenkratzer, und man kann den Sonnenuntergang und die heraufziehende Nacht genießen. Aber der freie Blick auf die Harbour Bridge und das Opernhaus dürfte der Vergangenheit angehören.

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