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Abschied vom Palazzo dal Borgo

Heute heißt es Abschied nehmen von der Stadt und dem Palazzo del Borgo. Abschied von der Terrasse mit dem Pomeranzenbaum und den duftenden Kamelien, die von Tag zu Tag mehr erblühten. Vom Zimmer mit dem Himmelbett und der defekten Steckdose, die uns gerne mal im Dunkeln stehen ließ. Vom Platz vor der Kirche S.M.N., wo allabendlich die Leuchtflieger-Verkäufer mit Venus und Jupiter wetteiferten. Weg von den verwinkelten Gassen, in denen wir uns von Tag zu Tag besser auskannten. Vom Conad-Supermarkt in einer dieser Gassen, dessen schmale Straßenfront seine innere Größe nicht im mindesten erahnen ließ. Und natürlich vom abendlichen Geläut des Doms und der vielen anderen Kirchen ringsum.

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Zur Stazione sind es nur ein paar Schritte, die Zugfahrt nach Bologna dauert mit dem Hochgeschwindigkeitszug gerade einmal eine halbe Stunde. Weiter geht es mit dem ÖBB-Eurocity, der durchgehend in Vierergruppen bestuhlt ist, zwischen den Rückenlehnen Platz für Koffer hat und neben jedem Doppelsitz eine Steckdose. Warum schafft die Deutsche Bahn das nicht? Die letzte Etappe schließlich legen wir mit dem Flixbus zurück, der jetzt Meinfernbus heißt. Der Busfahrer erkennt uns wieder. Und pünktlich ankommen tut er auch.

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Zweifache Besteigung

Der Dom und erst recht die Domkuppel überragen die umliegenden Häuser bei weitem, deshalb werden sie noch von der roten Sonne angestrahlt, wenn unten schon längst Schatten herrscht. Das verleiht den Abenden auf dem Domplatz einen ganz besonderen Flair.

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Wie hoch die Kuppel gemessen in Trittstufen ist, erfuhren wir heute morgen. Der Aufstieg gestaltet sich recht unterhaltsam: mal gewendelte Treppen und mal gerade, mal mit Gegenverkehr und mal ohne, manchmal breit, aber meistens sehr schmal, einmal am Kuppelrand mit Blick in die Tiefe und auf die Fresken, ein Stück weit immer schräger werdend, denn zwischen Innen- und Außenkuppel ist nur wenig Platz. Und dann sind wir oben. Nicht ganz oben, denn über uns ist immer noch der Kuppelaufbau. Aber höher als der Campanile nebenan. Was für eine Aussicht! Beim Umrunden der Plattform lassen wir die letzten Tage noch einmal Revue passieren: die diversen Kirchen, der Palazzo Vecchio mit den Uffizien, der Palazzo Pitti mit seinem blumen- und wasserfreien Garten, die Kirche beim Michelangelo-Platz, die beiden Medici-Kapellen, die Heimstatt des David, die Santa Maria Novella gleich neben dem Hauptbahnhof, wo morgen … nein, nicht an Abschied denken.

IMG_1941In Florenz gibt es einen der ältesten botanischen Gärten der Welt, gegründet 1545. Ganz so alt sind die Gewächshäuser natürlich nicht, die riesige Korkeiche aber wohl schon. Die botanischen Schätze dieses Gartens wollen gesucht und gefunden werden, insbesondere die Zitrusfrüchte haben es uns angetan. Und die lustigen Lampionblüten, die wie kleine Vogelhäuschen samt Futter aussehen, natürlich auch.

Schon recht ermattet kommen wir wieder beim Dom an. Inzwischen ist es Nachmittag geworden, die geänderten Lichtverhältnisse lassen einen weiteren Aufstieg lohnenswert erscheinen, der dieses Mal dem Campanile gilt. Der Turm sieht von unten recht luftig aus, man blickt förmlich durch ihn hindurch. Wo sich da wohl die Treppen verstecken mögen? Sie befinden sich größtenteils in einem der Eckpfeiler. Zum Glück herrscht hier weniger Publikumsverkehr als auf der Domkuppel, stellenweise gestalten sich die Begegnungen mit den von oben Herabsteigenden aber doch recht eng. Was für eine Aussicht! Erneut lassen wir die letzten Tage Revue passieren: die diversen Kirchen, den Palazzo …

Über 800 Treppenstufen hinauf und ebenso viele wieder hinab, da fallen die paar Extrastufen hinauf in den zweiten Stock unseres altehrwürdigen Hotels „Palazzo dal Borgo” kaum noch ins Gewicht.

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David

Man war nicht in Florenz, wenn man nicht den originalen David gesehen hat, dessen Kopien vor dem Palazzo Vecchio und anderenorts stehen. Doch zunächst gilt es, sich weder in die Warteschlange für Gruppen noch in die für reservierte Karten einzureihen, sondern bei den Besuchern ohne Reservierung. Dort geht es erwartungsgemäß besonders langsam voran: ideale Bedingungen für den Fliegenden Händler, der seine Schätze – es sind übrigens bei jedem Händler immer die gleichen – vor den Wartenden ausbreitet. Und dann binnen Sekunden zusammenrafft, als die Polizei ums Eck biegt.

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Irgendwann sind wir dann aber doch im Inneren der Accademia, diesem Tempel der Kunst, der neben dem David auch noch den Raub der Sabinerinnen beherbergt. Genau genommen ist es nur eine Sabinerin, die da – immerhin ist sie ja zur Gänze aus Marmor – hinfort gewuchtet wird. Einige andere Statuen stecken zum Teil noch im Marmor, aus dem nur Michelangelo sie hätte befreien können.

Von der Accademia führt uns der Weg zum Palazzo Pitti, dem Prunkbau der Medici, in dessen Innerem es eine schier endlose Folge von Fürstenzimmern zu bewundern gilt, mit eindrucksvollen Deckenfresken und unzähligen Gemälden, die kaum einen Quadratmeter Wandfläche auslassen.

Die Boboli-Gärten hinter dem Palast erweisen sich jedoch als Enttäuschung: für 10 Euro Eintritt hätten sie, wenn es schon keine einzige blühende Pflanze in diesem Park gibt, wenigstens die Springbrunnen einschalten können. Des Herumirrens müde erreichen wir schließlich die Grotte, die zu jeder Stunde für 5 Minuten aufgesperrt wird – kaum ist man drin, wird man auch schon wieder hinaus komplimentiert. Selbstredend fließt auch hier kein Tropfen Wasser.

Endlich im Hotel. Trotz weher Füße noch einmal weggehen? Verlockend wäre es schon.

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Die Stadt der Türme

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Wer hat den längsten? Konkurrierende Architektur gab es auch schon im Mittelalter, im toskanischen Städtchen Gimignano wollte jede Familie die andere übertrumpfen, und so bereichern bis heute zahlreiche völlig nutzlose Türme das Stadtbild. Nutzlos? Zumindest könnte man von dort oben besonders gut die wunderschöne toskanische Landschaft genießen, in die das Städtchen eingebettet liegt.

Es hat sogar einen Weltmeister hervorgebracht, den der Eismacher nämlich. Er ist persönlich anwesend und hat sichtlich Freude daran, jeden seiner Kunden individuell zu begrüßen, uns sogar auf deutsch. Sein Eis schmeckt natürlich ausgezeichnet.

Der Dom des Städtchens ist mit Fresken ausgemalt, links das Alte Testament und rechts das neue. Man sieht Eva aus Adams Rippe steigen, Jesus Wasser in Wein verwandeln und noch viele andere bekannte und weniger bekannte Geschichten.

Auch heute morgen stand wieder ein Gotteshaus auf dem Programm, nämlich die strikt im Renaissancestil gehaltene Lorenzokirche der Medici, und vorher noch das Barcello-Museum mit feinsten Marmorstatuen von Michelangelo und anderen. Den Weg zurück zum Hotel finden wir zwischenzeitlich schon ganz allein.

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Die Venus und andere Schönheiten

Wenn man in Florenz von der Venus spricht, dann ist damit nicht der freundlich grüßende Abendstern gemeint, sondern das Meisterwerk des Sandro Botticelli in den Uffizien, jener berühmten Gemäldegalerie, die ursprünglich ein prunkvolles Verwaltungsgebäude für die Handelsgeschäfte der Medici war. Und sie ist nicht das einzige weltberühmte Kunstwerk, auf das wir heute stoßen.

Erste Attraktion des heutigen Tages waren die beiden Medici-Kapellen bei der Kirche San Lorenzo. Die eine mit opulenten Marmorintarsien, die andere im strengen Renaissance-Stil mit Skulpturen von Michelangelo, die zum Teil im Rohzustand verblieben sind. Warum auch immer.

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Und dann die Uffizien! Saal für Saal Kunst vom Feinsten: Botticelli, Leonardo da Vinci, Michelangelo, Tizian, Rembrandt und wie sie alle heißen. Unter fachkundiger Führung lernen wir die Veränderung der Stile in jener Zeit kennen, von streng ikonenhaft bis individuell.

Das Gebäude ist U-förmig angelegt und hat drei Stockwerke. Wenn man wie wir erst kurz vor dem Ausgang bemerkt, daß man nicht im etwas versteckt gelegenen Saal mit den flämischen und holländischen Meistern war, muß man noch einmal gegen den Strom zurück, um sich dann erneut in Richtung Ausgang durchzukämpfen, denn inzwischen drängt die Zeit: wer zu spät kommt, verpaßt die Gelegenheit zur Fahrt mit dem Linienbus hinauf zum Piazzale Michelangelo, von wo aus man einen herrlichen Ausblick über die Stadt, den Fluß und die Brücken genießen kann.

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Renaissance allerorten

Ein Straßenrestaurant befindet sich in Florenz nicht an, sondern auf einer Straße. Will heißen, direkt auf der Verkehrsfläche. Die Straße, auf der unser Tischchen steht, ist durchaus frequentiert, der Linienbus fährt quasi direkt an der Tischkante entlang. Zum Glück ist noch ein Geländer dazwischen.

IMG_1343Unsere Reisegruppe ist abends sehr überschaubar, denn wir beide sind die einzigen Gäste, die Halbpension gebucht haben. Das bedeutet, wir werden von der Reiseleiterin in ein Restaurant plaziert, sie bestellt und bezahlt, und wir essen.

Tagsüber ist die Gruppe natürlich größer. Es gibt ja auch unglaublich viel anzuschauen in der Stadt, in der im 15. Jahrhundert ein ganz neues Zeitalter eingeläutet wurde, die Renaissance. Was diese Epoche von den vorhergehenden unterscheidet, erkunden wir, indem wir in diversen Kirchen die typischen Fresken aus jener Zeit betrachten. Natürlich sind aber nicht nur die Kirchen interessant, sondern auch die Straßen und Plätze.

Vor der Markthalle bieten Fachkräfte aus Schwarzafrika die üblichen Waren an: Sonnenbrillen, Rolex-Uhren – alles Markenprodukte, versteht sich. Plötzlich, wie auf Kommando, sind alle Waren verschwunden, unsichtbar geworden für die Carabineri, die wohl irgendwo ums Eck kamen.

Müde und abgekämpft kommen wir irgendwann beim Palazzo Vecchio an. Stünde nicht der marmorne David davor, könnte man fast glauben, man sei in Fürth. Aber das Original ist natürlich viel größer und eindrucksvoller.

Nach dem Abendessen, wieder in eindrucksvoller Gruppenstärke von zwei Personen, verbringen wir noch einige Zeit bei romantischer Straßenmusik vor der Kirche Santa Maria Novella, über uns der Vollmond, die Venus und der Jupiter.

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Oben drüber und unten durch

Gestern hatten wir zwei, die mitfahren wollten, aber aussteigen mußten. Heute einen, der aussteigen wollte, aber mitfahren mußte. Weil der Zug, kaum daß der Mann seinen Lieben die Koffer ins Abteil getragen und ins Gepäcknetz gehievt hatte, schon wieder abfuhr. So kam er ganz unfreiwillig zu einem Ausflug nach Rosenheim.

IMG_2078Und dann ging es auf Schienen in die Berge. Schnee liegt dort jetzt nur noch oberhalb der Baumgrenze. Flugs waren wir in Innsbruck, zum Brenner hinauf ging’s merklich langsamer weiter. Dann wieder flott hinab ins Italienische, und schon bald hieß es umsteigen, denn die letzte Etappe von Bologna nach Firenze, unserem Reiseziel, legen wir im Trenitalia zurück, der etwa unserem ICE entspricht, nur etwas moderner noch und futuristischer.

Daß man durch die Toskana fährt, darf in diesem letzten Reiseabschnitt wörtlich genommen werden, die Strecke verläuft nämlich im wesentlichen durch Tunnel. Und dann sind wir da.

„It’s a short-a trip-a to Hotel Borgia”, weiß unser Abholdienst zu vermelden. So fühlt es sich also an, wenn man in Italien um die Ecke gebracht wird – das Hotel liegt nämlich in einer Seitenstraße des Bahnhofsplatzes.

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